Einzelbild herunterladen
 

Dersfelder

Anzelger

M^ 55* Hersfeld, den 9. Juli. 1862*

DerHersfelder Anzeiger" erscheint wöchentlich zweimal, Mittwochs und Sonnabends. Preis desselben bei der Expedition (Neumarkt Nr. 587) pro Quartal 7| Sgr. bei den Postanstalten kommt der übliche Postauf­schlag hinzu. Anzeigen aller Art werden ausgenommen und die Zeile oder deren Raum mit 8 Heller bei Wie­derholungen mit 6 Heller berechnet.

^WiBBMiitmBMMMmiMiBa^wiffiiwtaaiHmmMMnmMBmMBaiMtn^^

Seine Königliche Hoheit der Kurfürst haben allergnädigst geruhet:

den vortragenden Rath im Gesammt-Staats-Mini- sterium und im Geheimen Kabinete, Oberfinanzrath Philipp Koch, zum Ministerialrathe zu ernennen,

dem Candidaten der Thierheilkunde Ernst Karl Philipp Rectius aus Homberg die Praxis als Thierarzt erster Klasse mit dem Wohnorte Waldkap- Pel zu gestatten,

dein Commandeur der Infanterie-Division, Gene­ral-Lieutenant von Hahn an, die nachgesuchte Er­laubniß zur Annahme und zum' Tragen des von Sei­ner Majestät dem Kaiser von Oesterreich demselben verliehenen Ordens der Eisernen Krone erster Klasse " ' . zu ertheilen.

^ teM^«^ ........ imi»

U a d e t ch a.

(Fortsetzung.)

Willkommen in Petersburg! rief der Fürst, der noch auf seinem Ruhebette lag, bei seines Neffen Ein­tritt. Schade, setzte er mit Ironie hinzu, daß du nicht einige Tage früher gekommen bist. Deine schöne Skla­vin, die Frau Lieutenantin in spe, hat eine weite Reise angetreten, um ihre Gesundheit zu kräftigen vielleicht hättest du gern die Reise mitgemacht?

Ist nicht mehr nöthig, Onkel, erwiederte Dimitry in demselben Tone; ich weiß ja doch, daß du gegen diese Heirath warst, obwohl ich Deine schriftliche Einwilligung besitze, welche Du mir gütigst zugeschickt, ehe ich meine Reise nach Moskau antrat.

Was willst Du, Neffe? Das Papier ist geduldig, man kann viel schreiben, von dem man das Gegentheil zu thun gedenkt.

Ein Prelucki sollte sich solcher Kunstgriffe nimmer bedienen, doch es sei vergessen, des guten Gebrauches wegen, den ich von diesem Papier zu machen gedenke. Darf man fragen, wo du das arme Kind gefangen hältst? Du kannst mirs schon vertrauen, ich gebe dir mein Wort, sie dort zu lassen, wo sie ist.

Run wohl, Dimitry, um dich zu verpflichten, will ich dir es sagen. Ich schickte sie auf eines meiner fer­nen Güter. Dort lebt sie, obwohl sie keine Grafenkrone, wie du ihr zugedacht, aus ihrem geschorenen Haupte trägt, doch auf einem ziemlich großen Fuße. Ich habe ihr nämlich ein Paar Bastschuhe anmessen lassen, und da sie doch einmal zu etwas Großem geboren zu sein scheint, so habe ich ihr das Scepter über meine Hühner und Calecuten verliehen, und sie zur-Königen über alles Fe­dervieh ernannt.

Wirklich, Onkel? Run, du bist in der That ein zweiter Napoleon, dessen größtes Talent bekanntlich da­rin bestand, daß er er jedem seiner Untergebenen den angemessensten Wirkungskreis anzuweisen verstand^

Vielleicht hättest du anders über sie verfügt? Schade, daß ich dich nicht um Rath fragen konnte aber du bliebst zu lange aus.

Ich kam gerade im rechten Augenblicke, Onkel, du kannst dich dessen versichert halten; obwohl der Castellan in Moskau so viel Fesselndes für mich besaß. Aber welche traurige Vorkehrungen sah ich dich in der Nacht meiner Ankunft treffen.

Ich machte mein Testament. Was willst Du, Neffe? Es war wieder ein Beweis meines guten Herzens, das mich mehr an Andere, als an mich selber denken läßt. Mein Erbe sollst du nur unter der Bedingung sein, wenn du dich meinen Anordnungen hinsichtlich der Braut­wahl fügst im andern Falle adoptire ich einen hüb­schen Bastard.

Bemühe dich nicht, Onkel. Ich weiß ja, wie sehr dir die Vollblutrace schätzest, ich muß also deinen hohen Principien schon das Opfer bringen.

Wie, Dimitry, du fügst dich also? rief der Fürst erfreut, seine Ironie und seinen Groll vergessend. Du nimmst dir deine Braut auf dem Wahltage zu Prelucki?

Ganz so, wie du es angeordnet hast, erwiederte Dimitry lächelnd. Ich bin im Begriff, dahin abzugehen und Vorkehrungen zu einem glänzenden Hochzeitsfeste zu treffen. (Forts, folgt.)