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NP. 32.

Hersfeld/ den 19. April.

1GG2.

DerHersfelder Anzeiger" erscheint wöchentlich zweiinal, Mittwochs und Sonnabends. Preis desselben bei der Expedition (Neumarkt Nr. 587) pro Quartal 7^ Sgr. bei den Postanstalten kommt der übliche Postaus­schlag hinzu. Anzeigen aller Art werben ausgenommen und die Zeile oder deren Raum mit 8 Heller, bei Wie­derholungen mit 6 Heller berechnet.

Seine Königliche Hoheit der Kurfürst haben a "^gnädigst geruhet:

den Unter-Staatsprocurator Friedrich Hassen- pflug von Eschwege in gleicher Eigenschaft nach Kassel zu versetzen.

K & e f ch a.

(Fortsetzung.)

Was träumte denn mein Liebchen diesen Morgen? Weißt Du auch, wohl, daß Morgenträume in Erfüllung gehn?

O, der mehlige gewiß nicht, rief Nadescha. Denke nur, mir träumte, als stände ich mit einem jungen Manne am Traualtar.

Ei, da haben wirs, rief die Amme, ich sage, Kind, der Traum kann sich sehr bald erfüllen. Du bist nun siebenzehn Jahr alt.

eet still davon, Agavia, bat die Jungfrau, Du weißt, daß dies bei mir nicht möglich ist. Mein Ent­schluß steht fest, ich gehe ins Kloster. Nur so kann ich mich dem verhaßten Zwange entziehen, einen Sklaven zum Mann nehmen zu müssen.

Es ist freilich schlimm, mit einer so vornehmen Erziehung, wie Du genossen hast, Leibeigene zu sein. Und deine Lehrerin, die edle Klosterdame, hätte das be- denken sollen.

O, schilt nicht auf meine Wohlthäterin, was wäre ich ohne siel Die edle Gräfin Sternitzä hat nicht blos meine Talente ausgebildet, sondern auch mein Herz, und Das erhebt mich über meinen Stand, und lehrt" mich in leder Lage glücklich sein.

Nun, Gott gebe seinen Segen dazu, dann kannst Du auch als die Frau eines Muschiks (Bauern) glück­lich sein. Nicht alle Bauern sind roh und gemein: zum Beispiel sieh auf Deinen Vater.

Mich dünkt, Du warst auch eine Leibeigene, sprich, wodurch wurdest Du frech? fragte Nadescha rasch.

Indem ich einem Soldaten, meine Hand gab, sprach die Amme. Denn dieses Gesetz gab einst der große

Czar Peter, um den Soldatenstand zu heben. Eine Sklavin, die einen Soldaten heirathet, ist frei; sie ge­hört dem Kaiser, wie ihre Söhne, die ihm wieder als Soldaten dienen müssen.

Höre, Agavia, sprach Nadescha, auch ich will frei werden, gieb mir Deinen Sohn Wasili zum Manne ich will nicht länger dem Fürsten Prelucki, ich will dem Kaiser angehören.

Mit Freuden, theures Kind, wollte ich auch mei­nen Segen dazu geben, aber mein Sohn Wasili, wo ist er? Lebt er noch? Du weißt, fuhr Agavia fort, daß er in einer Militairschule erzogen wurde; von dort ent­floh er, und ist seitdem spurlos verschwunden. Ach, ge­wiß lebt er nicht mehr, sonst würde er seine alte Mutter ausgesucht haben, die sich beinahe die Augen um ihn ansgeweuir.

Rasch wurde die Thür geöffnet. Maria, die Schwester Anna Simonownas, ein Körbchen mit Blumen und Ge­schenken tragend, trat ein, um ihre Freundin zum Na­menstage zu beglückwünschen.

Nadescha jauchzte auf.

Ich wußte, theure Maschinka (Marie), sagte sie, daß ich Dich heute sehen würde, mein Herz sagte es mir. Aber wie verändert siehst Du aus, "recht hübsch, recht elegant, viel hübscher als in russischer Tracht, wenn auch nicht so traulich.

Mein Herz ist unverändert, geliebte Nadescha, sagte Marie. Es ist der Wille meiner Schwester, mei­nen kleidsamen Sarasan (offene Robe) abzulegen, den ich ungern vermisse.

Gehst Du mit uns zur Kirche, Maschinka?

Ja, das will ich, bis zwölf Uhr habe ich Zeit. Denn meine Schester wird bis dahin ruhen. Laßt uns gehen und den Segen des Himmels aus Dich, Nadescha, als Angebinde hernieder flehen.

Auf Alle, die betrübten Herzens sind, setzte Na­descha hinzu. Und die drei Frauen wandelten bald dar­nach über Die Brücke, der kajauschen Kirche zu.

Da der Gottesdienst schon um elf Uhr beendigt war, bat Marie ihre beiden Gefährtinnen, mit ihr den Gosdmoi dwor (Kaufhof) zu besuchen, wo sie einige Einkäufe zu besorgen hatte.

Ihr könnt dort, fuhr sie fort, meinen Freund So-