Mv. 33. Hersfeld/ den 23. April. 1VZS.
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LanSgr-af Philipp «nd die StadLvürger.
Es braust in deutschen Landen ein Sturm von wilder Art,
Wie keiner sonst vom Argen je anzettelt ward.
Der Himmel ist geröthet, das Blut in Strömen fließt, Die Burgen und die Klöster der Bauern Feuer frißt.
Und breiter, immer breiter wälzt sich die tolle Schar, Und größer, immer größer wird ringsum die Gefahr. Das Wort des HErrn zum Stricke der Teufel listig dreht, Daß winzig nun das Häuflein, so gläubig, widersteht.
Drob jubelt laut die Hölle, stimmt an ihr Siegeslied, Der Frieden von der Erde zum Himmel aufwärts sticht. Die Herren stehn erschrocken, der Städter schickt sich an, Dein Bauersmann zu folgen auf blut'ger Siegesbahn.
Jetzt auch im Hessenlande das Feuer niedersällt, Hart an des Landes Grenzen die wilde Rotte hält, Mit Sengen und mit Morden, bald auch mit list'gem Wort,
Ist schon im Buchenlande gewonnen mancher Ort.
Und Philipp, Hessens Landgraf, der ritterliche Held, Mit wenigen Getreuen in Alsfeld Einzug hält, Er hat es jüngst erfahren, wie's in den Städten gährt, Drum will er's heut erproben, wie man dem Sturme wehrt.
Dort sind sie längst beisammen aus jeder Hessenstadt, Die er, mit ihm zu rathen, dorihiu gefordert hat, Und in der Städter Mitte der Landgraf kühnlich tritt, Das Antlitz scharf geröthet vom rastlos schnellen Ritt,
„Wohlan, Ihr Städter alle," so hebt er muthig an, „Ist einer; der in Wahrheit mich überführen kann, „Daß Willkür ich geübet und nicht Gerechtigkeit, „Er trete vor und klage, wie ihm die Pflicht gebeut!» -
»Ihr schweigt, und Euer Schweigen nehm ich als Zeugniß hin, „übte auch vor meinem Heiland ich fest und sicher bin,
„Daß ich in seinem Namen das Regiment geführt, „Von Herzen Jedem gönnend, was ihm vor Gott gebührt."
„Und was ich Euch gewesen, ich will es ferner sein, „Dem Lande Leib und Leben und alle Kräfte weih n. „Doch Eins von Euch ich fordre, daß Ihr mir hold und treu,
„Daß Hessen seinem Fürsten die alte Liebe weih!"
„So recke denn die Finger zun Zeichen in die Höh,. „Wer treu ist seinem Fürsten, wer ihni in Freud und Weh
„Will beistehn bis zum Tode!" Sprachs und verstummt alsbald.
Der Städter freudig Rufen ihm laut entgegen schallt:
„Heil unserm Landesvater, Heil unserm Hessenland, „Wo treuer Fürsten Liebe stets Gegenliebe fand. „Dir sind wir treu ergeben, Dich unsre Liebe deckt!" Und alle Hände waren dem Himmel zugereckt.
Wohl magst bewegt Du weinen, Du ritterlicher Held Die Engel Gottes danken vom goldnen Himmelszelt, Sie schauen freundlich nieder auf Alsfelds lauten Markt, Und unser Herz, das matte, an solcher Lieb erstarkt.
(Aus der „Hessenzeitung".)
U a b e 5 ch a.
(Fortsetzung.)
Unter solchen Umständen trockneten Agavia und Na- descha ihre Thränen, gaben sich der frohen Hoffnung hin, und beschlossen, durch einen Ausflug die Feier des Namenstages zu schließen.
Ein leichter, mit einem Baldachin bedeckter Kahn wurde mit einem Samowar (Theemaschine) und verschiedenen Eßwaaren befrachtet, und Sarcha (Alexander), der Diener, wurde beauftragt, mit ihnen den Kathari- uen-Canal hinab in die Newa zu rudern und auf einer der am wenigsten besuchten Inseln Christophskys zu