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HerSfeld, den 7. Juni.

1H«S.

Der »Hersfelder Anzeiger" erscheint wöchentlich zweimal, Mittwochs und Sonnabends. Preis desselben bei der Expedition (Neumackt Nr. 587) pro Quartal 7| Sgr. bei den Postanstalten kommt der übliche Postauf­schlag hinzu. Anzeigen aller Art werden ausgenommen und die Zeile oder deren Raum mit 8 Heller, bei Wie­derholungen mit 6 Heller berechnet.

Seine Königliche Hoheit der Kurfürst haben allergnädigst geruhet:

den Obergerichtsrath Dr. Georg Friedrich Lcbrecht Strippelmann zu Kassel zumDirector des Haus­und Staatsarchivs zu ernennen,

den Steueraufseher Theodor Schmidt zu Kassel zum Assistenten bei dem Hauptsteueramte zu Hanau provisorisch zu ernennen,

dem Dr. med. Karl Wilhelm Reinhard Bran- dau aus Homberg die Praxis als Arzt, Wundarzt erster Klasse und Geburtshelfer mit dem Wohnorte Carlshafen zu gestatten.

N a d e t eh a.

(Fortsetzung.)

XII.

In dem Vorsaale zu des Fürsten Cabinet saß sein Kammerdiener Papillon, in einem Buche lesend und den Augenblick erwartend, in welchem er zu seinem Herrn gerufen werden würde, um ihn anzukleideu.

Da öffnete sich mit großem Geräusch die Thür, welche auf den Vorsaal führte, und Pamfila, die alte dicke Haushälterin, keuchte herein, gefolgt von zwei Bur­schen, welche ihr ein Theeservice nachtrugen.

Hierher, Ihr Lümmel I rief sie den Burschen zu. Setzt mir den Thee auf diesen Tisch, und packt Euch! Du, Kapusda lauf und hole mir eine Fußbank, und kakne buded (was nicht ist). Du lieber Himmel! Hwr sieht es aus, wie in einer Räuberhöhle. Nicht die geringste Bequemlichkeit ist hier für eine anständige Frauensperson zu finden.

Papillon stand auf und warf seiu Buch zornig auf die Seite. Ihm waren alle Frauen insgesammt verhaßt; die alte Haushälterin aber verabscheuete er, wie die Pest.

Ah, sieh da, Musje Papillon! rief Pamfila erfreut, kuixte drei Mal. Viel Ehre, Sie hier zu sehen. Zch habe Sie nicht gleich bemerkt, denn ich sehe nicht sehr gut, was nicht ist... Kann ich mit einer Priese auswarten?

Danke.

Wie, Sie schnupfen nicht? Das nenne ich einen Phönix vow einer Mannsperson: nicht schnupfen, nicht rauchen, und was nicht ist. Aber ein Glas Thee, wie ich ihn trinke, werden Sie doch nicht verschmähen, wies Danke.

Danke? Schon wieder? Danke ja, oder danke nein? Sie sind ja so einsilbig. Hier trinken Sie sie reichte ihm ein Bierglas voll es ist nicht Thee, es ist reiner Kornbranntwein. Ich pflege ihn stets aus der Theekanne zu trinken, um die Mägde glauben zu machen, daß es Thee sei. Nun, kommen Sie, Musje Papillon, nehmen Sie Platz neben mir, wie nicht ist. Lassen Sie uns Freunde sein.

Prr!

Prr? Haben Sie kalt? Trinken Sie doch, das giebt Wärme, Feuer.

Pamfila nahm selbst einen guten Schluck, um ihrer Versicherung mehr Nachdruck zu geben, und rieb sich be­haglich den Magen.

Papillon hatte bisher mit Verdruß gesehen, wie sichs die Alte hier im Vorsaale bequem gemacht, Der Zorn hatte ihn noch nicht zu Worte kommen lassen; end­lich aber faßte er sich, trat dicht vor sie hin und rief in barschem Tone:

Was will Sie hier?

Pamfila fiel vor Schreck das Glas aus der Hand.

Du lieber Himmel, rief sie, was ich will? Je nun, was nicht ist. Hätten Sie mich doch bald erschreckt. Ich bin hierher beordert, wissen Sie? Oder eigentlich: Der Fürst ließ sich herab, mich zu bitten. Ja, Musje Papillon, der Herr sagte diesen Morgen zu mir: Liebe Pamfila, ich wünsche heute Morgen Deine Gegenwart in meinem Vorsaale. Ich machte große Augen, denn es ist lauge her, seitdem er in diesem Tone mit mir ge­sprochen.

sei Sie kurz.

Kurz! Du lieber Himmel! Das bin ich ja, wie nicht ist. Also, wo war ich denn richtig, bei meiner Gegenwart, die heute hier nöthig ist, weil ich ein zu­ständiges Frauenzimmer, und wie nicht ist, bin. Postire Dich in meinen Vorsaal, sagte der gnädige Herr, und sorge dafür, daß ich nicht gestört werde, wenn eine Gc-