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persfel-er Anzeiger.

^ 39* HerSfeld, den 14. Mai. 18«S.

DerHersfelder Anzeiger» erscheint wöchentlich zweimal, Mittwochs und Sonnabends. Preis desselben bei der Expedition (Neumarkt Nr. 587) pro Quartal 7| Sgr. bei den Postanstalten kommt der übliche Postaus­schlag hinzu. Anzeigen aller Art weroen ausgenommen und die Zeile oder deren Raum mit 8 Heller, bei Wie­derholungen mit 6 Heller berechnet.

Seine Königliche Hoheit der Kurfürst haben vllergnädigst geruhet:

dem Amts »Assessor Thomas Jecklin in Hanau zum Obergerichts-Assessor bei dem Obergericht in Fulda, unv

den außerordentlichen Stadtgerichts-Assessor Adolph Stölzel in Kassel zum Obergerichts, Assessor bei dem dasigen Obergerichte zu bestellen,

die Pfarrstelle, an der evangelischen Gemeinde zu Volkmarsen dem außerordentlichen Pfarrer Konrad Julius Eduard Grimmei aus Marburg zu über­tragen,

dem vom Erblandpostmeister, dem Herrn Fürsten von Thurn und Taxis, zum Secretair bei dem Post­amte zu Marburg in Vorschlag gebrachten Postamts- Assistenten Georg Wilhelm Frank in Rinteln, und dem vom Erblandpostmeister dem Herrn Fürsten von Thurn und Taxis, zum Assistenten bet dem Ober­postamte in Cassel in Vorschlag gebrachten Postamts- Practicanten Carl Theobor Brell zu Rinteln die allerhöchstlandesherrliche Bestätigung zu ertheilen.

N a d e t ch a.

(Fortsetzung.)

Dimitrys Liebesbewerbungen um die reizende Tän­zerin hatten längst schon den Charakter inniger Freund­schaft angenommen, die sich durch Annas Lossagung von allem Glanz und Schimmer nur noch gesteigert hatte. Sie bewohnte jetzt eine einfache Wohnung am großen steinernen Theater. Als er nun bei ihr eintrat und ihre Hand zum Kusse ergriff, sagte sie, ihm einen Will- kommensgruß auf die Schläfe hauchend:

Ich habe recht nach Ihnen verlangt, theuer Di- mitry, denn Ihre lange Abwesenheit vom Hause machte mich sehr besorgt um Sie, da Ihre Diener nicht wuß­ten, wo Sie geblieben.

Ist es hier so etwas Seltenes, antwortete Di- mitry lächelnd, ein Trink- und Spielgelage auf einige Wochen auszudehnen, so daß man gar nicht zu so viel

Vernunft kommt, um seinen Freunden die nöthige An­zeige zu machen.

Das nicht, erwiederte Anna, allein ich weiß auch, daß mein Freund an diesen Orgien keinen Geschmack findet.

Was konnte Sie denn beunruhigen, schöne Freun­din? Glaubten Sie vielleicht, daß man mich auf einer Verschwörung ertappt, mir so ohne alle Umstände und ohne Verhör bei nächtlicher Weile die Haare abgeschnit­ten, mich in einen grauen Kittel gesteckt und nach Sibi- rien transportirt hätte?

Spotten Sie nicht mit Aufzählung von Thatsachen, die alle Tage passiren können. Ich weiß, Sie haben Feinde am Hofe, und mehr bedarf es nicht, um Ihnen Verrats und Verderben zu prophezeien.

Veit wann sind Sie denn zur Vibylle geworden? Ihre Prophezeiung wäre auch beinahe in Erfüllung ge­gangen. Doch davon nachher. Sie wünschen einen Dienst von mir, wie ich aus Ihren Zeilen ersehe. Ge­bieten Sie über mich, schöne Freundin.

Ja, Dimitth, ich bitte Sie um Ihre Verwendung für einen armen Burschen, den man nnschuldig des Dieb - stahls zeiht. Er ist ein Jugendfreund meiner Schwester die ihm sehr verpflichtet ist.

Abgemacht! Der junge Dieb soll frei gesprochen werden. Ist das Alles, meine schöne Freundin?

Ach, mit Ihnen ist doch gar nicht ernsthaft zu reden. Er ist wirklich ein ehrlicher Mensch, und ich nehme deshalb Theil an ihm, weil auch er gerade vom Gipfel des Glücks in die Hände der russischen Ju­stiz fieL_ In bem Augenblicke, wo er in Gegenwart meiner Vchwester seine lange verloren geglaubte Mutter in Nadeschas Amme wieder gefunden, beschuldigte man ihn des Diebstahls.

Was sagen Sie? Der Sohn Agavias, Nadeschas Amme? Ihr Milchbruder also? O, dann ist er unschul­dig, denn Alles, was mit dieser Heiligen in Berührung kommt, muß lauter und rein sein. Ueberlassen Sie ihn mir. Meine gewichtige Bitte um Gerechtigkeit wird seinen Richtern sogleich die Augen öffnen/ Nichts ist leichter.

Ich brauche Ihnen wohl nicht erst zu sagen, theu­rer Freund, daß ich die Summe, um die es sich handelt,