sre. 50.
Hersfeld, den 21. Juni.
1862.
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Dnartal baldigst zu erneuern, damit in der Zusendung keine Unterbrechung eintritt. Im Laufe dieses Monats neu zugehende Abonnenten erhalten die vom Tage der Bestellung bis zum 30. Juni erscheinenden Nummern umsonst.
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Seine Königliche Hoheit der Kurfürst haben allergnädigst geruhet:
die reformirte Pfarrei Münchhausen und Wetter mit dem Vicariate Todenhausen in der Klasse Wetter dem außerordentlichen Pfarrer Karl Schuchard zu Schrecksbach zu übertragen.
N a d e t ch a.
(Fortsetzung.)
XIII.
Als Graf Dimitry in seines Onkels Schlosse zu Moskau eintraf, wurde er von dem Castellan in das Thurmzimmer des rechten Flügels geführt. In der Erwartung, seine Tante dort zu finden, hatte er sich auf din Rath des Castellans erst seiner Reisekleider, sowie seiner Waffen entledigt, und nun, an dem Zimmer angelangt, wohin ihn der greise Diener bis vor die eiserne Gitterthür, welche es von der Treppe schied, folgte, eröffnete ihm dieser, nachdem er sorgfältig die Gitterthür zwischen ihm und sich ins Schloß geworfen, daß der Graf sein Gefangener sei.
— Wie, Verräther! Dein Gefangener? donnerte Dimitry. Du wagst es, dem Neffen und Erben Deines Herrn das zu sagen?
ert~^ muß Herr es ist der Befehl Deines Onkels, erwiederte der Castellan achselzuckend.
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^°^' Herr, um hier in sicherin Gewahrsam Hier, lies selbst. Er reichte Di- nutry, den Brief des Fürsten, den er mit der letzten Post erhalten hatte, und Dimitry las: 5
~ Castellan!
""D Empfang dieser Zeilen wird mein Neffe ae .d ?^ ""treffen. Du hast den Grafen unter ir- " Verwände in das wohlverwahrte Thurm
zimmer zu locken, und zwar ohne seine Waffen. Dort wird ihm jede Bequemlichkeit gestattet. Ausgenommen: Briefe, Schreibmaterialien, Waffen oMHesuch^ kgnn st Du ihm jeden billigen Wunsch gewährenderder Entziehung seiner Freiheit vereinbar ist. fFrMeibt so lange Dein Gefangener, bis ich selbst komme, ihn zu befreien.
Iwan Alexiowitsch.
— Ha, unerhört! knirschte Dimitry. Das gilt Dir, Nadescha! Um mich von Dir zu trennen, wurde dieser tückische Plan ersonnen, und — ich Thor! — auf das gleißnerische Wort eines Mannes vertrauend, dem jedes Mittel gerecht ist, wenn es nur zum Ziele führt, ging selbst in die Falle. Aber giebt es denn kein Mittel, den Verrath unschädlich zu machen? Du greiser Schurke, rief er dem Castellan zu, Du läßt Dich also willig finden, die Gewalt Deines Herrn an Deinem künftigen Gebieter ausznüben?
— Daran, Barin, magst Du erkennen, wie ich meinem derzeitigen Gebieter diene. Mir ziemt es, zu gehorche», nicht zu klügeln.
— Und fürchtest Du nicht, daß ich diese Eisenstäbe zerbreche, wie dürres Holz?
— Das wirst Du nicht, Herr, wenn Du nicht ein zweiter Simson bist; sie sind von massivem Eisen, vier Zoll dick, und in den Boden eingemauert.
— Er hat Recht, sagte Dimitry bitter, nachdem er bei genauer Untersuchung die Wahrheit des Gesagten einsah. Aber Mann, fuhr er gegen den Castellan gewendet fort, bist Du nicht mit Geld zu gewinnen? Ich gebe Dir ein solches Schloß, von welchem Du nur Castellan bist, als Eigenthum, und alle Revenuen, die Dir gestatten, wie ein Edelmann zu leben, wenn Du mich ziehen läßt.
— Das würde mir wenig helfen, Herr, denn der Fürst ließe mich an dem Thürflügel desselben aufhängen.
— Laß sehen, bist Du nichst als nur ein willenloser Sklave? Hast Du kein Herz in der Brust? Findet kein menschliches Gefühl Eingang bei Dir? Es gilt zwei Menschenleben, die ich retten muß; nur daß man sie ungehindert hinwürgen könne, nahm man mich gefangen.