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Hcrsfclbcr Anzeiger.

Rp. 19* Hersfeld, den 5. März. 1862*

DerHersfelder Anzeiger" erscheint wöchentlich zweimal, Mittwochs und Sonnabends. Preis desselben bei der Expedition (Neumarkt Nr. 587) pro Quartal 7| Sgr. bei den Postanstalten kommt der übliche Postauf­schlag hinzu. Anzeigen aller Art werden ausgenommen und die Zeile oder deren Raum mit 8 Heller, bei Wie­derholungen mit 6 Heller berechnet.

Seine Königliche Hoheit der Kurfürst haben allergnädigst geruhet:

dem Berginspector Ferdinand Schreiber in Bie­der die allerunterthänigst nachgesuchte Entlassung aus dem Kurhessischen Staatsdienste zu bewilligen,

den Ober-Stabs- undRegiments-ArztDr. Kuckro vom Artillerie-Regiment zum Leibgarde-Regiment zu versetzen;

den Stabs- und Divisions-Arzt Sackßofsky von der Garde du Corps zum Ober-Stabs- und Regi- ments-Arzt im Artillerie-Regiment und zugleich zum Garnisons-Arzt zu ernennen,

den Secondlieutenant im Leibgarde-Regiment, Prinzen Carl von Hanau, Durchlaucht, zum Ar­tillerie Regiment zu versetzen und demselben zu ag- gregircn.

Dev Wrauev von Gent.

(Aus dem Jllustrirten FamiliewJournal.)

, (Fortsetzung.)

Der Brauherr ließ Humbert rufen.

Ich habe eine schwere Pflicht übernommen, sprach er, die es mir, auf einige Zeit wenigstens, unmöglich macht, mich mit dem alten Fleiße dem Geschäft meines Hauses zu widmen. Und doch muß dieses Geschäft in seinem Flor erhalten werden, nicht nur, weil es eine Quelle des Wohlstandes für mich und die Meinen ist, sondern auch der Ehre meines Namens wegen, und viel­leicht aus noch anderen Gründen. Du bist stets mehr eur Sohn, als ein Diener dieses Hauses gewesen; Du bist in alle Geheimnisse unseres Gewerbes, durch die es sich zur Blüte emporgeschwungen, eingeweiht; so darf ich denn Deiner Treue vertrauen und Dir die Leitung der Brauerei übertragen.

- Meister rief Humbert entzückt. Ihr wollt ich soll. . .

An meiner Stelle Meister sein! unterbrach ihn Artevelde, an seiner Verwirrung sich weidend. Willst Du?

Ob ich will? entgegnete Humbert. Wenn Ihr

mir vertraut! Mein ganzes Leben für Euch, dem ich ja Alles verdanke, was ich bin und was ich kann.

Nun, nun, das ist längst abgemacht dadurch, daß Du mir bisher ein treuer Diener warst entgegnete der Brauherr. Doch freut es mich, daß Du des Dankes nicht vergißt. In Deiner künftigen Stellung bist Du ein Glied meiner engeren Hausgenossen geworden, und an meinem Tische wird ein Platz für Dich gedeckt sein. Die Knechte will ich selber mit der neuen Ordnung be­kannt machen.

Hendrick drückte seinem hülfreichen Freunde herzlich die Hand.

Humbert war im Begriff, zu gehen, wandte sich aber " | . noch einmal an Artevelde mit der Frage, was rnstHeu ' gräflichen Söldnern geschehen solle. /'V ,'i

Hatte ich doch unsere Gefangenen ganz vergessen? u versetzre der Brauherr. Wie ertragen sie ihre Gesan-' genschaft? * \ .

Aufs beste! berichtete Humbert. Sie zeigten nic^T-..... die geringste Sehnsucht nach der Freiheit.,.

Ich stelle es ihnen frei, Gent zu verlassen, oder der Stadt zu dienen; sag ihnen das!

Die Wahl wird ihnen nicht schwer fallen.

Mit der neuen Ordnung des Hauses schien selbst über Meta ein neuer Geist gekommen zu sein. Sie wartete heute nicht, bis die Glocke sie zu Tische rief, sondern waltete, nachdem sie den Vater begrüßt, neben der alten Magd als geschäftige Hausfrau, und ihr ern­stes, zurückhaltendes Wesen wich mehr und mehr weib­licher Milde und Unbefangenheit. Ihr Widerwille ge­gen den Junker schien ganz und gar geschwunden, und als bei Tische der Brauherr ein Hoch auf das verjüngte Gent ausbrachte, ließ sie mit besonderer Freundlichkeit ihren Becher an den Hendricks klingen.

Als Artevelde sich erhob und Hendrick seinem Bei­spiel als Tischgenosse folgte, flüsterte letzterer Humbert zu:

Ich habe Euer Geheimniß errathen.

Junker! versetzte der Angeredete betroffen.

Fürchtet nichts! Verschwiegenheit gegen Verschwie­genheit!

Und Vertrauen um Vertrauen! Kommt!

Er zog ihn mit sich fort.

(Fortsetzung folgt.