Hcrs selber Anzeiger.
Mr. 42. Hersfeld, den 24. Mai. 1862*
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(Fortsetzung.)
IX.
Mehre Tage waren seitdem verflossen, und alle Versuche, welche Dimitry gemacht, von seinem Onkel Jukoffs Freiheit, ohne dessen Namen zu nennen, zu erlange», waren fruchtlos geblieben. Er hatte auf den Rath Anna Simonownas nicht gradezu mit seinem Onkel gesprochen. Die schlaue Freundin meinte, daß er die ganze Sache dadurch verderben würde.
Dimitrys offenem Sinn widerstrebte dieser Plan gleich anfangs, und da er bis jetzt nichts damit ausgerichtet, so war er entschlossen, heule auf jeden Fall das Werk der Befreiung zu erzwingen und das schmähliche Joch zu zerbrechen, unter welchem Diejenige seufzte, der er sein Leben schuldete. Eben schickte er sich an, seinen Onkel auf dessen Zimmer aufzusuchen, als er dorthin gerufen wurde. Er fand den alten Herrn auf dem Ruhebette liegend, am Podagra leidend.
— Ich ließ Dich zu mir bitten, Dimitry, sagte er, indem er seine abgelebten Züge zu einer schmerzlichen Grimasse verzerrte, um Dir diesen Brief Deiner Tante zu zeigen, in welchem sie mir zumuthet, sie von Moskau abzuholen, wo sie in den nächsten Tagen eintreffen wird. Nun siehst Du wohl, daß ich nicht im Stande bin, das Bett zu verlassen, denn das verdammte Podagra zwickt mich unaufhörlich.
Dimitry hatte unterdeß den Brief gelesen und legte ahn ruhig auf den Tisch.
77 Ich sagte er, Kathinka Jwanowna schreibt, daß sie ^rch in Deinem Hotel zu Moskau erwartet; Du mußt rhr also antworten, daß ...
Den Teufel auch! rief der Alte. Du weißt, wie streng sie auf Anstandsformen hält; sie will eingeholt und empfangen sein, nud ich denke, Dimitry, Du gehst an meiner Statt. Willst Du?
©Splitt) habe ich hier Geschäfte, allein um Dich zu verpflichten, will ich gern die Reise für Dich übernehmen. Wann wünschest Du, daß ich fahre?
Spätestens heute Abend, denn Du kannst vor drei Tagen nicht dort sein.
— So werde ich noch diese Nacht abreisen. Doch zuvor, Onkel, mußt Du mir eine Bitte gewähren: Ich wünsche Einige von Deinen Leuten.
— Nimm doch so viele Du willst. Du weißt, Dimitry, ich liebe es, wenn Deine Dienerschaft zahlreich ist, und war immer sehr unzufrieden damit, daß Du nach Sitte der französischen Windbeutel Dich nur mit zwei Dienern behalfst. Ein echter Edelmann muß immer von einem Schwärme nichtsnutziger Faullenzer umgeben sein, wie der Weidmann von einer Meute Hunde; das imponirt und ist heutzutage das einzige Abzeichen hohen Ranges, welches Dich von einem Glücksritter unterscheidet. Da ist der Wladimir, ein hübscher Bursche, ein vollkommener Page d’amour; ich gebe ihn Dir. Auch Basil und Sweuta sind für Dich passend. Du kannst sie in Deinen Dienst nehmen.
— Es handelt sich nicht darum, meine Dienerschaft zu vermehren, sondern ich wünsche, daß Dir einen Deiner Leute mir zu eigen giebst, ihn förmlich auf mich überträgst.
— Wozu die Förmlichkeit, Dimitry? Eines Tages sind sie ja doch Alle Dein- Wer ist es denn, den Du haben willst — ist er hier in der Stadt?
— Ich will Dir ohne weitere Umschweife sagen: es ist Peter Jukoff, dem ich sehr verpflichtet bin.
— Peter Jukoff, ei, sieh doch! Ich dachte eben daran, seine Tochter Navescha mit einem angesehenen Beamten, mit meinem Hausverwalter, zu verheirathen.
Dimitry fühlte, wie bei tiefem Namen ihm das Blut in die Wangen stieg, Mit abgewandtem Gesicht und unsicherer Stimme sagte er:
— Wo denkst Du hin, das zarte Kind mit diesem alten trunksüchtigen Lechurken zu verheirathen? Ich will sie Beide haben, Vater und Tochter.
— Aha, Schelm, guckst Du da heraus! lachte der alte Herr und erhob sich ziemlich kräftig von seinem Lagers auf welches er aber sich schnell besinnend, schmerzlich stöhnend wieder znrücksank. Also Jukoff nebst Tochter — sieh doch! Ohne Zweifel hast Du auch bemerkt, daß das Mädchen hübsch ijt! Nun möchtest Du sie gern zu Deiner eigensten Sklavin machen, nicht wahr, im vollen Sinne zur Leibeigenen?
Dimitrys hohe Stirn überzog Schamröthe Per sei-