Mr. «v. Hersfeld, den 26. Juli. ' 1882.
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U a d e t ch a.
(Fortsetzung.)
Diese« Lvnx,Damen feierten schon jetzt den höchsten TrüNnPh/'oemp^Mer Blicke hingen unverwandt an ih- nensiMutz. so.0^.^! Tusch von rauschenden Trompeten eine^nE MMMing ankündigte, so kehrten doch die BliEAAer naFMfriedigter Neugier gu den drei glän- zenden^'SlerMmWrück.
Ei«^ Wsmeruder Posaunenstoß verkündete einen neuen, späten Ankömmling, und eine schlanke Gestalt in weißem Atlasgewande, dessen Vorderseite mit Perlen und silbernen Lilien gestickt und über welches eine offene weiße L>ammetrobe mit ähnlicher Stickerei geworfen war, trat ein. Durch ihre goldenen Locken schlang sich ein diamantenes Diadem, vom reinsten Wasser, welches ihr das Ansehen einer Königin verlieh. Eine ältliche Dame, in violetten Sammet gekleidet, an deren Busen ein Ordenskreuz schimmerte, geleitete sie zu ihrem Sitze.
— Ha, wer ist sie? flüsterte es von Mund zu Mund doch Niemand kannte diese reizende Erscheinung, deren durchsichtiger Teint und unnachahmliche Grazie, womit sie den Saal durchschritt, ihr fast etwas Ueberirdisches verliehen.
— Sie muß von hoher Abkunft sein, flüsterte Jsidore der Baronesse zu. Sehen Sie nur, ihre Begleiterin trägt das Ordenskreuz des heiligen Andreas.
— Vielleicht eine Dame vom Hofe, antwortete die Baronesse in demselben Tone.
— Sie ist erst diese Nacht angekommen, nahm die Gräfin Froloff das Wort. Mein Jäger, der alle Wappen der Equipagen kennt, kann das ihre nicht entziffern. Sie führt eine rothe Rose, mit einem Doruenkranz" umwunden, im blauen Felde.
— Sie ist jedenfalls eine bedeutende Erscheinung; dazu ist sie verzweifelt jung, meinte die Baronesse, und blickte ängstlich nach dem Eingänge, des schönen Polen gedenkend.
XVIII,
Nadescha — denn sie war es, die zuletzt eingetre
ten, nahm ihren Platz neben der Klosterdame, und ob- schon sie ihre Befangenheit zu bemeistern suchte, so that doch die fürstliche Pracht ihrem Auge wehe, denn sie gedachte ihres armen Vaters, der jetzt vielleicht auf un- wirthbarer Steppe, ohne Obdach, dein Elend preisgeze- ben verschmachtete. Auch Dimitrys gedachte sie mit Sehnsucht und mit stiller Treue. Noch hatte sie keine Ahnung von dem Zwecke dieser glänzenden Versammlung.
Da, als ob ein Bergstrom niederrauschte, ertönte in stürmischen Accorden eine Introduktion, die dann in eine grandiose Polonaise überging.
Erwartungsvoll richteten sich aller Augen nach der geöffneten Thür, und stolz, wie ein Siegesgott, trat Di- mitry in glänzender Uniform herein. Ihm folgte ein bleicher Mann mit geschorenem Barte, in welchem Na- descha zu ihrer innigsten Freude ihren Vater erkannte. Dimitry, sich links und rechts verbeugend, schritt auf Nadescha zu, und zwei Pagen, die ihm folgten, legten ein Kissen zu ihre^l Füßen, auf welches Dimitry ineder- sank.
Vor freudigem Erstaunen Alles um sich her vergessend, glitt Nadescha sanft von ihrem Sitze und kniete neben ihren Verlobten, dessen Arm sie eine Secunde lang umschloß. Ihre mütterliche Freundin schmückte sie mit dem Myrtenkränze, den die Popen auf einem Kissen herbei brachten, und warf ihr einen kostbaren Schleier über das Lockenhaupt.
— Meine Nadescha, meine Braut! rief Dimitry in seligem Entzücken; gieb mir die Hand fürs Leben i Vor allen diesen Zeugen erwähle ich Dich, Du bist mein Weib, mein geliebtes Wekbl Doch wie, Du weinst, Nadescha?
— Vergieb mir diese Thränen, Theurer, flüsterte sie sanft; sie entströmen deni Uebermaß meiner Glückseligkeit.
Unterdeß hatte sich der Saal mit männlichen Gästen gefüllt. Paar an Paar reihete sich zur Polonaise, die bei manchem hier Anwesenden zu einem Tanz in den Ehestand erhoben wurde.
Dimitry eröffnete mit Nadescha den Reihen und wandelte an ihrer Hand aus dem Saale durch die angrenzenden Gemächer in die nahe gelegene Capelle, welche der nordöstliche Thurm bildete. Dort wartete ein alter