Hersfelder Anzeiger.
Str* 14. Hersfeld/ den 15, Februar. 1GBS.
Der „Hersfelder Anzeiger" erscheint wöchentlich zweimal, Mittwochs und Sonnabends. — Preis desselben bei der Expedition (Nenmarkt Nr. 587) pro Quartal 7| Sgr. bei den Postanstalten kommt der übliche Postaus- schlag hinzu. — Anzeigen aller Art werden ausgenommen und die Zeile oder deren Raum mit 8 Heller, bei Wiederholungen mit 6 Heller berechnet.
Seine Königliche Hoheit der Kurfürst haben allergnädigst geruhet:
dem Kammerherrn Legationsrath von Trott die nachgesuchte Erlaubniß zur Annahme und zum Tragen £ des von Seiner Majestät dem Könige von Preußen demselben verliehenen Kronen- Ordens dritter Klaste zu ertheilen.
Der Mrauer von Gent.
(Aus dem Jllustriten Familien-Jonrnal.)
(Fortsetzung.)
— Hat der gnädigste Herr Graf so befohlen, so unterwerfe ich mich mich gern als gehorsamer Bürger dieser Stadt. Es soll Euch kein Winkel dieses Hauses verborgen bleiben. Beliebt es Euch mir zu folgen?
Die Söldner waren fast verblüfft über diese Art und Weise des Empfanges, deren sie sich keineswegs versahen, und folgten ihm weniger stürmisch, als sie die Schwelle überschritten hatten, über Treppen und Corri- dore durch alle Räume des weitläufigen Gebäudes, bis zu dem Dache hinauf, so daß sie in der That sich überzeugt hielten: es sei ihnen nicht der geringste Fleck, wo sich ein Mensch verbergen konnte, verborgen geblieben. Aus dem Hauptgebäude führte sie Artevelde in den Hof, wo die Brau knechte, au ihrer Spitze Humbert, mit den mannigfaltigsten Instrumenten bewaffnet, entsäuern Hau- fen standen, bereit, auf den Wink des Meisters sich auf die Soldkuechte zu stürzen.
Artevelde lächelte, als er dies sah, und mit komischen Ernst rief er:
Ist Einer von Euch ein Engländer? Nicht? Ihr seht, sie sind Alle stolz darauf, gute Fläminger zu sein! Nun aber tretet hier ber^m! Hier giebt es Ecken und Löcher genug, wo sich ein Insulaner versteckt haben könnte. Sucht in den Bottichen und Pfannen I Stecht auch das Malz um, wenns Euch beliebt. Ihr erspart meinen Knechten eine Arbeit. Vielleicht ist Einer ineinMeth- faß gefallen!
— Behaltet Euren Spott für Euch! brummte der Anführer der Söldner.
— Spott? erwiederte Artevelde. Ihr nennt das Spott, wenn ich Euch guten Rath gebe? Mögt Ihr denn allein fertig werden. Aber warnen laßt Euch noch daß Ihr meinen Knechten die Arbeit nicht verderbt; der Spaß möchte ihnen sonst zu ernst werden. Wenn Ihr fertig seid, so laßt michs wissen, damit ich Euch meinen ehrerbietigen Gruß auftragen kann an den Herrn Grafen.
Er schritt über den Hof zurück, nicht eben zur friedenheit der Söldner, denen die Warnung wogender Brauknechte zn Herzen gegangen sein mochte, denn sie hielten sich bei der Durchsuchung des Brauhauses viel weniger lange auf, als dies bei gewissenhafter Erfüllung ihres Auftrages nöthig gewesen wäre. Und bald vernahmen sie mit Schrecken, daß sie für ihre Sickerbeit schon viel zu lange verweilt.
Von dem alten Thurme, der heut zu Tage leBeff- roi heißt, erschallte die Sturmglocke, und auf das allbekannte Zeichen eilten bewaffnete Bürger nach ihren Gildehäusern, strömte auf Straßen und Plätzen ein kampfbereites Volk zusammen. Und wie ein Lauffeuer durchflog die Kunde: „Die Gräflichen haben Jakob von Artevelde in seinem Hause Überfällen und verstrickt!" die Stadt bis zu ihren entferntesten Theilen, und ward überall mit dem begeisterten Rufe: „ Auf zu seiner Be< ' freiung! Nieder mit den^Gräflichen.'" empfangen. Von allen Enden zogen die Schaaren nach dem Hause des Brauers, und der geräumige Platz vor demselben war im Nu von Bewaffneten bedeckt.
Ueber das Schicksal Arteveldes verkantete noch nichts Bestimmtes- Manche wollten wissen, er sei bereits als Gefangener abgeführt, Ändere behaupteten, er werde in seinem eigenen Hause bewacht, das vom Keller bis zum First mit gräflichen Reisigen ungefüllt sei. Während man noch darüber stritt und unentschlossen Wen, durch welche Mittel man sich Gewißheit verschaffen solle erschien der Brauherr in einem Erkerfenster seines Hauses und ließ den Blick lächelnd über das woaende Meer leidenschaftlich bewegter Menschen schweifen/
Man hatte ihn kaum erblickt, als der Ruf: Vater Artevelde hoch!" erschallte, und hundert- und tausend-