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Hersfelvcr Anzeiger.

MP. 13»

Hersfeld, den 7. Februar. L8GS.

DerHersfelder Anzeiger" erscheint wöchentlich zweimal, Mittwochs und Sonnabends. Preis desselben bei der Expedition (Neumarkt Nr. 587) pro Quartal 7^- Sgr. bei den Postanstalten kommt der übliche Postauf schlag hinzu. Anzeigen aller Art werden ausgenommen und die Zeile oder deren Raum mit 8 Heller, bei Wie derholungen mit 6 Heller berechnet.

Seine Königliche Hoheit der Kurfürst haben allergnädigst geruhet:

die erledigte Pfarrei Niederrodenbach, in der Classe Bücherthal, dem Pfarrer Christian Heinr. Fenner zu Dörnigheim zu übertragen.

Der Mrauer von Gent.

(Aus dem Jllustriten Familien-Journal.)

(Fortsetzung.)

Die nächsten Tage spannen sich in musterhafter Ordnung ab. , Meta erschien gewöhnlich bei Tische, blieb aber so einsilbig und kalt, wie sie bei ihrem er­sten Begegnen^mit Hendrick gewesen war, und verschwand, sobald das Schlußgebet gesprochen war. Zu der ge­wöhnlichen Ordnung gehörte auch der Besuch einiger Männer, die täglich um dieselbe Stunde erschienen in dasselbe. Zimmer geführt wurden, und mit demselben Glockenschtage wieder gingen. Wie man sich bei diesen Zusammenkünften die Zeit vertrieb, konnte Hendrick nicht erspähen. Dirks, der allein Zutritt hatte, ging über die Frage des jungen Mannes mit der Bemerkung leicht hinweg: es sei natürlich daß Herr Jakob von Artevelde nach vollbrachtem Tagewerk im Kreise guter greunde sich eine Erholung gönne. Uebrigens war der Brauherr nichts weniger als ein zurückgezogener Hon- derung. Er schloß sich nicht von der Außenwelt ab, schien vielmehr einen regen Verkehr mit derselben zu unterhalten, und die joviale Art und Weise, wre er oie Verhältnisse des praktischen Lebens aufzufassen pflegte, der gesunde Mutterwitz mit dem er oft die Dinge auf oen Kopf traf, zeugten von einer Anschanung, die nur m Gewühlter Öffentlichkeit erworben sein konnte. Achtung, in der Jakob von Artevelde bei fei# nen Mitbürgern stand, hatte Hendrick oft genug Gele-

um 5" überzeugen; sein Name war nicht nur jedem Center bekannt und geläufig, sonderu man sprach

selten aus, ohne eine respectvolle Anerkennung seines Trägers hinzuznfügeu. Daß der Meister dage- g bei dem Grasen und seinem Hose, sowie bei Allen,

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die es mit demselben hielten, nicht gut angeschrieben stand, war ihm ebenfalls vertraut worden; aber er hatte sich bereits früher um die öffentlichen Angelegenheiten genug bekümmert, um dies begreiflich zu finden. Die kühne und beredte Vertheidigung Der Freiheiten der Stadt gegen die Anmaßungen des Grafen, die Artevelde Wiederhol! im Rathe geführt, war in ganz Flandern mit Jubel ausgenommen und besprochen worden.

Hendrick liebte es, so viel es die Ordnung des Hauses gestattete sich in das Treiben der Oeffentlich- keit zu mischen und die Schenkstuben und Versammlungs­plätze zu besuchen, wo über die Fragen des Tages un- gescheut und freimüthig gesprochen wurde. Gewöhnlich ließ er sich bei seinen Wanderungen durch die Schelde- ftadt von dem Menschenstrome planlos forttreiben, und das Neue, das sich ihm fast bei jedem Schritte im bun­ten Wechsel bot, versetzte ihn immer mehr in staunende Bewunderung.

Eines Tages bemerkte sein scharfes Auge einen Bekannten, bem zu begegnen ihm wenig wünschenswerth erschien. Der Mann dort, der den Rock und die Far­ben eines gräflichen Soldknechtes trug, war das nicht der Räuber Willems? Wie kam der freie Fürst des Waldes in diese Tracht? Hendrick erinnerte sich gewisser Worte, die Willems von dem Grafen gesprochen aber war es denn nicht mehr als Tollkühnheit, sich öf­fentlich den Tausenden zu zeigen, unter denen vielleicht mehr als Einer die persönliche Bekanntschaft unter an* . deren Uniständen mit ihm geumcht? Und doch mußte ers sein; kein Ei konnte dem andern mehr gleichen, als jener gräfliche Söldner dem Räuberanführer! Da Hend­rick jedoch kein Verlangen trug, durch nähern Augenschein sich von der vermutheten Identität zu überzeugen, suchte er dem gerade auf ihn zusteuernden Manne auszuweichen, und dazu schien ihm ein offen stehendes Haus, bei dem er sich gerade befand, die beste Gelegenheit zu bieten. Kanin aber hatte er die Schwelle desselben überschritten, als er sich einem Manne gegenüber sah, der unmittel­bar vor ihm eingetreten sein mußte, und im Begriff war, die eiserne Gitterthür, die eine in dieoberen Räume führende Treppe absperrte, zu erschließen. Der Mann wandle das hagere Antlitz gegen ihn und fragte mürrisch:

Wer seid Ihr, und was wollt Ihr hier?