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9h?+ 4V. Hersfeld, den 11. Juni. 1863*
Der „Hersfelder Anzeiger" erscheint wöchentlich zweimal, Mittwochs und Sonnabends. — Preis desselben bei der Expedition (Neumarkt Nr. 587) pro Quartal 7| Sgr. bei den Postanstalten kommt der übliche Postaufschlag hinzu. — Anzeigen aller Art werven ausgenommen und die Zeile oder deren Raum mit 8 Heller, bei Wiederholungen mit 6 Heller berechnet.
Seine Königliche Hoheit der Kurfürst haben allergnädigst geruhet:
den bisherigen provisorischen Hofkafsen-Controleur und Rechnungsführer der Hofjagdkasse, Carl Heinrich Otto, nunmehr definitiv dazu zu ernennen,
die Pfarrei bei den in der städtischen Kaserne zu Kassel befindlichen öffentlichen Anstalten dem außerordentlichen Pfarrer Friedrich Wilhelm Koch zu Kassel zu übertragen,
den bisherigen Hofmedicus Vr. Justus Schmidt, unter Verleihung des Prädicats „Hofrath" und mit Beibehaltung seiner Functionen als Hofmedicus, nunmehr zu Allerhöchst Ihrem Leibarzte zu ernennen.
N a d e t ch a.
(Fortsetzung.)
— Aber Mutter, kennst Du denn Dein Goliathchen nicht mehr? Deinen jüngsten Sohn, der auf dem Gute unserer Herrin aufgewachsen ist, wie die Lilie auf dem Felde, die auch Niemand kleidet, als der liebe Gott. Ich bin ja eigens vom Fürsten hierher beordert, um hier meine Hochzeit zu feiern.
Pamstla nahm ihre Brille aus der bewußten Untiefe und setzte sie gravitätisch auf die Nase. Nachdem sie ihm lange ins Gesicht gestiert, sagte sie bedächtig:
— Es kann doch sein, daß er Recht hat, ich finde in mefein Gesicht einige Familien ähnlichkeit.
, Goliath, den diese lange Musterung zu beleidigen Men, fing laut zu heulen an. Da sagte Pamfila, ihn beschwichtigend:
dtun, sei nur still mit dein Geplärr, ich vermuthe, daß ich Deine Mutter bin, wie nicht ist, obgleich ich nicht begreifen kann, welch ein ungünstiger Wind Dich vom Baume geschüttelt.
Ich sagte ja, daß ich auf Befehl des Fürsten hier bin, um Hochzeit zu halten.
' ~ Hochzeit mit wem denn?
Vermuthlich mit meinem Herzblatt, der Marfa.
— Marfa? Wer ist denn die Creatur?
— Na, Mutter, eine Creatur ist sie nun eben nicht sie ist die Viehmagd auf unserm Hofe bei Glatschina von wo ich jetzt herkomme. Der Verwalter kündigte mir diesen Morgen an, daß ich, so wie ich bin, aufsitzen und nach der Stadt reiten müsse. Der Herr habe geschrieben, ihm einen Mann zu schicken, der gerade am besten zu entbehren sei; er wolle ihn hier verheirathen. Du kannst denken, daß ich laut aufschrie vor Freude; ich wollte es schnell meiner Marfa stecken, aber der Verwalter wollte es nicht zugebeu. Er packte mich auf ein un- gesatteltes Pferd, gab uns Beiden einen Tritt ~ und da bin ich.
— Aber Menschenkind, wie siehst Du aus i Gleich geh in die Backstube und wasche und kämme Dich!
— Ja, Mutter, das will ich, denn ich kann nicht wissen, wie bald vielleicht meine Braut ankommt. Den Popen habe ich schon im Hinterzimmer warten sehen.
Als Goliath sich einen Augenblick entfernt hatte, trank Pamfila den Rest Branntwein ans ihrer Theekanne dann lehnte sie sich in den Stnhl zurück, um im seligen Hintaumeln sich neue Kräfte für eine zweite Portion Thee von obiger Sorte zu sammeln.
Aber Goliath kam im nächsten Augenblicke wieder zurück.
— O Mutter, rief er, da kommt eine Dame in Himmelblau, gerade wie die Madonna zu Scherskejeff. Sie wurde von zwei Dienern des Fürsten aus einer Droschke gehoben — da kommt sie schon.
Goliath riß beide Flügel der Thür auf so weit er konnte, und Nadeschas hohe Gestalt trat herein.
Pamfila erhob sich unwillkürlich, obwohl sie kaum auf ihren Füßen stehen konnte.
— Ah, Du bist gewiß die Dame welche mein Herr erwartet, wie nicht ist, sagte sie. Ich gehe, Dich bei ihm auzumelden. - Sie watschelte der Thür des Cabinets zu, doch ehe sie eintrat, versetzte sie noch ihrem Sohne — der wie verzückt mit offenem Munde die hehre Erscheinung angestaunt — einen derben Puff in die Rippen und sagte:
— Was stehst Du da, Maulaffe I Geschwind packe Dich in die Küche.
Nadescha trat vor eine Nische im Vorsaale, inwel-