Hersfcldcr Anzeiger
Rs. 29* Hersfeld, den 9. April. LGG2.
Der »Hersfelder Anzeiger" erscheint wöchentlich zweimal, Mittwochs und Sonnabends. — Preis desselben bei der Expedition (Neumackt Nr. 587) pro Quartal 7£ Sgr. bei den Postanstalten- kommt der übliche Postaufschlag hinzu, —- Anzeigen aller Art werben ausgenommen und die Zeile oder deren Raum mit 8 Heller, bei Wiederholungen mit 6 Heller berechnet.
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Seine Königliche Hoheit der Kurfürst haben allergnädigst geruhet:
die Banreferenten bei der Regierung zu Kassel, Banrath Friedrich Wilhelm Hunrath und
Baurath Johann Philipp Lichtend er g zugleich zu Mitgliedern der Ober - Bau - Commission zu bestellen.
Die gegen das Ueberhandnehmen der KelS- mäuse zu ergreifenden Maßregeln betreffend.
Die Feldmäuse haben den außergewöhnlich gelinden Winter leider! in Menge überlebt und steht zu befürchten, daß diese Thiere sich bei der jetzt herrschenden ihre Vermehrung in hohem Grade begünstigenden, andauernd milden Witterung bald in großen Schwärmen über8 Land hin verbreiten, Felder und Wiesen überziehen, Saaten und Feldfrüchte verwüsten werden, wenn nicht gegen diese Plage, die sich in manchen Gegenden zu einem wahren Nothstand steigern kann, was Gott verhüten wolle, auf das nachdrücklichste angekämpft wird.
Jetzt, im Frühjahr, ist die rechte Zeit den Krieg gegen den drohenden Feind mit Erfolg zu führen.
Das wird jedem Einsichtsvollen einlenchte», wenn er bedenkt, daß Ein Pärchen Mäuse, welches den Wiu- ^^sücklich überlebte, sich —. unter sonst günstigen Verhältnißen — bis zum Spätjahr zu einigen Tausenden vermehren kann. Ist d'rum nicht mehr damit geholfen, wenn man im Frühjahre zwei Mäuse tödtet, als im Sommer hundert und im Herbst tausend?
„was frnchtet's hier, wenn der Einzelne sich Gottes schöne Gaben zu schirmen sucht? Sein Fleiß, feine Kosten sind auf unsern, meist sehr parzellirten Feldmarken doch nur vergebliche; denn rasch kommen ja wieder neue Abtheilungen der großen Ungezieferarmee
/°bn gezauberte Land von benachbarten Grund» stucken her, auf denen man sie gewähren ließ.
Drum sagen wir euch, ihr könnt nur wirksam gegen den gemeinsamen Feind ankämpfen, wenn dies jetzt gleich und gleichzeitig von allen Gemeindegliedern geschieht.
wuß ein allgemeines Ansgebot, eine gemeinsame Jagd
in der ganzen Gemarkung aus die Mäuse verunstaltet werden. Beginnt ihr diese Jagd nicht alsbald, zersplittert sich der Krieg in Unternehmungen Einzelner, so erreicht ihr nimmermehr eine nachdrückliche Abhülfe des Uebels. Habt dabei besondere Obacht auf Raine, Hecken, höher und trocken gelegene Triescher und Kleefelder. Da sitzt jetzt noch der Feind in hellen Haufen beisammen. Bald, wenn ihr an’8 Ausstellen geht und weun's auf den Feldern zu grünen beginnt, vertheilt er sich in diese und wenn er erst da sein Wesen recht treibt, ist's mit einem erfolgreichen Vertilgen nichts mehr. Drum pflügt nicht um der Mäuse Willen, streut nicht das Saatgut als Mäusefutter auf den Acker. Vereinigt euch vielmehr rasch und greift ihn gemeinsam an, den drohenden Feind. Bringet dabei jene Mittel in Anwendung, die mir euch bereits in der Nr. 18 des vorjährigen landwirthschaftlichen Anzeigers angerathen haben. Sie sind leicht, ohne erhebliche Kosten und im Großen anwendbar und haben sich überall probat erwiesen. Nehmt bei eurem Kampfe die Thiere zu Bundesgenossen an, die wir in der gedachten Nummer des Anzeigers einzeln ausgeführt haben. Schonet sie und ihre BrutI
Wir rufen die- Vertilgungsmittel noch einmal in euer Gedächtniß zurück.
1) Schlagt die Mäuselöcher zu. Stellet eine Reihe Leute (es können Knaben sein), die ihr mit langstieligen Hämmern, wie man sie zum Zerschlagen der Chausee- steine braucht, versehen habt auf den Acker und laßt sie über diesen vorrückend, sämmtliche Mäuselöcher fest zu schlagen, was schnell und leicht auszuführen ist. Nach etwa E Stunden wird dieselbe Fläche zu gleichem Zwecke abermals überschritten. Die Hauptansgänge, die inzwischen durch die Mäuse wieder geöffnet waren, werden abermals zugeschlagen. Dies wird in einer Tour mehrmals wiederholt. Nach 6 bis 8 Stunden wird man finden, daß keine Löcher mehr aufgestoßen wurden. Die gefräßigen Schmarotzer, die nur eine sehr kurze Zeit zu fasten vermögen und die gegenwärtig keine Vorräthe eingetragen haben,- sind verhungert.
2) Legt Bohrlöcher mittelst Erdbohrern an. Dies Vertilgungsmittel ist bekannter, als das vorige. Man hat dazu einen eisernen Erdbohrer nöthig. Er ist etwa