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Hersfclder Anzcsgcr.

srp. 53. HerSfeld, den 2. Juli. 18SS.

DerHersfelder Anzeiger" erscheint wöchentlich zweimal, Mittwochs und Sonnabends. Preis desselben bei der Expedition (Neumarkt Nr. 587) pro Quartal 7| Sgr. bei den Postanstalten kommt der übliche Postauf­schlag hinzu. Anzeigen aller Art werden ausgenommen und die Zeile oder deren Raum mit 8 Heller bei Wie­derholungen mit 6 Heller berechnet.

Seine Königliche Hoheit der Kurfürst haben allergnädigst geruhet:

die erledigte Pfarrei Sachsenhagen in der Klasse Obernkirchen den: außerordentlichen Pfarrer und Schulrector Philipp Eberhard August Friedrich Schilling dortselbst,

die erledigte Pfarrei Wabern in der Klasse Fels­berg dem außerordentlichen Pfarrer, Seminar-Direc- tor Friedrich Bau man n in Homberg, und

die erledigte zweite lutherische Pfarrstelle zu Ge- münden nebst den Vicariaten Schiffelbach und Wohra in der Klasse Rauschenberg dem außerordentlichen Pfarrer August Wilhelm Aßmann in Geismar zu übertragen;

den Renterei-Gehülfen Karl Preser zu Sontra provisorisch zum Hoftheater-Secretär zu ernennen;

den Hülfsexpedienten Franz Js er loh zu Kassel und den Renteren Gehülfen Karl Lrtrube zuMelsun- gen provisorisch zu Calculatoren bei dem Oberhof- marschallamte,

den Renterei-Gehülfen Karl Kiel zu Hersfeld Provisorisch zum Calculator und Expedienten bei dem Ober-Marstallamte zu ernennen.

N a d e l ch a.

(Fortsetzung.)

. Gardieu war im Begriff gewesen, Dimitry im Schlosse kuren Besuch zu machen, um sich wegen seiner verzöger- ten Rückkehr zu erkundigen. Jetzt mußte er seinen Plan andern, denn Dimitry hatte ihn von seiner Gefangen­schaft unterrichtet, und ihn aufgefordert, dafür zu sorgen, Laß der Castellan durch die falsche "Nachricht von des Fürsten Alexiowitsch Tode bewogen werde, ihn frei zu lassen.

Gardieu traf hierzu mit französischer Gewandtheit seine Vorbereitungen. Er kannte durck Jukoff alle Spe- ctalttaten der Verhältnisse des Fürsten dergestalt, daß es ihm ein Leichtes ward, als glaubwürdiger Bote aus Petersburg aufzutreten.

So erschien er im Schlosse und verlangte vomCa- stcllau in sehr dringender Weise, Se. Durchlaucht den Fürsten Dimitry Alexiowitsch zu sprechen.

Den Fürsten Dimitry? fragte der Castellan stuz- zend. Ich meine, Fürst Alexiowitsch ist in Petersburg, und Graf Dimitry ist sein Neffe.

War es, willst Du sagen, erwiederte Gardieu. Fürst Alexiowitsch ist vor drei Tagen gestorben, und ich komme von seinem Todtenbette, um seinem Erben, dem Fürsten Dimitry, Deinem jetzigen Gebieter, diese Trauer­nachricht zu bringen.

Der Castellan war niedergeschmettert. Also war Dimitrys Warnung bereits eingetroffen, also war er, den er gefangen hielt, in dem Augenblicke jener War­nung bereits sein Gebieter gewesen! Fürchterliche Rache mußte über sein Haupt kommen, wenn Dimitry streng war. Aber konnte er denn anders, als streng sein, wenn man ihn einschwß, wie einen Verbrecher, ihn, der über Tausende von Declen gebieten konnte?

Der Castellan bedachte dies mit Schrecken und be­eilte sich, die verhängnißvolle Gitterthür, welche zu Di­mitrys Gemach führte, zu erschließen.

Sei gnädig, HerrI stammelte er, in die Knie sin­kend. Du kannst mich mit einem Hauche Deines Mun­des vernichten, und ich bin ein verlorener Mann. Aber Du wirst nicht vergessen, daß ich Dir Beweise meiner Dienertrene gab, als ich die Befehle des Herrn, den ich noch am Leben glaubte, selbst gegen Dich in Vollzug setzte. Ich bin in Deiner Hand, Gebieter, sei barmherzig!

Dimüry gebot ihm stolz, aufzustehen und ihn zu dem Petersburger Boten zu führen. Gardieu begrüßte ihn unterwürfig und wiederholte die Trauerkunde. Di­mitry erklärte, sogleich nach Petersburg eilen zu wollen, ließ zwei tüchtige Renner vorführen und sprengte mit Gardieu davon, zur großen Freude des Castellans, wel­cher strenge Ahndung gefürchtet hatte.

Beide ritten in gestreckten: Galopp die Heerstraße nach Petersburg entlang, wohin Letzterer schon einen Courrier entsendet, um auf jeder Station frische Pferde zu bestellen. Unterwegs erzählte Gardieu dem besorgten Grafen die Gefahr, in welcher er Nadescha zurücklassen mußte, und die Jukoff durch die Mittheilung, daß er den Kaiser anrusen werde, von ihr abzuwenden hoffte.