Mr* 54* Hersfeld/ den 5, Juli. L8E.
Der „Hersfelder Anzeiger" erscheint wöchentlich zweimal, Mittwochs und Sonnabends. —^ Preis desselben bei der Expedition (Neumarkt Nr. 587) pro Quartal 7^ Sgr. bei den Postanstalten kommt der übliche Postaufschlag hinzu. — Anzeigen aller Art werden ausgenommen und die Zeile oder deren Raum mit 8 Heller bei Wiederholungen mit 6 Heller berechnet.
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Seine Königliche Hoheit der Kurfürst haben allergnädigst geruhet:
den Oberfinanzrath Karl' Ledderhose bei der Ober-Berg- und Salzwerks. Direction zum vortragenden Rathe im Finanz-Ministerium zu ernennen, dem vom Erblandpostmeister, dem Herrn Fürsten von Thurn und Taxis, zum Secretär bei dem Oberpostamte zu Kassel in Vorschlag gebrachten Postamts- Assistenten Anton Denn er zu Hersfeld die allerhöchstlandesherrliche Bestätigung zu ertheilen.
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(Fortsetzung.)
Während der Kahn, vom Sternenlicht begünstigt, leise dahin schwebt, in einen der vielen Arme des Newastromes einbiegt, um das jetzt vereinsamte Dorf zu erreichen, wo Nadescha jede Bequemlichkeit und Pflege, vom Auge der Liebe bewacht, finden sollte, können wir nicht umhin, den beiden Trägern in das Dunkel der Straßen zu folgen; denn wir haben uns einmal die Aufgabe gestellt, den Charakter und die Sitten eines Volkes zu schildern, das jetzt einer neuen Aera entge- gensieht, und dessen endliche Befreiung von einem drük- kenden Joche die Theilnahme jedes Menschenfreundes erwecken muß.
Wir finden die beiden ehrlichen Männer an einer Straßenecke unter dem Schutze eines Pferdetroges nie- dergekauert und im Begriff, ihren Schatz zu theilen.
— Hier, Kaska, hast Du einen blauen Zettel (nämlich fünf Rubel), und ich einen rothen (zehn Ru- belD, sfigte Kaskas schlauer Gefährte, mit Namen Ismail. Dann nehme ich einen rothen und Du bekommst einen blauen. Nun gebe ich Dir zwei blaue, merke wohl aiif, und ich nehme dafür zwei rothe, und jetzt theilen wir die paar blauen Zettel, wovon einer für Dich und zwei für mich sind.
— Du hast ja aber noch einen weißen Zettel (fünfundzwanzig Rubel), sagte Kaska.
— Was willst Du, Bruder? antwortete Ismail
Den kann ich doch nicht theilen, folglich muß ich ihn verwahren, bis wir ihn wechseln lassen. Aber, halt, da Du jetzt so viel blaue Zettel hast, so kannst Du den weißen wechseln — Du giebst mir fünf, und behältst dafür den weißen. Das hat seine Richtigkeit. So nun sind wir fertig.
Ismail hatte es so eingerichtet, daß er reichlich zwei Drittel von der Summe für sich behielt. Nun beschlossen die würdigen Brüder, in eine Kneipe zu gehen und sich dort für ihr Geld gütlich zu thun. Unter diesem Gürlichthun versteht der Russe weiter nichts, als zu trinken, und immerfort zu trinken. Hat er viel Geld, so dauert diese Schlemmerei oft Wochen lang. Er trinkt, schläft seinen Rausch aus, und trinkt wieder, bis sein Geld alle ist, worauf ihn dann der Wirth ganz gemächlich an die Lust setzt. In diesem Zustande ist er dann genöthigt, wieder Arbeit zu suchen, um sich neues Geld zu verdienen, womit er dann wieder auf die nämliche Weise verfährt.
Kaska und Ismail hatten bald den ihnen wohlbekannten Traiteuec aufgefunden, bei dem noch viele Gäste zum Gütlichthun versammelt waren. In der Hausflur saß eine alte Bettlerin auf ähnliche Weise beschäftigt. Sie erntete ihr tägliches Brod, indem sie ihre verkrüppelte Tochter auf einem Schiebekarren durch die Straßen fuhr, um das Mitleid der Menge zu erregen. Auf die Karre deutend, worin besagte Tochter lag, bat sie auch die beiden späteren Ankömmlinge um ein Almosen, und Ismail reichte ihr eine Kupfermünze.
— Diesen Kopeken, sagte er zu Kaska, besaß ich noch außer unserer getheilten Summe. Ich habe vorhin der Alten im Kahne die Taschen durchsucht, aber leider weiter nichts dort gefunden.
— Du bist doch ein Erzdieb! lachte Kaska. Ich glaube, Dir ist das Stehlen angeboren, wie der Katze, und wenn Du weiter Niemand hast, den Du bestehlen kannst, s6 wärest Du wohl capabel, Deinem Bruder die Taschen zu leeren.
— Wofür hälft Du mich! sagte Ismail gekränkt. Solch ein Halunke verdiente ja gepeitscht zu werden. Nein, Bruder, Deine Taschen sind mir so heilig, wie die Kapuze einer barmherzigen Schwester, oder wie das Opferbecken vor der Ktrchthür.