Hersfeld, den 19. Februar. ^ ।^
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Mr. 15»
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Der Erauer von Gent.
-(Aus dem Jllustriten Familien-Journal.)
(Fortsetzung.)
— Noch giebt es vielleicht ein Mittel der Rettung! fuhr der Rath fort.
— Welches?
— Flucht!
— Eur Graf von Flandern fliehen vor verfluchtem Gesindel ...
— Warum nicht? Würdet Jhrs für schimpflich halten, vor einem Tiger zu fliehen, der Euch den Weg verträte? Und dies wüthende Volk ist ein Tiger, ja mehr als ein Tiger! Entschließt Euch, Herr Graf! Vielleicht im nächsten Augenblicke ist auch Das zu spät.
— Ruft mir den Hauptmann! befahl der Graf; ruft mir auch Willems, den Führer der Trabanten! Verderben, Tod und Pest über diese verfluchte Stadt! knirschte er dann. Möge Gott mich am jüngsten Tage verwerfen, wenn ich den Mrräthern nicht die heutige Schmach heimzahle..
Die Gerufenen waren erschienen.
— Wie lange vermag sich der Prinzenhof zu halten, gegen die Rebellen? fragte der Graf den Hauptmann.
— Keine Stniide, wenn sie ernsthaft angreifen! war .feie Antwort. Laie sind wie Sand am Meer.
— Ist noch ein Ausgang frei?
— Es möchte wohl gelingen, durch die westliche Pforte in das Freie gu gelungen, wenn Ihr nicht zögert; versetzte der Hauptniann. Die Flut wälzt sich von Osten heran; aber jede Minute Saumniß droht Verderben.
— Eilt, eilt, rief einer der Räthe angstvoll. Um aller Heiligen willen, eilt! Sie sind am Prinzenhvfe!
Es war so. Vor dem Prinzenhofe, der Residenz des Grafe'ü, drängte sich Köpf an Köpf. Tausend Stimmen riefen nach dem Grafen, und als diese ungehört verhallten, folgten wilde Drohungen, Mrd man machte sich zum. Angriff bereit. Keine Antwort, kein -Lebenszeichen in derBurg.
— Stürmt, stürmt! Erbrecht die Thore! Macht die Zwingburg der Erde gleich! riefen die Nachdrängenden, und gewaltige Axtschläge prallten gegen das eisenbeschla-
gene Hauptthor, daß es in allen seinen Fugen krachte
und endlich dröhnend zusammenbrach. Und nun flutete die Menge über seine Trümmer, durchbrach ^as Fall- gitter, das ihnen den weiten Weg v. ^t^», uuo ergoß sich in die inneren Räuiüe. Aber d> waren menschenleer. Nirgend Widerstand; das Schloß schien von seinen Bewohnern Vetlassen. Und plötzlich verbreitete sich das Gerücht von der Flucht des Grafen . . ,
Dies Gerücht, bald von Augenzeugen bestätigt, die sich der kleinen Schaar der Treuen des Grafen vergeblich entgegengeworfen, goß nur Oel ins Feuer. War die Hauptperson der Gewalt des empörten Volkes entrückt, so wollte man sich au seinen Freunden und Helfershelfern schadlos halten, und während ein Theil den Prinzenhof plünderte und was nicht geraubt werden konnte zertrümmertes theilte sich der Hauptstrom und ergoß sich in alle Theile der Stadt, um alle Franzosen und französisch gesinnten Bürger, deren Namen als Losungsworte Einer dem Andern zurief, aus der Stadt zu vertreiben, wenn nicht — Schlimmeres.
Jakob von Artevelde, den man frei dem Sturme auf deii Prinzenhof hoch gif Rosse gesehen, hatte sich, auf die Nachricht von der Flucht des Grafen begleitet von seinen vertrautesten Freunden auf das Rathhaus begeben und den dort anwesenben städtischen Beamten verkündet, daß das Regiment des Grafen Ludwig von Revers anfgehört habe; daß die Stadt selbstherrlich geworden sei, daß aber der Rath gereinigt werden müsse von seinen volksfeindlichen Elementen. Die nachdrängenden Anhänger des Brauers brachen in Jubel aus.
— Riedes mit dem alten Rath! erschallte es. Es lebe Jakob von Artevelde, das Oberhäupt der Stadt Gent!
Der Brauer schaffte mit einem Winke der Hand Ruhe.
— Freunde, Bürger von Gent! rief er bann. Ich bin stets Mit- und für Euch gewesen, wenns die Rechte dieser Stadt gegen Willkür und Tyrannei zu vertheidigen galt, und so werde ich es auch ferner thun bis zum letzten Athemzuge. Ihr Hebt mich darum, ich weiß es, und aus Liebe zu mir wollt Ihr das Regiment der Stadt in meine Hand legen. Aber diese Hand ist, fürchte sich, zu schwäch; Ihr bürdet mir eine Last auf,