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— Das kommt Euch sehr gelegen, Golowin, versetzte sein Tischnachbar, ein Officier. Er schien Euch besonders zum Stichblatt erwählt zu haben. Donner! Ich glaube ich hätte ihn zu Fricassee gehauen, wenn er mir Das geboten hätte.
— Unter uns gesagt, flüsterte Golvwin mit gedämpfter Stimme, ich bin geneigt, seinen Muth, mit dem er so gewaltig bramaroasirt, in Zweifel zu ziehen. Ein hohles Faß macht allezeit ein größeres Gepolter, als ein volles. Ihr wißt, ich bin kaltblütig, nicht so leicht gereizt, wie dieser Franzmann, denn so müssen wir den Dimitry seit seiner Rückkehr aus Paris nennen, weil er sich dort ganz das Wesen dieser unruhigen Köpfe angeeignet hat. Run, wie Ihr Euch wohl noch erinnert, ich antwortete ihm auf seine tolle Herausforderung, wie ein treuer Unterthan unsers großen Kaisers autwvrten muß: ich berief mich auf unsere weisen Gesetze, welche darauf hinzielen, solche Tollköpfe, wie er, unschädlich zu machen. Nach jener handgreiflichen Beleidigung aber, wovon Ihr Zeuge wäret, und welche ich hier nicht weiter berühren will, glaubte ich den Schimpf mit Blut abwaschen zu müssen, obgleich des Kaisers Gnade meine Ehre sonnenklar durch hohe kaiserliche höchsteigenhändige Umarmung wiederher- gestellt hat. Mein Blut war einmal gereizt, und ich sandte ihm ebenfalls eine Herausforderung. Doch was meint Ihr, was geschah? Der Poltron machte sich aus dem Staube. Ich erhielt keine Antwort auf mein Billet, und gestern hörte ich, daß er die Stadt verlassen habe.
— Das ist kaum glaublich, erwiederte der Officier. Dimitry sollte, um einem Duell auszuweichen, verreist Lein? Sicherlich war er schon auf dem Wege, als Euer Billet in seinem Hotel eintraf, und wenn er es mit der Post erhält, so kehrt er gewiß wieder um.
— Ich wünsche nichts sehnlicher, als daß er käme. Diable! Wie wollte ich ihn zeichnen! rief Golowin. Mein Wort darauf, ich will ihn zeichnen, daß seine glatte Fratze der Schrecken des Hofes werden soll. Laß ihn nur kommen!
— Da ist er! rief Dimitry, der schon seit geraumer Zeit eingetreten war, die letzten Worte Golowins gehört und fid) feinem Stuhle genähert hatte.
Mit weit aufgesperrten gläsernen Augen starrte tiefer die unerwartete Erscheinung an, welche aus der Geisterwelt gekommen zu sein schien, um Rache für den schmählichen Meuchelmord zu nehmen. Zitternd vor Angst und Schrecken, hatte er sich halb von seinem Sitze erhoben, und wie er so in abwehrender Stellung, mit gespreizten Fingern, selbst zum Gespenst erstarrt, dastand, bildete er die vollkommenste Aehnlichkeit mit einer Chiffre des optischen Telegraphen. Die Haare gesträubt, gleich den Federn eines Truthahns, rief er mit bebenden Lippen in hohlem Tone:
— Geh, bleicher Schatten — Du bist fürchterlich — ja, !a — ich bin Dein Mörder . . .
Schon begann diese Scene die Tafel entlang Aufmerksamkeit zu erregen, doch Dimitry, dem es nicht um
weitere Rache zu thun war, suchte sie in Scherz zu klei- den. Ruhig nahm er einen Stuhl, Golowin gegenüber, und sag/e lächelnd zu den gespannten Zuschauern:
— Sie sehen, meine Herren, der Kammerherr kann meinen Anblick nicht ertragen; so sehr er sich auch nach meiner Rückkehr sehnte, ist er doch der Erste, dem meine glatte Fratze Schrecken einflößt.
Dann wendete er sich zu Golowin, der sich beim Anhören der sarkastischen Rede seines Feindes von seiner Gespensterfurcht erholte, um so mehr aber für seine Sicherheit zu fürchten anfing.
— Nun, mein Herr Kammerherr, sagte er, Ihr Wunsch ist erfüllt — hier bin ich — aber es scheint, daß meine Gegenwart Ihre Nerven zu sehr erschüttert; daher nehmen Sie den Rath eines Freundes an, und legen Sie sich zu Bette. Morgen wenn Sie sich erholt haben werden, mögen Sie Ihre Drohung in Ausführung bringen, und zwar vor Zeugen, Wenns beliebt.
Golowin stand sogleich,auf, ohne ein Wort an Dimitry oder an seine Freunde zu richten, die erstaunt und fragend auf ihn blickten, und verließ den Saal.
Noch in derselben Nacht nahm er Postpferde, um auf seine Güter zu reisen, von welchen er nie wieder an den Hof zurückkehrte.
Dimitry verfolgte ihn nicht weiter, und ließ auch dessen Freunde in Ungewißheit über diese ganze Bege» benheit. (Forts, folgt.)
W-emischte-.
Tauberbischofsheim. Am 16. Nachmittags 5 Uhr brach hier ein großer Brand auS, der 8 Wohnhäuser und das Gymnasium in Asche legte.
Rom, 13. Mai. Bischof Ketteler von Mainz predigte vorgestern in der deutschen Nationalkirche über das Evangelium des Sonntags vor einer großen Zuhörer- schaft. Er sprach (nad) der „Köln. Z.") über die Vergänglichkeit menschlicher Macht und Herrlichkeit, woran man nirgends lebhafter als unter den Ruinen des alten Rom erinnert werde, und verhieß dann mit hoher Zuversicht den nahen Sieg der Kirche über ihre Dränger in Italien, und wie es dem Schöpfer des ersten französischen Kaiserreichs ergangen, so werde auch der des zweiten enden.
Amtliche Bekanntmachungen.
Landrathsamt Hersfe ld.
Auf dem Wege zwischen Odensachsen und Hersfeld ist ein Sack! mit Kartoffeln gefunden worden, zu dessen Rückempfang sich der Eigenthümer dahier melden kann.
Hersfeld, am 20. Mai 1862.
Kurfürst!. Landrathsamt. Ansfarth.