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Rp. 49* Hersfeld, den is, Juni. 18«S.

MM^ Da mit Schluß dieses Monats das Abonnement des zweiten Quartals zu Ende geht, so wer­den die resp. Abonnenten ersucht, dasselbe für das mit dem 1. Juli beginnende -ritte Dnartak baldigst zu erneuern, damit in der Zusendung keine Unterbrechung eintritt. Im Laufe dieses Monats neu zugeheude Abonnenten erhalten die vom Tage der Bestellung bis zum 30. Juni erscheinenden Nummern umsonst.

Seine Königliche Hoheit der Kurfürst haben allergnädigst geruhet:

den vom Erblandpostmeister, dem Herrn Fürsten von Thurn und Taxis, zu Secretäten in Vorschlag gebrachten Post-Assistenten

Christian Scheele zu Karlshafen, Ferdinand Budnitz zu Kassel und

Heinrich Geßner daselbst, die allerhöchstlandesherrliche Bestätigung zu ertheilen.

............................. ........ .llllllll. IIUM«.«^

N a d e s eh a.

(Fortsetzung.)

Im Augenblicke wurden diese Befehle vollzogen, und Jukoff, den man vom Boden aufriß, wo er neben seinem Kinde kniete, ließ sich willig die Hände binden.

Führt mich zum Tode, Brüder, sagte er sanft. Der Tod vereint mich ja mit meinem Kinde, mit meinem heldenmüthigen Kinde, das den Tod dem Meineide, dem Elend vorzog.

Einige der Diener führten Jukoff hinaus; den an­deren rief der Fürst in schwachem Tone zu: Schafft mir das Weib aus den Augen!

Nadescha wurde hinweggetragen, und als sie bei der Berührung die Augen aufschlug, sagten es die Diener ihrem Herrn, der ihnen befahl sie aus ein Frauengemach W bringen, und die Mägde zu rufen, um sie dort zu verpflegen. Dann gebot er, Pamsila heremznrufen.

Diese mußte von zwei Dienern geführt werden. Sie hatte sich bei ihvkm Thee ein wenig übernommen und lag schon, seit geraumer Zeit besinnungslos unter dem Tische des Vorsaales. Ein Dritter hielt ihr das schwankende Haupt aufrecht, als sie in der Thür des Cabinets vor ihrem Herrn erschien. Dieser donnerte ihr entgegen:

Ueber Dich werde ich strenges Gericht halten, doch in Deinem jetzigen Zustande hieße es Gnade üben, wollte ich Dich jetzt für Deine Fahrlässigkeit bestrafen. Sie

ist betrunken, bringt sie hinweg, sagte er dann, und wen­dete sich voll Anmuth mit dem Gesicht de> Wand zu um den Arzt zu erwarten, nach welchem man eilig ge­schickt hatte. a "

Als die Wunde des Fürsten, welche oberhalb der rechten Hüfte sich befand und schmerzhaft war, verbun­den worden, fühlte er sich sehr erleichtert, und die Nach­richt des Arztes, daß auch Nadeschas Wunde nicht tödt- lich sei, trug noch mehr zu seiner guten Stimmung bei.

Sie wird also wieder geheilt werden, sagte der Fürst für sich, und die Leiden, die sie sich selbst zuge­zogen, werden eine gute Lehre für sie sein. Jedenfalls ist sie hier im Hause besser aufgehoben, als bei ihrem Vater, dem Bösewicht, der ihr allerhand romantische Ideen in den Kopf gesetzt. Aber er soll mir auch dafür büßen. Ob ich ihn todt peitschen lasse es ist ein schmerzhafter Tod allein wer bürgt mir dafür, daß er nicht schon beim ersten Hundert der Peitschenhiebe stirbt? Nein, nein, er soll länger leiden, ich muß ein furchtbares Exempel statuiren.

Das kommt Alles nur durch tneiue allzugroße Güte und Nachsicht. Ich habe ihn zum reichen Manne werden lassen, und dieser Reichthum hat ihm eine gewisse Un­abhängigkeit eingeflößt und seine Begriffe von Pflichtge­fühl verwirrt. Warum ließ ich ihn zur Stadt kommen und sich ein Geschäft nach eigener Neigung wählen! Hätte er dagegen in dem Dunst seiner Lehmhütte bei den Schwei­nen gelegen, im Schweiße seines Angesichts eine magere Kartoffelernte eingesammelt, und hätte er dann und wann zur Abwechselung, wenn es ihm auf seinem Misthaufen zu wohl geworden, eine heilsame Tracht Peitschenhiebe erhalten, bei welcher weisen, wohlthätigen Einrichtung Tausende meiner Bauern glücklich sind, so wäre mir al­ler Aerger erspart geblieben. Er wäre vor Dankbarkeit auf die Knie gefallen und hätte meine Füße geküßt, wenn ich seinem Weibe oder seiner Tochter mein Schnupftuch zugeworfen. Das sind die Früchte der jetzigen aufgeklär­ten Zeit, »d auch ich Thor habe mich davon hinreißen lassen; aber W muß anders werden, oder ich will ver- dammt sein!

Der Jukoff soll noch nicht sterben, murmelte er