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Mk. 35. Hersfeld, den 30, April. 1863*

Der „Hersfelder Anzeiger" erscheint wöchentlich zweimal, Mittwochs und Sonnabends. — Preis desselben bei der Expedition (Neumarkt Nr. 587) pro Quartal 7t Sgr. bei den Postanstalten kommt der übliche Postauf­schlag hinzu. — Anzeigen aller Art werden ausgenommen und die Zeile oder deren Raum mit 8 Heller, bei Wie­derholungen mit 6 Heller berechnet.

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Seine Königliche Hoheit der Kurfürst haben allergnädigst geruhet:

den voni Erblandpostmeister, dem Herrn Fürsten von Thurn und Taxis, zu Assistenten in Vorschlag gebrachten Postpracticanten August Wilhelm Theo- bald undjFriedrich Kalbfleisch und zwar Ersteren beim Postamte zu Carlshafen und Letzter» bei dem zu Rinteln, die allerhöchstlandesherrliche Bestätigung, sowie

zu der vom Erblandpostmeister dem Herrn Fürsten von Thurn und Taxis, in Vorschlag gebrachten Ver­setzung des Postverwalters Carl-Wilhelm Bönning zu Felsberg in gleicher Eigenschaft nach Grebenstein die allerhöchstlandesherrliche Genehmigung zu er­theilen.

N a b e t eh a.

(Fortsetzung.)

Horch I rauschte es da nicht in den Wellen? Horch! sind das nicht Ruderschläge? Ja, ein Kahn gleitet durch den Nebel, jetzt verschwindet er hinter einem Weidenbnsch, da erscheint er am Ufer, er hält an, und zwei Gestalten steigen aus Land. Es sind Agavia und Sarcha, sie su­chen den Gefallenen; bald haben sie ihn gefunden und tragen ihn zu dem Kahne, in welchem Nadescha auf sie wartet. Die grauen konnten sich nicht entschließen, heimzufahren, ohne zu sehen, wie die beiden Cavaliere ihren totreit beendigen würden. Sie ließen sich von Sarcha an eine Stelle rudern, die von Weidenbüschen geschützt, einen sichern Versteck darbot, um die Insel ungesehen zu überschauen. Sie beobachteten den ganzen Vorgang, und da sie ihrem Beschützer nicht zu Hilfe kommen konnten, so wollten sie wenigstens sehen, ob nicht noch Leben, in dem Gefallenen sei, der hier so grausam, so hinterlistig Überfällen ward.

Vorsichtig wurde der Leblose auf die Kissen nieder­gelegt, und so rasch als möglich die Rückfahrt bewirkt. Die Frauen halfen selbst beim Rudern, wenn Sarchas Kräfte ermüdeten.

So heiß der Tag gewesen war, so kalt war die darauf folgende Nacht, und Nadescha nahm ihren war­men Shawl von der Schulter und eilte damit unter den Baldachin, um den Gemordeten zu bedecken. Die Hoffnung, noch einen vielleicht glimmenden Lebens funken in ihm auzufachen, ließ sie jedes Mittel anwenden, das in ihrem Bereiche war. Sie wusch die Wunde, die noch fortwährend blutete, mit Wein, dann machte sie aus ihrem Taschentuche einen Verband, der wenigstens so lange dem Bluten Einhalt thun konnte, bis sie ihre Wohnung erreichte.

Dort sorgte Vater Jukoff, der sogleich den Neffen seines Herrn in dem Verwundeten erkannte, für die geeignetsten Mittel in solchen Fällen, und sandte unver­züglich nach einem Arzt.

Nadeschas Kummer über den Tod ihres großmüthi­gen Beschützers, den sie, wie sie glaubte, gewissermaßen herbeigeführt, war tief und schmerzlich. Sie mochte nicht daran glauben, und ging daher nicht von seinem Lager, das man im besten Zimmer des Hauses für ihn eingerichtet hatte. Mit ihren Händen suchte sie die feinigen zu erwärmen und lauschte mit dem Ohre an seinen Lippen, ob nicht ein schwacher Athemzug verrathe, daß noch Leben in ihm sei.

Endlich erschien der Arzt, und während der Un­tersuchung eilte Nadescha in ihr Schlasgemach, warf sich dort vor dem Bilde der Mutter des Gekreuzigten nieder und betete mit Inbrunst um das theure Leben Dessen, der nun im Nebenzimmer als ein regungsloser Leich­nam lag.

Gestärkt von der göttlichen Kraft des Gebets und von der kindlichen Zuversicht, daß sie erhört sei, erhob sie sich und war kaum überrascht, als ihre Amme bei ihr eintrat und ihr die glückliche Wiederbelebung des Todtgeglaubten ankündigre.

— Ich wußte es daß mein Gebet Erhörung finden würde, jubelte Nadescha und warf sich, weinend vor seli­ger Freude, in Agavias Arme. Komm, Agavia, sagte sie dann, laß uns vereint ihr danken, deren Fürbitte allein dieses Wunder bewirkte.

Sie zog ihre Amme zu sich auf den Betschemel nie­der, und es war rührend zu sehen, wie Beide, Mutter