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Hcrsfclder Anzelgcr.

Nr. S8. Hersfeld, den 19. Juli. 18«S.

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N a d e s ch a.

(Fortsetzung.)

Machen wir die Runde und blicken in einige der Gemächer, welche jetzt mit Gästen aller Art angesüllt sind, und wir werden das Obige bestätigt finden.

In einem der eleganten Zimmer, welches mit Nr. 3 bezeichnet war, unterhielt sich ein alter General sehr leutselig mit einem Husarenrittmeister von untersetzter Statur und mit einem etwas zu blonden Barte. Die Töchter des Generals saßen auf der an das Zimmer stoßenden Galerie beim Frühstück.

Sie wollen also wieder zu Ihrer Schwadron zn- rückkehren? fragte der General den Rittmeister.

Ja, Excellenz, mein Urlaub ist in diesen Tagen abgelaufen.

Haben Sie sich denn während Ihrer Anwesenheit in Poltawa nichts Liebes ausgesucht?

Wozu sollte das führen, Excellenz? Ich bin ohne Vermögen, darf nicht aus Heirathen denken.

Ei warum nicht? Müssen eine Frau mit Vermögen nehmen. Muth, lieber Freund I Frisch daraus lost Es giebt Mädchen genug hier, entschließen Sie sich kurz.

Ich weiß in der That nicht ich bin hier so unbekannt.

; Müssen sich bekannt machen. Ich selbst habe zwei Töchter. Sehen Sie sich die Mädchen an; jede hat ihre hunderttausend Rnbel; davon läßt sich schon eine niedliche Wirthschaft einrichten.

Unser Rittmeister fängt Feuer.

. Wie, Sie selbst, Herr General, sagte er, wollten die Gnade haben?

Der General stößt die Thür zur Galerie auf, schiebt den Rittmeister hinaus zu den beiden Töchtern und ruft ihnen zu:

, Hier habt Ihr einen Gefangenen, den ich Eurer Gnade überliefere; macht ihm das Leben nicht zu sauer. Und dem Rittmeister flüstert er ins Ohr: In einer hal­ben Stunde erwarte ich Sie nuten bei der Fontaine, um über Ihre Hochzeit das Nähere zu besprechen. Da­mit geht er hinunter in den Garten und überläßt es den jungen Leuten, mit einander bekannt zu werden.

Es giebt zuweilen Momente, in denen sogar ein Husarrenrittmeister befangen sein kann, und dort kam ein solcher. Die Situation war aber auch gar zu komisch, zu sans facon. Zudem schienen die Damen wirklich die Indiskretion ihres Vaters zu fühlen.

Schon wollte sich der kecke Eindringling unter stum­men Verbeugungen wieder zurückziehen, als er der klei­nen Brünette schalhaftes Kichern bemerkte. Dies belebte seinen Muth. Er küßte ihr die Hand, sah ihr ins Lluge, sie erröthete und die Sache war richtig. Die Schwe­ster nahm ein Buch zur Hand und überließ die beiden Liebenden ihren so neuen Gefühlen-

Nach Verlauf einer halben Stunde entfernte.sich der Siittmeifter unter Schwüren ewiger Liebe von-seiner Braut, um mit seinem Schwiegervater die Renten sest- zusetzen. Der General trat ihm mit den Worten ent­gegen: .,

Nun, ich sehe an Ihrem glänzenden Blicke, Sze haben reussirt.

Herr General, ich bin der glücklichste Mensch in der ganzen Schwadron! Feodora liebt mich ich bete sie an...

Wa was? Feodora? Das ist ja meine Jüngste. Teufel! Nein, das geht nicht, Herr. Die Aelteste muß zuerst weg, daS ist in der Ordnung, nehmen Sie Klimenta.

Herr General, wie kann ich mein Herz hat gewählt.

Papperlapapp I Seien Sie nicht so tactlos l Sie nehmen Klimenta sie ist eine eben so gute Partie.

Unmöglich, Excellenz! Sie setzen mich in Ver­zweiflung! e

Unsinn! Unsinn! Nun, ists richtig? Es geht beim Teufel nicht anders, die Aelteste muß zuerst weg. Schlagen Sie ein: Klimenta für immer I Sonst muß ich auf die Ehre verzichten!

Der arme Rittmeister der sich schon ausgemalt hatte, wie er mit seiner jungen Frau in einem allerliebsten Phaethon sitzend bei seiner Schwadron ankommen, wie er mit der Mitgift einen glänzenden Hausstand einrich­ten und seine Kameraden todtärgern wollte, mußte in den sauren Apfel beißen, und statt der geliebten schelmi­schen Feodora die alternde, sentimentale Klimenta nehmen.