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Mr. 13* Hersfeld, den 12. Februar. 1863*

^ DerHersfelder Anzeiger" erscheint wöckentlich zweimal, Mittwochs und Sonnabends. Preis desselben ^si der Expedition (Neumarkt Nr. 587) pro Quartal 71 Sgr. bei den Postanstalten koninit der übliche Postauf­schlag hinzu. Anzeigen aller Art werden ausgenommen und die Zeile oder deren Raum mit 8 Heller, bei Wie­derholungen mit 6 Heller berechnet.

Seine Königliche Hoheit der Kurfürst haben allergnädigst geruhet:

den Polizeikommissar bei der Polizei-Direktion zu Kassel Ludwig dicker zum Polizei- Jnspector zu bestellen;

den Ober-Finanz-Assessor Otto Rembe bei der Direclion der Hauptstaatskasse zum Ober-Finanzrathe zu ernennen, und dem Dom Erblandpostmeister dem Herrn Fürsten von Thurn und Taxis, zum Postverwalter in Zim- mersrode in Vorschlag gebrachten Postgehülfen David Groll aus Neustadt die allerhöchstlaudesherrliche Bestätigung zu ertheilen.

Der Wrauer von Gent.

(Aus dein Jllustriten Familien-Journal.)

(Fortsetzung.)

Hendrick folgte zögernd der Einladung, und ward die steinerne Wendelstiege hinauf über einen mit Zie­gelsteinen gepflasterten Vorplatz in ein Gemach geführt, wo Beide von einem Mädchen begrüßt wurden, das bei dem unerwarteten Anblick des Fremden flüchtig erröthete.

. Meine Tochter Bianca, sagte der Mann. Viel­leicht ist Euch der Name Gerhard von Leuwen im Hause des im Hause Eures Gastfrennves bereits genannt worden ? fügte er mit einem forschenden Blick hinzu.

Ich errinnere mich dessen nicht! antwortete Hend- rick. Auch bin ich erst kurze Zeit in Gent.

Ihr seid zu einer bewegten Zeit gekommen, fuhr Leuwen fort. Zwietracht ist eingezogen in die Gemeinde, und bie, besten Männer streiten sich, ob das Heil in Frankreich liege oder in England.

Sollte diese Frage so schwer zu entscheiden fein ?

Viele glauben es, erwiederte Jener achselzuckend. Euch hat das Schicksal freilich in ein Haus geführt, wo dergleichen Zweifel nicht zu finden sind

Und sollte es einen Zweifel geben für den Fkan- derer, der sein Vaterland liebt? rief der Jüngling warm. Soll Flandern mit dem Blute seiner Bürger den Pur»

pur färben, um den sich die Könige streiten? Flandern hat nie von Frankreichs Freundschaft Gutes erfahren.

Meint Ihr? antwortete Leuwen mit einem eigen­thümlichen Lächeln. Ihr sprecht aus der Schule eines guten Meisters. Jakob von Artevelde ist ein kluger Mann, er wird wohl Alles reiflich erwogen haben. Aber laßt uns über der Zukunft nicht die Gegenwart verges­sen. Bianca, den Willkommentrunks

Das Mädchen verschwand aus dem Zimmer, kehrte jedoch bald mit einer silbernen Platte, auf welcher zwei gefüllte Becher standen, zurück, Sie nippte von dem einen Becher und reichte ihn dann Hendrick; den andern nahm Leuwen der ihn mit den Worten: «Auf Flanderns Wohl 1" zum Munde erhov.

Je gesprächiger bee alte Mann wurde, mit je grö­ßerer Theilnahme und offenbarem Wohlgefallen Blan- cas schöne Augen auf dem jungen Gaste ruhten, um so mitteilsamer mur^e der letztere. Er erzählte aus sei­nem zwanzigjährigen Leben, was ihm des Erzählens werth schien, bis zu seiner letzten Begegnung.

Leuwen hörte mit aufmerffamer Theilnahme zu; besonders umständlich erkundigte er sich nach den beiden Engländern, nach ihrem Gebühren in Artevelves Hause, worüber Hendrick freilich weitere Auskunft nicht geben sonnte.

Mein Rath ist, fügte der alte Mann hinzu, von diesem Besuche der Engländer bei Artevelde nichts ver» lautbaren zu lassen. Ihr werdet wissen denn wem wäre es in Flandern ein Geheimniß? das Graf Ludwig den Verdacht hegt, es seien englische Unterhänd­ler im Lande, welche die Aufregung im Volke gegen ihn und Frankreich schüren. Ob dieser Verdacht gegründet ist, weiß ich nicht; gewiß ist aber, daß der Graf umso entschiedener alle nachtheiligen Einflüsse zu entfernen bemüht ist, als die französischem Herren ungeduldig auf den Abschluß des Bündnisses bringen.

Aber der Verkehr mit englischen Geschäftsfreun­den kann doch Herrn von Artevelde nicht als Verbrechen angerechnet werden?

In so stürmischer Zeit ist Alles möglich. Wollt Ihr gerecht sein, so könnt Jhrs dem Grafen am Ende nicht verargen, daß er sich seiner Feinde entledigt, auf welche Weise er vermag. ' Gott seis geklagt, daß es so