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— Na, na, sagte Kaska gutmüthig, ich wollte Dich nicht beleidigen, es war nur Spaß, winewatt.

— Dies Mal will ich Dirs verzeihen, sagte Ismail, und umarmte seinen Bruder, aber sieh Dir ein anderes Mal Deine Leute besser an. Bei dieser Gelegenheit holte er ganz gemächlich den weißen Zettel aus der Brust­tasche des Reuigen. Kaska, ich habe was gefunden! rief er dann mit einem Freudenschrei.

— Wo denn? Doch nicht in meiner Tasche?

— Bald werde ich den Scherz ernsthaft übel nehmen, Kaska. Ich habe einen Gedanken gefunden.

— Laß ihn liegen, Ismail. Gedanken sind für uns zu leichte Waare.

— Sei doch kein Stockfisch! Ich habe einen Gedan­ken gefunden, der Geld einbringt.

— Wirklich? Nun so laß ihn uns anfassen.

— Sieh Dir ein Mal die alte Hexe da recht an.

— Da sehe ich nichts als Lumpen und Schmutz.

— Und was siehst Du dort auf dem Karren?

— Schmutz und Lumpen, und allenfalls ein Gerippe darein gewickelt.

— Sollten wir nicht der alten Madame in dem Ho­tel an der Fontanka einen Schein vorzeigen, daß wir zwei Frauen auf das Schiff lieferten.

— Nun freilich — aber da hat eine Eule gesessen. Die beiden Frauen gingen uns aus der Nase.

— Du bist und bleibst ein Schöps! Was siehst Du hier in der Hausflur?

Kaska sah verwundert ringsum, konnte aber nichts Sonderliches entdecken.

— Ich habe Dir schon gesagt, ich sehe nichts, rief er.

— Dich muß man schon mit der Nase darauf stoßen, brummte Ismail.

— Also zwei Frauen sollen wir abliefern, nicht so? Hier sind zwei Frauen, just wie wir sie branchen. Wir bringen sie ans Schiff, erhalten unsern Schein, und lassen uns von der alten Madame unsere zehn Silber­rubel zahlen.

— Ah, jetzt begreife ich! Warum sprichst Du nicht immer so deutlich mit mir? Aber — werden sie uns gutwillig folgen?

— Folgten denn die Anderen gutwillig?

— Nein, wir mußten sie mit Gewalt...

— Nun kraft dieser Gewalt packe Du die Alte auf die Schultern, ich will den Karren schieben. Dort un­ten bei der Brücke habe ich ein Boot bemerkt, das bin­den wir los und fahren mit unserer Fracht an Bord des Schiffes.

Ohne Umstände packte nun Kaska die alte Bettle­rin aus seinen breiten Rücken, ohne sich an ihr Geschrei oder ihr Gekrätze zu kehren, und schritt in starkem Trabe dem Canal zu, wohin ihm Ismail mit dem Karren folgte. Dort legten sie ihre Bürden in das besagte Boot und ruderten dem Schiffe zu. Die Alte, welche es für aus­gemacht ansah, daß sie in dem Canale ertränkt werden

sollte, fiel auf ihre Knie und bat um Erbarmen. Is­mail tröstete sie:

— Sei gutes Muths, Mütterchen, sagte er, Du sollst bloß eine kleine Seereise machen zur Stärkung deiner Gesundheit, darum erheitere dich — das Heulen möchte deine schöne Augen verderben.

Das Boot erreichte glücklich das große Schiff an der Mündung des Canals, und die ehrlichen Männer lieferten ihre Ladung richtig ab, erhielten eine Quittung darüber und brachten sie gegen Morgen der alten Pam- fila, welche die versprochenen zehn Rubel zahlte, und ihrem Gebieter die frohe Nachricht brächte, daß seine Befehle pünktich vollzogen seien, worüber der Fürst seine höchste Zufriedenheit äußerte.

XIV.

Dimitry gewann den Arzt, der ihn in Jukoffs Hause behandelt hatte, daß er sich ganz Nadeschas Pflege wid­mete, über deren Wunde er vollkommen beruhigt sein durfte. Die Kranke, welche in ihrem niedlichen stillen Landhause der wohlthuendsten Ruhe genoß, besserte sich von Stunde zu Stunde. Durch ihr beständiges Fragen nach ihrem Vater aber, mahnte sie Dimitry an die drin­gende Pflicht, den braven Jukoff aufzusuchen und ihn von seinen Peinigern zu erlösen. Er ging daher eines Morgens zu seinem Oheim, den er seit seiner Rückkehr aus Moskau noch nicht gesprochen hatte, um vielleicht von ihm etwas Näheres über Jukoff zu vernehmen.

Onkel und Neffe sahen sich also wieder, und da Je­der gegen den Andern einen wohlgelungenen Streich geführt zu haben sich bewußt war, Jeder über den An­dern heimlich triumphirte, so war ihr Zusammentreffen nicht so schroff, als man nach dem Vorgefallenen hätte schließen sollen. (Forts, folgt.)

Amtliche Bekanntmachungen.

Landrathsamt Hersfeld.

Durch Beschluß Kurfürstlichen Ministeriums des Innern vom 28. v. Mts. zur Nr. 5228 ist das unterm 8. April d. J. erlassene Verbot des Frankfurter Jour­nals zurückgezogen worden, was hierdurch veröffentlich wird. Hersfeld, am 3. Juli 1862.

Kurfürst!. Landrathsamt. Auffarth.

Auf dem Wege zwischen Widdershausen und Klei­nensee ist ein Taschentuch gefunden worden, welches der Eigenthümer dahier in Empfang nehmen kann.

Hersfeld, am 3. Juli 1862.

Kurfürstliches Landrathsamt. Für den Landrath

v. Dernbach.