pcrssclbcr Anzerger.
Mr. 38. Hersfetd, den 10. Mai. 1882.
Der „Hersfelder Anzeiger" erscheint wöchentlich zweimal, Mittwochs und Sonnabends. — Preis desselben bei der Expedition (Neumarkt Nr. 587) pro Quartal 7£ Sgr. bei den Postanstalten kommt der übliche Postaufschlag hinzu. — Anzeigen aller Art werben ausgenommen und die Zeile oder deren Raum mit 8 Heller, bei Wiederholungen mit 6 Heller berechnet.
.... —————— । । —— ,■■— . ...■■■■■—... .™.»«^l■ml■■l ■ ■■i i i"52!gn.Hjr>
N a b e t ch a.
(Fortsetzung.)
Jukoff und seine Tochter waren darauf vorbereitet, daß ihr theurer Pstegling sie »erlassen wollte. Er trat ein, um sich zu verabschieden, und obwohl Nadescha heute mit Vorbedacht das Gewand der Sklavin trug — ihm schien es, als umwalle ein Glorienschein ihr Haupt. Rasch trat er aus sie zu, um sie zu hindern, ihm, dem Edelmanne, in üblicher Weise die Hand zu küssen, faßte ihre beiden Hände, und sah ihr forschend in das ruhig stralende Auge, in welchem er ihren Kampf und ihren Sieg über sich selbst zu lesen schien, und hauchte einen Kuß auf ihre Stirn.
Heilige Stille herrschte einen Augenblick und ver. schloß in lautlosem Entzücken die Lippen zweier Sterblichen, in deren Herzen der Himmer eingekehrt war, deren Blicke in überirdischem Glänze stralten.
Dimitry fand zuerst das Wort.
— Ich kann, sagte er mit bewegter Stimme, dieses gastfreie Haus nicht verlassen, ohne meiner holden Retterin zu danken für das neugeschenkte Leben, das ich fortan doppelt genieße, denn ich fühle, daß ich nun erst zu leben angefangen. Möchten auch Sie dieses Tages mit Freude gedenken, und der Schrecken, den Sie erlitten, nicht nachtheilige Folgen nach sich ziehen.
— Gerührt erkenne ich Ihre Theilnahme, gnädiger Herr, erwiederte Nadescha hocherröthend. Ich fühle mich vollkommen wohl und danke der göttlichen Vorsehung, daß sie ein so kostbares Leben, wie das Ihrige, aus so großer Gefahr errettet hat.
Hingerissen von dem Wohllaut ihrer Stimme und dem Zauber ihrer Anmuth, führte er Nadcschas Hand an ferne Lippen und sagte mit einem Blick in ihre see- lenvollen Augen:
~ 3$ kenne jetzt meine Vorsehung, zu ihr will ich andachtsvoll hinaufblicken, ihr Himmelslicht soll fortan meine Führerin sein. Dann wandte er sich, um zu gehen, und gewahrte nun erst Nadeschas Vater, der in verwuuderuiigsvoller Demuth nicht gewagt hatte hervor- zutreten, Dimitry unterbrach dessen sklavische Huldigung durch eine stumme Umarmung und eilte rasch ans der Thür und aus dem Hause, den ehrlichen Kaufmann in
höchstes Erstaunen über eine so unerhörte Herablassung versetzend.
Nadescha aber fühlte die ganze Macht jedes seiner Worte, die sie wie Sonnenglut durchströmten, wie Feier- glockenton in ihrer Seele wiederhallten und ihr tiefstes Innere zu einem Tempel hoher Tugend weihten, dessen begeisterte Priesterin sie war^
Den Himmel in der Brust und Flügel an den Fersen, eilte Dimitry in sein Hotel, um seinen Onkel mit aller Glut beredter Liebe um die Freilassung seiner Retterin zu bestürmen. Doch angelangt in seiner Wohnung, hörte er von den Dienern, daß der alte Herr noch auf dem Lande verweile und erst am Abend zurückerwartet werde. Schon gab er Befehl, sein Pferd vor- zuspannen, um sogleich nach Peterhof zu fahren, als man ihm ein Billet von Anna Simonowna überbrachtx in welchem er gebeten ward, sie zu besuchen. Er entschloß sich daher, erst zu ihr zu gehen, und seines Onkels Ankunft dann zu Hause zu erwarten. (Forts. f.)
Wir bringen hiermit zur Kenntniß, daß die 8- Generalversammlung des landwirthschaftlichen Central-Ver- eins für Kurhessen
Donnerstags des 1O. und Freitags den
11. Juli S B- zn HerSfeld abgehalten werden wird.
Die Verhandlungen, welche den 10. Juli, Vormittags 10 Uhr ihren Anfang nehmen werden, betreffen nachverzeichnete Gegenstände:
1) Rechnungsablage.
2) Haben die Feldmäuse auch in diesem Jahre in scha- denbringender Weise überhand genommen? Wo ist dies insbesondre der Fall? Ist gegen diese Thiere in der von Kurf. Kommission für landw. Angelegenheiten angerathenen Weise in den Gemeinden vorgegangen worden? Mit welchem Erfolg ist dies ge- schehen? Welche Mittel erwiesen sich dabei als die wirksamsten?
3) Welche Methode des Aufsetzens (Puppens) des Ge- iraides empfiehlt sich bei ungünstigem Erndewetter am meisten ?
4) Das in England allgemein übliche Drillen des Ge-