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MV. SS. Hersfeld, den 23. Juli.
18TS.
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N a d e t oh a.
(Fortsetzung.)
Diese drei ausgezeichneten Damen begrüßten, küßten und umarmten sich aufS herzlichste, und hatten sich so viel zu erzählen, daß die Ursache ihres Besuches fast vergessen schien. Nur nach und nach rückte man dem Hauptzwecke näher, und unter einer gutgespielten Gleichgültigkeit kam die Baronesse mit der Bemerkung hervor: sie habe gehört, daß der Wähler ein sehr unbedeutender Mensch sein solle.
— Es ist der Erbe seines Oheims, fuhr sie fort, das ist Alles, was man von ihm sagen kann. Wehe dem armen Opfer, das er mit seiner Hand beschenkt.
— Ich habe gehört, sagte Gräfin Froloff, seine Wahl sei schon getroffen. Eine Dame vom Hofe sei die im Stillen Begünstigte, sie werde noch erwartet.
Jsidore suchte ihre Ueberraschung zu verbergen.
— Wie, theure Freundin, sagte sie dann gespannt, wenn Sie diesem Gerücht Glauben schenkten, welcher glücklichen Caprice verdanken wir dann Ihre Erscheinung?
Mit einem sarkastischen Lächeln antwortete die Gräfin:
— Einzig und allein der angenehmen Hoffnung, Ihnen, theure Freundin, hier zu begegnen, sowie der Ente des Adels. Wären Sie vielleicht aus anderen Gründen hier?
— Die schöne Gräfin, fügte die Baronesse hinzu, thut wohl daran, ihre Gründe für sich zu behalten. Du bestürmst umsonst das gefühlvolle Herz unserer Freundin, dessen zärtliche Wünsche ein reizender Schleier verhüllt.
— Wenn ich die Wahrheit gestehen soll, sagte Gräfin Jsidore piquirt, so hat die Neugierde den größten Antheil an meinem Kommen. Man sieht bei solchen Gelegenheiten oft so wunderbare, originelle Erscheinungen, die uns Stoff für den ganzen Winter geben. Ich habe die reizende Sappho vom vorigen Herbst iroch nicht vergessen. die leider auch einer rothwangigen Melitta auf- geopfert wurde. Ein Glück, daß kein leukadischer Felsen in der Nähe war.
— Gestehen.Sie es nur, schöne Gräfin, versetzte mit süßem Lächeln die Dichterin Bukara, das sind Ausflüchte, die wir nicht gelten lassen. Ich sah Sie vorhin erblei
chen, als meine Freundin der getroffenen Wahl erwähnte. Zur Strafe für diese kleine Verrätherei sollten Sie im Costume der Göttin der Wahrheit erscheinen müssen.
— Ich bin zu 'prosaisch, sagte Jsidore fein, um in einem idealischen Costume Glück zu machen, das überlasse ich den Dichtern. Uebrigens, glaube ich, werden solche verführerische Ideale, solche raffinirte Hülfsmittel wenig verfangen, da, wie Sie vorhin selbst bemerkten, der Wähler ein so unbedeutender Mensch ist. Er versteht diese Coups gar nicht, ihm mangelt der Sinn für das Erhabene.
— Zudem, sagte Gräfin Froloff, soll er ein wüthender Demagoge sein.
— Ein Kopfhänger, sagte die Baronesse.
— Eine Ronch versetzte Jsidore, ich habe es aus bester Quelle.
Hier vereinigten sich die drei zärtlichen Freundinnen in dem festen Vorsätze, daß ein solcher Mensch ein Demagoge, ein Kopfhänger, ein None seinem eigenen Schicksal überlassen werden müsse, daß er es nicht verdiene, beachtet zu werden, und daß man bloß des Scandals wegen gekommen sei.
Arm in Arm gingen sie darauf in den Garten, in welchem sich ein schöner Pole zu der Dichterin gesellte, und Jsidoreus aufmunternde Blicke ihren Lieutenant mit dem großen Federbusch — der schmachtend a» einer Cy- Presse lehnte — einluden, sich den Damen anzuschließen.
XVII.
Wir verließen Nadescha als Genesende unter der treuen Obhut ihres alten Freundes Gardieu, der Pflege des ArzteL und ihrer zartbesorgten Amme.
Unter dem Vorwande, daß sie zu ihrer gänzlichen Wiederherstellung eines wärmern Himmelstrichs bedürfe, führten ihre Freunde sie nach Moskau. Hier wartete Nadeschas eine große Freude. Die edle Klosterfrau, ihre geliebte Lehrerin und Mutter, bot sich ihr zur Begleiterin an, denn von hier sollte es noch weiter ins Innere von Rußland gehen, bis auf eines der südlich gelegenen Schlösser Dimitrys, um dort seine Rückkehr zu erwarten.
Die Unterredung, welche Dimitry vor seiner Abreise mit seinem Freunde gepflogen, bezog sich größtentheils auf die bevorstehend« Brautwahl, zu welcher er, wie er