Hers selber Anzeiger.
Nr. 45. Hersfeld/ den 4. Juni. L86S.
Der «Hersfelder Anzeiger" erscheint wöchentlich zweimal, Mittwochs und Sonnabends. — Preis desselben bei der Expedition (Neumarkt Nr. 587) pro Quartal 7| Sgr. bei den Postanstalten kommt der übliche Postaufschlag hinzu. — Anzeigen aller Art werden ausgenommen und die Zeile oder deren Raum mit 8 Heller, bei Wiederholungen mit 6 Heller berechnet.
Sein!« Königliche Hoheit der Kurfürst haben allergnädigst geruhet:
den Rechtspraktikanten Johannes Knoch zu Cas- sel zum Amts Assessor beim Justizamte II. in Hanau, den Obergerichts - Referendar Carl Sann er in Cassel zum Amts-Assessor beim Justizamtc II. in Marburg und
den Obergerichts-Referendar Ferdinand Wilhelm Kersting in Kassel zum Unter-Staatsprokurator in Eschwege,
letzteren provisorisch, zu bestellen,
die Pfarrei Orpherode in der Klasse Allendorf, dem Pfarrer Karl Wende zu Rambach,
die Pfarrei im Zuchthaus au der Fulda zu Cassel dem außerordentlichen Pfarrer Ernst Paulus zu Wehren, und
die Stelle des Repositars bei der Ober-Bau-Commission dem Repositurgehülfen Valentin Vagus zu Cassel, letzterem provisorisch,
zu übertragen, sowie
den L-ecretar der Direction des reformirten Waisenhauses Ernst Wilhelm Christian Ludwig Wolfs zu Cassel auf sein allerunterthänigstes Nachsuchen zu Pensioniren,
den vortragenden Rath im Finanz-Ministerium Ober-Finanzrath Albrecht Gustav Kraus in Kassel zum Oberappellatwnsgerichtsrath zu bestellen,
den Feldwel Konrad Kornemann im 3. Infanterie-Regiment, genannt Prinz Friedrich Wilhelm, zum Kanzlisten bei der Regierung in Fulda provisorisch zu bestellen.
N a b e s eh a.
Diesen günstigen Moment benutzte Nadescha und stuchtete ins Nebenzimmer, dessen Thür sie verriegelte. Der Fürst entdeckte natürlich Niemand, denn der Vogel ^- der die Worte gesprochen. Schäumend vor Wuth, Eei ^"dchen entfliehen sah, knirschte er zwischen
— Sie und der Alte sollen es mir entgelten. Sie hat meine Herablassung zurückgestoßen — sie soll nun den Herrn, den Gebieter in mir kennen lernen.
Darauf warf er sich wieder in den Armstuhl.
— Mehr Wein! rief er dem eintretenden Jukoff zn, und als dieser mit einer zweiten geöffneten Flasche zu- rnckkam und mit zitternder Hand einschenkte, wurde der Fürst sein Zittern gewahr und sagte, ihn fixirend: Was zitterst Du denn, und warum bist Du so blaß? Woher diese Aufregung? Ich glaube gar, die Bestie hat gelauscht.
— Ich zittere Herr, für mein Knid, sagte Jukoff; sie ist nicht gewohnt, mit Deinesgleichen allein zu sein,
— Dein Kind? Was nennst Du Dein? Hast Du über Etwas zu verfügen? Wem gehörst Du, und Alles, was Du hast? Du bist mein Sklave! Ein macht- und willenloser Kloß in meiner Hand. Dein Leben, Deine Familie, Dein Vermögen ist mein ~ mein Gut, mit dem ich unumschränkt schalten kann. Ein Glas Weins rief er dann kalt, und als Jukoff es ihm reichte, sah er ihm nochmals scharf ins Auge: Deine Hand zittert ja, sagte er, und Hohn verzerrt Deinen Mund — sollte die Bestie fähig sein...? Hierher stelle Dich! rief er gebieterisch. Sieh mich an — nicht von der Seite —gerade aus — so — und nun reiche mir den Wein.
Jukoff that, wie ihm sein Herr gebot, und dieser setzte das Glas an die Lippen, indeß sein Blick gleich dem einer Schlange auf dem Antlitz seines Sklaven weilte. Der Ausdruck desselben mochte ihm nichts Gutes verkünden, denn er gab ihm das Glas zurück und sagte:
— Trinke es aus! Hier, gleich vor meinen Augen leere dieses GlasI
Jukoff sah ihn groß an.
— Wie, Du zögerst? rief sein Herr. Bestie! Wo ist meine Peitsche!
— Sei ruhig, Herr, ich trinke, sagte Jukoff, und leerte das Glas bis auf die Neige. Gütiger Gott, ich danke Dir, sagte er dann mit einem Blick zum Himmel, es giebt eine Vergeltung.
— Was murmelst Du da von Vergeltung? rief der Fürst, wen trifft Vergeltung?
— Dich, sagte Jukoff tonlos, denn Du trägst in Dir das Bewußtsein Deines Werthes.
— Meines Werthes ja, und meiner Macht, rief der