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landen. Dort angekommen, wählten sie sich einen lieb­lichen Sitz in der Mitte eines Birkenhölzchens, um in der freien Natur, fern von der drückenden Atmosphäre der Stadt einige Stunden^u verplaudern.

Die Newa schlingt sich wie ein azurner, mit Silber -Durchwirkter Gürtel um die großartige Kaiserstadt, bil­det einen Bogen, der die Insel Wasili-Ostrow umschließt, wendet sich dann westlich, wo sie sich in mehre Arme theilt und viele kleine Inseln bildet.

Eine dieser Inseln ward von Nadescha zu ihrer heutigen Erholung ausersehen. Einsam und ungestört hatte sie mit ihrer Amme den heißen Nachmittag im kühlenden Schatten des Wäldchens genossen. Nun mahnte sie die untergehende Sonne, thre Rückfahrt zu beschleu­nigen, als sie einen Mann gewahrte, der hinter einer Baumgruppe hervortrat und den offenen W^sengrund der Insel mit weiten Schritten zu durchmcsscn schien. Den Hur tief in die Stirn gedrückt, warf er seine spä­henden Blicke rings umher, als ob er Jemand suche. Endlich breitete er seinen weiten Mantel ins Gras und ließ sich darauf nieder.

— Wo nur die Schufte bleiben, murmelte er vor sich hin, sie müßten längst hier sein, Es wäre doch verflucht, wenn die Galgenvögel mich im Stiche ließen — nicht im Hinterhalt zu meiner Hülfe bereit lägen,, ehe mein Gegner kommt.

Es war der Kammerherr Golowin, der den Grafen Dimitry auf diese Insel bestellt hatte, unter dem Vor- wande, sich mit ihm zu schlagen.

Dimitry war zu ehrenhaft, um dabei an einen Hin­terhalt zu denken, als sein Gegner von ihm verlangte, ohne Secundanlen zu erscheinen, und dieser triumphirte, ihn in die Falle gelotst zu haben, denn es war bei ihm beschloffen, seinen Feind durch Meuchelmörder aus dem Wege zu schaffen.

—- Das Beste ist, sagte er, ich mache mich auch da­von, denn, kommt der „Ritter ohne Furcht und Tadel", so muß ich vor seine Klinge, und er spießt mich, der ich ohne alle Uebung bin, wie eine gebratene Lerche. Teufel! es ist zu spät, rief er, da kommt er schon. Nein, es sind ihrer zwei — Halloh! Das sind meine Burschen! So war ich lebe, ich kenne sie an ihrer Galgenphysiog­nomie.

Schnell sprang er vom Rasen auf, und schritt den Ankömmlingen entgegen, oie augenscheinlich zur Zunft der Halsabschneider gehörten.

—" Gut, daß Ihr kommt, rief Golowin, es ist die höchste Zeit! — Schnell, lagert Euch dort hinter jenes Gestrüpp, von wo Ihr diese Fläche übersehen könnt, auf welcher ich den Zweikampf verunstalten werde. Wir machen den ersten Gang, dann, gebt wohl Acht! Sobald Ihr mich fallen seht, stürzt Ihr hervor, nehmt meinen Degen und durchstecht meinen Gegner, so wird man glauben, er sei im Duell gefallen. Sobald Ihr Euch seines Todes versichert habt, macht Ihr Euch unsichtbar

— Ihr wißt, wo man Euch Euren Lohn auszahlt.

Die beiden russischen Bravi bekreuzten sich fromm, zum Zeichen ihrer gewissenhaften Pflichterfüllung, und verbargen sich an der bezeichneten Stelle.

Als Golowin seine Spießgesellen geborgen wußte, jubelte sein feiges Herz, das nun diesem Duell mit freu­diger Zuversicht entgegen sah. Stolz und herausfordernd schritt er am Ufer hin und her, und schien es kaum er­warten zu können, bis sein Gegner sich einstellte.

— Nun, laß ihn nur kommen! rief er, sich triumphi- rcnd die Hände reibend. Bei meinem Orden! Wenn man so sicher ist, das Schlachtfeld als Sieger zu verlas­sen, so giebt das Hälsebrechen ein wahrhaft erhebendes Gefühl, eine heilsame Aufregung, die auf meiner, innern Menschen wohlthätig wirkt. — Aber er bleibt lange; sollte es noch nicht sieben Uhr sein? er läßt doch sonst nicht auf sich warten bei einer sogenannten Ehrensache. Ah, sagte er, auf seine Uhr seheuch es ist erst halb Sie­ben. Die Zeit schleicht verzweifelt langsam — laß sehen — heraus, mein gutes Schwert, wir wollen einstweilen sämmtliche Disteln köpfen, das ist eine gute Vorübung.

Den Degen in der Hand ging Golowin nun durch das Wäldchen, in welchem die Frauen sich ängstlich ver­steckt gehalten, denn sie mußten die Wiese passiren, um an ihren Landungsplatz zu gelangen, und wagten sich nicht hervor. Jetzig aber, als sie Golowin wie einen Rasenden mit dem Schwerte um sich hauen sahen, kamen sie entsetzt hervor, ihr Heil in der Flucht suchend.

Nadeschas schlanke Gestalt fesselte Golowins Auf­merksamkeit. Halt schöne Nymphe! rief er, halt,- sei^ ohne Furcht, ich bin nicht so blutgierig, wie ich frtr scheine — und wenn ich es wäre, Deine Schönheit würde selbst den Tiger zähmen. Jetzt hatte er die Flüchtige erreicht, sie am Gewände haltend, sagte er: Aengstigen Sie sich nicht, ich will Sie ja nur beruhigen, indem ich Sie festhalte. Macht dieser Degen Sie so bange? -— Hier liegt er zu ihren Füßen — so, nun bin ich wehrlos den Pfeilen ihrer Augen gegenüber — werden Sie nun Gnade üben?

— Lassen Sie mich, flehte Nadescha. Wenn Sie ein vernünftiger Mensch und ^ein Rasender sind, wie es den Anschein hat, so werden Sie meine Angst begreifen, und mich gehen lassen.

— Alles, Alles, meine Schöne, nur nicht Sie ziehen lassen. Wenigstens müssen Sie sich freikaufen. Einen Kuß, meine Schöne, einen Kuß! Nicht ohne ein Liebes­pfand gebe ich Sie frei.

Nun erfolgte ein Ringen in welchem natürlich der Stärkere den Sieg davontragen mußte. Agavia wat nach dem Lanoungsplatz gelaufen, um Sarcha zur Hilfe herbeizuholen, als Dimitry, rasch aus einem Boote stei­gend, die Insel betrat, und schnell den bedrängten Frauen zu Hilfe eilte.

Ungehört schritt er auf dem weichen Rasen daher und Golowin am Sinne fassend und ihn zurückreißend, rief er ihm donnernd zu: (Fortsetzung folgt.)