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Rv. 31* Hersfeld, den 16. April. 1863*
Der »Hersfelder Anzeiger" erscheint wöchentlich zweimal, Mittwochs und Sonnabends. — Preis desselben bei der Expedition (Neumackt Nr. 587) pro Quartal 7| Sgr. bei den Postanstalten kommt der übliche Postausschlag hinzu. — Anzeigen aller Art werden ausgenommen und die Zeile oder,-deren Raum mit 8 Heller, bei Wiederholungen mit 6 Heller beregnet. -
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Seine Königliche Hoheit der Kurfürst haben allergnädigst geruhet:
den Justizbeamten Johann Adam Amelung zu Frouhausen auf sein alleruntenhänigstes Nachsuchen in den Ruhestand zu versetzen;
dem Geh. Medicinalrath Professor Dr. Heusi nger zu Marburg die nachgesuchte Erlaubniß zur Annahme und zum Tragen des von Sr. Königl. Hoheit dem Großherzoge von Sachsen-Weimar demselben verliehenen Ritterkreuzes erster Klasse des Ordens vom weißen Falken zu ertheilen;
dem vom Erblaudpostmeister, dem Herrn Fürsten von Thurn und Taxis, zum Assistenten bei dem Oberpostamte in Kassel in Vorschlag gebrachten Postprac- älcanten Hermann Conrad Kürschner daselbst, und den- ebenso als provisorische Postverwalter in Kleinschmalkalden, Amis Brotterode, in Vorschlag gebrachten Bürgermeister Conrad Hörchner daselbst die allerhöchstlandesherrliche Bestätigung zu ertheilen
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(Fortsetzung.)
Als Dimitry sich auf sein eigenes Zimmer begab, fand er dort ein Billet, welches eben gebracht worden >var. Eilig erbrach er es und las:
— Morgen Abend um sieben Uhr finden Sie mich aus der westlichen Insel Christophskys, um Ihnen mit eem Degen in der Hand Genugthuung abzufordern — uno Nachschrift lautete: Ich werde ohne Secundan- ten erscheinen, um nicht Anstoß bei Hofe zu geben, und erwarte von Ihnen dieselbe Vorsicht. Golowin. w ~ Ha, endlich l rief Dimitry zufrieden. Dieser Achilles hat also doch eine verwundbare Ferse! Es gehört nur ein tüchtiger Stock dazu, um sie zu kitzeln.
Bei diesen Worten spielte ein sarkastisches Lächeln um seinen Mund. Er nahm die Reitpeitsche und verließ das Zimmer, um sich auf seinen- arabischen Rappen ™ ™ freien Natur des Unmuths über seines Onkels 'iregrisse von Ehre zu entschlagen.
IV.
In der Newsky - Perspective, nahe der kasanschen Brücke, liegt das stattliche Haus des in der ganzen Stadt wohlbekannten und geachteten Kaufmanns Peter Jukoff. Es enthält in seiner Fronte sechs große, hohe Fenster mit einem Balcon, die unteren Räume bilden das Magazin und die Gewölbe, worin die vielen Artikel seines Handels ausgestellt und aufbewahrt werden.
Da giebt es Honig und Käse, Hülsenfrüchte, Hä- ringe und Marmelade, Meth und Fischthran, Schreibpapier und eiserne Kochtöpfe, kurz, die heterogensten Dinge, die nur denkbar sind.
Peter Jukoff saß mit seinem Miethsmanne, einem Franzosen, in eine Partie Schach vertieft, obwohl es noch früher Morgen war, denn das Schach oder Damenbrett ist ein unentbehrliches Geräth, zu dem der Russe greift, sobald er des Morgens erwacht, um oft schon im Bette eine Partie zu spielen.
— Dieser Zug war falsch, Vater Jukoff, rief der Franzose, ein ehemaliger Offüier, der mit Napoleon nach Rußland gekommen und als Gefangener dort zurückgeblieben war. Wie konntest Du auch den Bauer weg- ziehen, fuhr Monsieur Gardieu fort; nun steht Dein König ungedeckt — kein Wunder, wenn er fällt.
— Was doch ein Bauer im Schachspiel für eine wichtige Person ist, sagte Jukoff; bei uns ist und ble-bt er doch nur eine Null.
— Es wird auch bald anders werden, Freund, meinte der Franzose; man spricht schon häufig von einer Emancipation der Leibeigenen.
— O! daß ich es noch erlebte, seufzte Jukoff, allein ich fürchte, wir sind lange noch nicht reif dazu.
— Freilich, versetzte Gardieu, gut Ding will Weile haben; so schnell wirds wohl nicht gehen.
— Ich wünsche nicht für mich die Freiheit, denn die- ser alte Nacken ist des Joches schon gewohnt: aber für mein Kind, meine Nadescha. Wenn ich an ihr Schicksal denke, das ein herzloser Tyrann in Händen hat, so möchte ich wünschen, sie wäre nie geboren! Nadescha! fürchte ich, mit ihren Gefühlen, mit ihren Grundsätzen — muß ihre Sklaverei unerträglich finden, sobald sie zur Ein- ficht darüber gelangt.