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Hcrsfel-cr Anzclger.

Np. Lb. Hersfeld, den 1. Februar. 18V2.

DerHersfelder Anzeiger" erscheint wöchentlich zweimal, Mittwochs und Sonnabends..Preis desselben bei der Expedition (Ncumarkt Nr. 587) pro Quartal 7^Sgr. bei den Postanstalten kommt der übliche Postaus­schlag hinzu. Anzeigen aller Art werden ausgenommen und die Zeile oder deren Raum mit 8 Heller, bei Wie­derholungen mit 6 Heller berechnet.

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Seine Königliche Hoheit der Kurfürst haben allergnädigst geruhet:

dem Dr. med. Philipp Arnold Heinrich Witzell von Jmmichenhain zum provisorischen Assistenz-Arzt im Artillerie-Regiment zu ernennen,

den Rechtspraktikastten Gottfried Ludwig Renner in Gildensberg zum Amts-Assessor bei dem Justiz- amte in Rinteln,

den Obergerichts - Referendar Georg Christoph H empfing in Eschwege zum Unter-Staatsproknra- tor in Rinteln und .

den Regierungs-Referendar Ernst Wehrauch zu Marburg zum Assessor bei der dasigen Polizei-Di- rection, die Beiden letzteren provisorisch zu bestellen, den Physikus für die Justizämter Cassel II und Oberkaufungen Dr. Carl Friedr. Speyer zu Cassel in den Ruhestand zu versetzen.

dem vom Erblandpostmeister, dem Herrn Fürsten von Thurn und Taxis, zum Assistenten bei dem Post­amte in Schmalkalden in Vorschlag gebrachten Post­praktikanten Julius Wilhelm Geister daselbst die allerhöchstlandesherrliche Bestätigung zu ertheilen.

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Der Mrauev von Gent.

(Aus dem Jllustriten Familien-Journal.)

(Fortsetzung.)

V.

Wie mags der Schurke noch ein Mal wagen, vor meinem Angesicht zu erscheinen! rief Graf Ludwig sei­nen: Kämmerling zu.

Ich machte ihm dies bemerklich; er aber versicherte, er bringe Euch eine wichtige Botschaft.

Eine wichtige Botschaft aus solchem Munde! ver­setzte der Graf. Doch es mag drum sein! Ich will ihn sprechen.

, Der Kämmerling ging, während der Graf sich wie ermüdet in einen Sessel warf und finster vor sich hin starrte. Nun öffnete sich wieder geräuschlos die Thür, und herein trat Willems, der Räuber, sich auf ein Knie

niederlaffend, die Arme über der Brust gekreuzt.

Du hängst noch nicht an einem flandrischen Gal­gen? fuhr der Graf ihn an.

Die Heiligen haben mich beschützt! antwortete Willems.

Keine Gotteslästerung, Schurke I versetzte der Graf. Der Teufel hat Dir Frist gegeben, das Maß Deiner Verbrechen voll zu machen. Und es ist voll, sage ich Dir, zum Ueberlaufen voll! Ich war Dir langmüthig, mehr als es, streng genommen, meine Pflicht erlaubt hätte, weil Du mir Besserung gelobtest, weil ich Dir vergelten wollte für einen gewissen Dienst aber Du hast meine Langmuth erschöpft. Du hast alle Dankbar­keit verwirkt, die ich Dir zu schulden glaubte Du bist gesunken von Stufe zu Stufe zum Straßen- räuber!

Ach, gnädigster Herr! erwiederte Willems in kla­gendem Tone. Wer vermag sich aufzulehnen gegen das sündige Fleisch? Wollt Euch gnädigst erinnern, welche Sterne meiner Geburt leuchteten. Mein Vater starb auf dem Hochgericht.

Als Verräther und Rebell! unterbrach ihn der Graf. Er erntete nur den verdienten Lohn. Dennoch erbarmte sich mein Großvater seiner Waisen, und ich, sein Nachfolger, war Dir ein gütiger Gebieter.

Bis mich das wilde Rebellenblnt trieb, anf eigene Hand mein Glück zu suchen, fuhr Willems fort. Ich suchte es freilich auf Wegen, die daß Gesetz verdammt.

Und als Du in die Hände der Gerechtigkeit fielst, schützte Dich meine Gnade vor ihrem Schwert, und ich zeigte Dir den Weg, aus Deiner Verworfenheit wieder zu Ehren zu gelangen.

Ich versuchte es, gnädigster Herr, aber Satan riß mich auf Abwege! klagte der Räuber. In meiner Verblendung sah ich nicht ein, wie viel Ihr an mir Unwürdigem gethan. Aber ich hörte darum doch nicht auf, Euch dankbar zu sem, und Eure Feinde waren auch meine Feinde.

Großen Dank für die Bnndesgenossenschaft! lachte der Graf auf. Doch darum bist Du nicht gekommen, um in einen Spiegel Deiner Sünden zu sehen. Was willst Du?

Gnädigster Herr Graf als ich vorgestern Abends