Einzelbild herunterladen
 

Nr. sr. Kersfeld, den 2. April. 1882.

Der-^-Hersfelder Anzeiger" erscheint wöchentlich zweimal, Mittwochs und Sonnabends. Preis desselben bei der Expedition (Neumarkt Nr. 587) pro Quartal 7J Sgr. bei den Postanstalten kommt der übliche Postauf- schlag hinzu. Anzeigen aller Art werden ausgenommen unb die Zeile oder deren Raum mit 8 Heller, bei Wie­derholungen mit 6 Heller berechnet.

N a d e s eh a.

Original-Novelle von Walbnrgis Henrichs. . (Aus dem Jllustrirten Familien-Journal.)

Ah, heute Abend bin ich einmal der Fürst, wie ich bemerke I Gut, spielen wir den Fürsten. Du zwangst mich dazu, schöne Anna.

Er ließ sich neben der Tänzerin auf dem Divan nieder.

Ich bin hier zu Hause,. Anna! sagte er, nachdem er seine Cigarre ungebrannt hatte. Dies Haus gehört mir, und dieser Divan und jene Ampel und das Ma- donnenbild . . . Ja, Anna, wozu überflüssige Höflich­keiten, die bei Dir nicht angebracht sind! Bestehen Sie daraus, mir nicht zu gehorchen, so wird fichs am Ende nicht anders thun lassen, als Sie trennen sich von mir.

O, das ist der heißeste Wunsch, den ich hege.

Gut, gut! Draußen aber, Sie haben es früher erfahren, i^ es zuweilen kalt, sehr kalt.

O, wäre ich doch vor Kälte draußen rimgekommen!

, Läßt sich immer noch nachholen, Anna. Resumiren wir. Ich liebe Nadescha, die Tochter Jukoffs. Wollen Sie meine Verbündete sein, während ich um ihre Liebe werbe, oder nicht?

Nie, nie!

Gut, ich bin einverstanden!

Der Fürst erhob sich.

Noch Eines, sagte er langsam und kalt. Mein Neffe, Dimitry, hat sich in Sie verliebt. Ich hoffe nicht, Anna, daß Sie den Neffen dem Onkel vorziehen.

Ich verschmähe, auf Ihre Beleidigungen zu ant- worten.

, Gut. Sie sind also doch nicht so sehr unverstän- big. Ich,mache Ihnen eine Bemerkung, Anna. Du weißt, daß ich mich vor Niemand, auch nicht vor dem Kaiser sage ich auch nicht vor dem Kaiser fürchte. Aber ich hasse den Eclat. Ich mag mit dieser gottes- fürchtigen Gesellschaftda oben" (am Hofe) nichts zu thun haben. Es giebt gewisse Dinge, welche zwischen uns bestehen, bemerke ich Dir, die Du am besten ver­schweigst. Oder glaubst Du, daß ein junger Officier,

welcher sterblich verliebt ist, unsere Geheimnisse nicht,in alle Welt ausschreien würde, wenn er sie erführe?

Fürst Prelucki, Ihr Geheimniß mit meiner Schmach mag die ganze Welt erfahren) damit sie sich vor einem Ungeheuer hüten kann, wie Sie es sind.

O! O! Wenn Du auf die Manier beginnst, so ist es -allerdings Zeit, daß ich mich entferne. Deine Hand Anna! Auch ohne Dich entgeht mir Nadescha nicht. Ist sie doch meine Leibeigene, gleich ihrem Vater.

Iwan Alexiewitsch, Sie sind ein Ungeheuer, ich wiederhole es! rief die Tänzerin mit funkelnden Augen. Aber es kommt auch für Sie einst die Stunde der Rache, furchtbarer Vergeltung.

Sie nennt mich Iwan! Nun, die gute Laune scheint wiederzukehren. Danke, Anna, danke. Um das Uebrige kümmere Dich nicht. Wir bleiben dennoch gute Freunde.

Du fürchtest Dich, Du, der Schreckliche!

Nicht sehr, Anna, nicht sehr! Aber Freundschaft trägt uns Beiden mehr ein, als Feindschaft da steckt es. Gute Nacht!

Du sprichst recht, Iwan, denn meine Feindschaft bringt mir den Tod, weil ich Dir den Tod zu geben entflossen bin.

Teufel auch, murmelte der Fürst, so habe ich diese Wüthende noch niemals gesehen. Hoffen wir, daß sie sich besinnt, oder daß der Champagnerdunst verfliegt, welcher sie in eine Megäre verwandelte.

Und er eilte rasch zum ^Hause hinaus.

II.

Die warme Morgensonne vergoldete schon geraume Zeit die Spiegelscheiben des Palastes in welchem Anna Simonowna die späte Ruhe gefunden, als hinter den dicht geschlossenen Gardinen ein geschäftiges Treiben sich bemerkbar machte. Die Dienerschaft des Hauses suchte dort die Spuren des nächtlichen Verkehrs zu ver­wischen und Anstalten zum Frühstück zu treffen.

Plötzlich wurden die Flügelthüren des Corridors von zwei Lakaien geöffnet und ein junger, schlanker Of­ficier schüttelte^ graziös seinen Mantel von den Schul­tern in die Hände eines dienstfertigen Pagen, und der Diener geleitete ihn, nachdem er den NamenDimitry