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Nr. 56* Hersfeld/ den 12, Juli. LDGA.

DerHersfelder Anzeiger" erscheint wöchentlich zweimal, Mittwochs und Sonnabends. Preis desselben bei der Expedition (Neuniarkt Nr. 587) pro Quartal 7| Sgr. bei den Postanstalten kommt der übliche Postauf- schlag hinzu. Anzeigen aller Art werden ausgenommen und die Zeile oder deren Raum mit 8 Heller bei Wie­derholungen mit 6 Heller berechnet.

Seine Königliche Hoheit der Kurfürst haben allergnädigst geruhet:

den Staatsrath Carl Nohde zum Director des Ober-Steuer-Collegiums zu ernennen.

N a d e t eh a.

(Fortsetzung.)

Das ist vernünftig gesprochen, so höre ich dich gern. Ich glaube wahrhaftig der kurze Aufenthalt auf meinem Castell hat dich cnrirt. Nun, da du noch zu rechter Zeit einlenkst, so t uns jeden Zank vergessen und wieder Freunde sein.

Der Himmel hat Alles zum Besten gelenkt, Onkel, und daher will ich auch als guter Christ die Ruthe küs­sen, die mich schlug. Dimitry machte eine scherzhafte Bewegung, seinem Oheim die Haiw zu küssen; dieser küßte ihm aber in allem Ernst die Stirn und sagte:

Zeige dich deines stolzen Namens würdig, Dimitry. Laß allen Glanz entfalten, in welchem deine Vorfahren bei solchen Gelegenheiten sich auszeichneten. Du weißt, ich hasse diese affectirte Einfachheit, die auch ein Zeichen des sogenannten Fortschritts ist, und die es deni Plebejer so leicht macht, es einem Fürsten gleich zu thun.

Sei unbesorgt, Onkel, es gilt der Einzigen, die ich erwähle, für die ein Kaiserpalast nickt zn kostbar ist. Ich will ein Feenreich um sie her zaubern, in welchem sie Königin sein soll.

Nun, Du bist auf gutem Wege. Ich brauche dir wohl nicht erst zu bemerken, daß du bei deiner Wahl durchaus nicht auf Geld und Güter zu sehen brauchst. Ein hoher Name ist Alles, was ich zur Bedingung mache. Daß Du eine Häßliche wählst,fürchie ich nicht, ich kenne ungefähr Deinen Geschmack.

Set dessen versichert. Schön soll sie sein, schön wie der junge Tag, wenn er durch Nebelschleier in rosi­ger Klarheit bricht.

~ Nun wirst du gar zum Dichter. So ists recht: schön und hochgeboren.

~ Sie muß mir wenigstens ebenbürtig sein.

Bravo! du machst mich wieder völlig gesund, mein Neffe. Vielleicht komme ich noch zu deiner Hochzeit.

Das wäre erwünscht, du solltest dann der Braut­vater sein.

Ah, woran erinnerst Du mich!... Geh, Dimitry öffne jenes Pult, wo du im rechten Auszuge ein Käst­chen in rothem Maroquin finden wirst, das bringe mir

Dimitry that, wie ihm gesagt, und der Fürst öff­nete das Kästchen, woraus ihm ein prachtvoller Diamant­schmuck entgegenstralte.

Gieb diesen Schmuck deiner Braut von mir, sagte er, als ein Zeichen meiner väterlichen Zuneigung. Mein Juwelier erstand ihn von einem regierenden Hause, er ist einer Prinzessin würdig.

Dimitry nahm den Schmuck.

Zwar, sagte er, bedarf meine Braut nicht eines so prahlenden Schmuckes, doch als ein Zeichen deiner väterlichen Zuneigung wird er ihr willkommen sein. Ich danke dir in ihrem Namen. Und nun lebe wohl!

Lebe wohl, mein Neffe, und laß mich bald meine Schwiegertochter umarmen. Apropos! Wegen der klei­nen Hexe, die ich dir zu deinem Hochzeitstage verspro­chen ...

Dieses Versprechens entbinde ich dich, wenn du mir dasür den Vater geben wolltest.

Thut mir unendlich leid, daß er schon fort ist. Du würdest dich vor feinem Aussehen gescheut haben. Auch hat er eine Reise angetreten. In meinen Bergwerken zn Tara wird er für dich Gold graben. Du siehst, er ist jetzt dein Sklave, und nicht mehr der meine.

Wenn das ist, Onkel, so bitte ich dich um seinen Freibrief.

Wie, den Meuchelmörder soll ich frei geben? Willst du ihn vielleicht vor Gericht stellen? Nur unter der Be­dingung, daß er vom Henker geknutet wird, gebe ich ihn frei.

Er ist also auf dem Wege nach Tara, sagst Du?

Er muß schon bald dort sein, wenn er nicht auiter- weges^den Peitschenhieben erlegen ist.

eo darf ich keine Zeit verlieren. Adieu, Onkel! Gott bessere dich!

Dimitry begab sich nach seinem Landhause in Nova darewna, Hier fand er Nadescha schon außer dem Bette,