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nach einer Pause. Je mehr ich darüber nachdenke, desto kostbarer wird mir sein Leben; denn nur so lange er lebt, kann er leiden, kann er für seinen Frevel büßen. Mit seinem Tode ist Alles aus, steht er wohl gar, wie die Theologen uns glauben machen möchten, mit mir in einem Range ...

Hierauf klingelte er, und als einer seiner Diener eintrat, sagte er sehr heiter zu ihm:

— Der Zukost soll noch nicht sterben, ich habe mich eines andern bedacht. Man zähle ihm fünfzig Hiebe mit der Katze auf und transportire ihn dann nach Tara in meine Bergwerke. Diese Ration wird täglich wie­derholt, und nur wenn er erliegen will, halte man ei­nige Tage damit ein, denn es liegt mir sehr viel an Feinem Leben.

Nadescha genoß alle Pflege, welche ihr Zustand er- heischte; denn die gute Agavia, ihre Amme, war in ih­rer Herzensangst, als Nadescha und ihr Vater nicht zu- rückkehrten, nach beut Hotel des Fürsten gelaufen, und kam gerade in dem Augenblicke an, als man Nadescha auf Pamfilas Zimmer trug. Sie drängte sich dort un- beachtet mit den Uebrigen hinein.

Die Wunde, welche Nadeschas schwache Hand sich selbst gegeben, war zwar schmerzhaft, aber nicht tief genug, um das Herz zu verletzen. Als sie nach langer Ohnmacht erwachte, konnte sie sich kaum des Vorgefal. Jenen entsinnen. Agavia trug Sorge, das betrübende Schicksal ihres Vaters vor ihr zu verheimlichen, und erzählte ihr, daß er ins Innere Rußlands geflohen sei, um sich unter den Schutz des Grafen Dimitry zu be- geben. Dadurch wurde die Kranke zusehends beruhigt, und der Arzt gab Hoffnung zu ihrer gänzlichen Heilung.

Eines Morgens erhielt der Fürst einen Brief von seinem Castellan aus Moskau, der ihm in wenig Wor­ten die Entfernung Dimitrys ans dem Schlosse meldete. Wie diese bewerkstelligt wurde, werden wir später er­zählen, sowie auch seine dortige Gefangenschaft. Der Fürst war außer sich vor Wuth und Zorn bei dieser Nachricht.

— Das kommt wieder von dieser Neuerung, dieser Aufklärung, rief er, wenn der Diener sich unterfängt, selbst denken und urtheilen zu wollen, anstatt daß er blindlings gehorcht.

In dieser Aufregung stürzte er mehre Gläser von dem starken Arak hinunter, wovon eine volle Flasche nahe stand, und diese Unvorsichtigkeit versetzte ihn in ein starkes Delirium. Vorher aber hatte er noch so viel Gesinnung, um sein Opfer vor der Ankunft seines Neffen in Sicherheit zu bringen. Er ließ Pamfila rufen und fragte sie nach dem Befinden der Kranken.

Pamfila antwortete, daß das Fieber bei ihr nach­gelassen habe, und die Wunde zu heilen beginne.

— Sollte sie wohl eine Reise aushalten können? fragte der Fürst.

— Du lieber Himmel! Eine Reise? rief Pamfila;

das glaube ich nicht. Du möchtest sie denn in Kiffen, wie nicht ist, packen und behutsam tragen lassen.

— Das kann geschehen, sagte der Fürst; die Sorge dafür will ich Dir übertragen. Du hast wohl schon von meiner Stuterei Patrus in Esthland gehört. Diese Nacht noch geht ein Schiff nach dort ab, und da­hin will ich Nadescha senden. Du sorgst für ein Paar verschwiegene Leute, welche sie an Bord des Schiffes bringen. Diese Nacht, wenn Alles im Hause schläft, sollen sie mit ihrem Boote im Canal unten halten. Die Amme kann mitgenommen werden, dann sind wir sicher vor ihrem Geschrei und Geplauder. Daß Du reinen Mund hältst und Niemand ihren Aufenthalt verräthst, soll die einzige Bedingung sein unter welcher ich Dir Dein dummes Betragen, dem ich meine Wunde zu ver­danken habe, verzeih:.

Pamfila versprach, die Befehle ihres gnädigen Ge­bieters genau und vorsichtig zu vollziehen.

Der Fürst fühlte nun die Wirkung des Araks und sank auf das Divankisien zurück, wo wir ihn einstweilen verlassen, um endlich nach seinem Neffen zu sehen, der nach Moskau gereift war, um seine Tante abzuholen.

(Fortsetzung folgt.)

Be »mischte s.

N eil in gen, O.-A. Blaubeuren. Ein fürchterli­ches Unglück setzt so eben die ganze Einwohnerschaft in großen Schrecken, 4 Männer waren auf dem Felde mit Grabung eines Wasserreservoirs beschäftigt. Ein star­kes Gewitter entlud sich über die Gegend in gewaltigen Regenküssen. Die Männer suchten unter einer Buche Schutz gegen den Regen. Der Blitz fuhr in diese, töd- tete 2 dieser Männer, die übrigen 2 sind sehr gefährlich verbrannt. Sämmtliche 4 sind verheiratet und Fami­lienväter.

Breslau. Ueber den Wollmarkt wurde der „Na- tional-Ztg." am 4. Juni telegraphirt: „Viele Wolle, wenig Käufer, Wäsche mittelmäßig, Geschäfte flau bis jetzt wenig verkauft, Preise noch nich festgesetzt." Eine spätere Drpesche gibt die Preisdifferenz mit 9 bis 13 Thlr. an. Unter dem 5. d. heißt es: „Zwei Drittheile verkauft, Engländer, Hamburger sehr thätig. Preise 8 bis 12 Thlr. niedriger als im vorigen Jahr.

Pesth. Eine telegraphische Depesche, welche aus Köztelek, einer Station aus der Eisenbahnstrecke zwischen hier und Temesvar, eingelaufen ist, lautet: Köztelek, 3. Juni Nachts 11 Uhr 45. Min. Der Postwagen beim Zuge Nr. 3 (Personenzug) ist beim Abgang von der Station von Räubern angesallen worden. Der Post- conducteur wurde schwer verwundet: demselben wurden vier Geldbeutel geraubt. Die Thäter sind entwichen.