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Hersfeli> cr Anzelger.

Nr. SS. Hersfeld, den 15. März. 18VS.

Der „Hersfelder Anzeiger" erscheint wöchentlich zweimal, Mittwochs und Sonnabends. — Preis desselben bei der Expedition (Neumarkt Nr. 587) pro Quartal 7| Sgr. bei den Postanstalten kommt der übliche Postauf­schlag hinzu. — Anzeigen aller Art werden ausgenommen und die Zeile oder deren Raum mit 8 Heller, bei Wie­derholungen mit 6 Heller berechnet.

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Der Iraner von Gent.

Wüstem Jllustrirten Familien-Journal.)

(Fortsetzung.)

Ein guter Botenlohn für einen Brief, in dem man eine Koststelle für eine Tochter sucht! sagte er lachend vor sich hin. Aber trotz des guten Lohnes ist mir Brügge doch zu weit. Ich bin in meinen alten Tagen schlecht aus den Beinen. Ich werde ihn nicht nach Brügge bringen. Herr Jalob von Artevelde wird den Brief wohl für mich besorgen.

Am Abend desselben Tages zogen Bewaffnete nach dem Stadtviertel, wo die Fischer wohnten. Als sie zurückkehrten, hatten sie einen gebundenen Mann in ih­rer Mitte.

XII.

Das Gerücht von einer entdeckten Verschwörung ge­gen Jakob von Artevelde durchlief in hunderterlei wech­selnden Gestalten die Stadt. Jedermann wollte das allein Wahre aus bester Quelle wissen, und forschte man nach dieser Quelle, so verlor sie sich spurlos, und das Gerücht selbst zerfloß unter den prüfenden Händen.

Zugleich mit jenem schwankenden Gerücht hatte sich alur eine Nachricht reelleru Inhalts verbreitet, welche alle Bewegungsmänner und ihre Anhänger mit Stolz und Freude erfüllte: In allen Städten Flanderns hatte die von Gent erhobene Fahne der Freiheit gesiegt, und selbst in Brügge, wo die Wage am längsten geschwankt, war die Partei des Grafen Ludwig nach kurzem Wider­stände vertrieben worden. Nun waren aus allen diesen Städten Abgeordnete in Gent ei schienen, um über ge­meinschaftliche Maßregeln gegen den allgemeinen Feind, und über die neue Regierungsgewalt Flanderns zu be­rathen.

Zum Theil, weil es hieß Jakob von Artevelde werde die Städteboten in feierlicher, öffentlicher Rathssitzung empfangen, zum Theil aber auch, weil Herolde in der Stadt ausgerufen hatten, daß ein hochweiser Rath heute und so künftig allwöchentlich Klagen und Rügen öffent­lich annehmen und Recht geben werde, fand ein so leb- histes Gedränge nach dem Lckadthaufe State, daß nur

der kleinste Theil der Neugierigen in den weiten Räu­men Platz fand und die Rathsknechte Mühe hatten, ei­nige Ordnung zu halten.

Nun erschien Jakob von Ardevelde, würdevoll zwi­schen bewaffneten Trabanten einherschreitend, die ihn jubelnd empfangende Menge grüßend. Diese Trabanten waren eine neue Erscheinung; sie verdankten ihr Dasein wie man sich zuflüsterte, der geheimnißvollen Verschwö­rung ...

Artevelde nahm auf dem erhöhten Sitze im großen Rathssaale Platz, der für das Haupt der Stadt bestimmt war. Neben ihm im Halbkreise saßen die übrigen Räthe; unter ihnen Nikolaus von Warden. Die äußersten Flü- gel des Halbkreises bildeten die Ehrensitze der Städte­boten.

Kaum war die Sitzung geordnet, als eine Bewe­gung unter den Anwesenden entstand, und eine schwarz­gekleidete, verschleierte Frauengestalt sich Bahn brach, bis sie Artevelde gegenüberstand, wo sie mit den Wor­ten: Gnade für meinen Vater! in die Knie sank.

— Wer seid Ihr? fragte Artevelde überrascht.

. — Bianca die Tochter Gerhards von Leuwen.

Arteveldes Gesicht verfinsterte sich.

— Steht auf! sagte er kalt und streng. Steht aus und kniet, vor Gort! Eurem Vater soll Recht werden, Ich schwöre es bei meinem Haupte!

Bianca erhob sich langsam. Sie wagte kein Wort weiter, sondern schwankte zurück, woher sie gekommen. Man machte ihr unwillkürlich Platz. Eine Todtenstille herrschte. Draußen wartete der Unglücklichen eine alte Frau in deren Arme sie erschöpft sank.

De,r düstere Ernst war aus Arteveldes Gesicht schnell gewichen. Der Eindruck, den das Mädchen zurückgclas- fen, entging ihm nicht, und er eilte denselben schnell zu verwischen Er wendete sich an die Städteboten: der Rath von Gent sei bereit, die Botschaft ihrer lieben flandri« scheu Schwesterstädte zu hören.

Der Abgeordnete von Brügge ergriff darauf das Wort. Er schilderte beredt, wie das Volk von Brügge nach dem glorreichen Beispiele der Genter das verhaßte Joch des Grafen Ludwig von Revers abgeworfen und einen aus guten Flämingern bestehenden Rath einge­setzt habe.