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Mp. S. Hersfeld/ den 22» Januar. L8GS.
Der „Hersfelder Anzeiger" erscheint wöchentlich zweimal, Mittwochs und Sonnabends. — Preis desselben bei der Expedition (Nenmarkt Nr. 587) pro Quartal 7| Sgr. bei den Postanstalten kommt der übliche Postaus- chlag hinzu. — Anzeigen aller Art werden ausgenommen und die Zeile oder deren Raum mit 8 Heller, bei Wie- erholungen mit 6 Heller berechnet.
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Seine Königliche Hoheit der Kurfürst haben allergnädigst gernhet:
dem Obergerichts-Director Endemann und dem Oberlandforstmeister von Lorentz das Ritterkreuz des Kurfürstlichen Wilhelmsordens zu verleihen;
den bisherigen provisorischen Violinisten bei dem Hoforchester C. Wipplinger nunmehr zum zweiten Concertmeister zu ernennen, und dem Metzgermeister Adam Joseph Schultheis zu Fulda das Prädikat „Hof-Metzger" zu ertheilen.
Der Mraner von Gent.
(Aus dem Jllustriten Familien-Journal.)
(Fortsetzung.)
— Das man mir abaezwungeu, antwortete Hend- rick. Freiwillig hätte ich nicht gewagt, Euch mit ol- chem Ansinnen zu belästigen.
— Wie Du wieder so gewissenhaft bist! lachte Arte- velde. , Ich hätte schon mit Deinem Vater abgerechnet, wenn ichs nicht für klüger gehalten den Schurken anders auszuzahlen, als mit Kronen. Uebrigens wirst Du hungrig und müde sein. So komm!
Artevelde schritt voran und führte seinen Gast durch eine andere Thür in den Hof, wo ihn das Halloh der Brauknechte empfing
— Ihr habt Eure Sache brav gemacht, Kinder! rief der Brauherr, sie grüßend. Dafür habt Ihr Rastiag für heute, und Jeder von Euch mag sich zwei Kronen bei Dirks holen.
, Lauter Jubel erscholl, während Artevelde Dirks die nöthigen Befehle gab, für die Verpflegung und die Bequemlichkeit des Junkers zu sorgen. Hendrick wurde darauf in ein kleines, nett eingerichtetes Gemach geführt, ^"" ihm Dirks als seine künftige Wohnung bezeichnete und wo der junge Miaun nächst den gewöhnlichen Uten- jilten eines bequemen Losaments einen vollständigen Anzug fand, auf den Dirks mit den Worten wiest
Sibibet Euch um. Nach einer halben Stunde romme ich wieder und sorge für Trank und Speise.
AIs Hendrick sich allein befand, war er vor Allem bemüht, sich in seiner neuen Umgebung zurecht zu finden. Er musterte zuerst das Zimmer und fand zu seiner Befriedigung nicht nur für alle Bequemlichkeiten des Körpers gesorgt, sondern auch geistige Nahrung in einer Reihe von Büchern,- größtentheils historischen Inhalts. Durch das Fenster blickend, übersah er einen sehr belebten Platz, ein Umstand, der ihn in die beste Laune versetzte. Nun erst ging er daran, sich umznkleiden, und er war saunt damit zu Stande gekommen, als Dirks wieder eintrat und ihm ankündigte, daß Herr von Artevelde ihn erwarte. Hendrick bemerkte, daß das Wesen des alten Dieners förmlicher, fast feierlich geworden war, und selbst der Umstand, daß er den Brauherrn jetzt Herr nannte, während er ihn bisher Meister' genannt, erregte seine Aufmerksamkeit in dem Grade, daß er eine scherzend fragende Bemerkung darüber machte.
— Warum findet Ihr das wunderbar? versetzte Dirks gelassen. Dort zwischen den Bottichen und Pfannen ist Herr Jakob von^Artevelde Meister, im übrigen Hause, im Rache der Stadt und im Munde der Leute ist er Herr. Den Meister streift er ab mit dem Lederschurze, und zieht den Herrn an mit dem Sammetwamms.
Hendrick ward darauf in ein geräumiges Gemach geführt, wo ein reicher Imbiß bereit stand. Außer Jakob von Artevelde, der das saubere Gewand eines vermögenden Bürgers trug, befanden sich noch drei Männer im Zimmer, unter denen Hendrick nicht ohne Verdruß die beiden Engländer erkannte, die er im „Löwen von Flandern» kennen gelernt. Der dritte war ein junger Mann, etwa in Hendricks Alter, der den Ankömmling mit Neu gier und Theilnahme betrachtete.
— Hendrick van Duyck, sagte Artevelde, seinen Gast bei der Hand fassend, sei nochmals von Herzen willkommen in diesem Hanse! Dies ist mein Sohn Philipp, der künftig Deinem Vater. meinem alten Freunde, das sein soll, was Du mir sein wirst.
Die beiden jungen Männer reichten sich die Hände.
— Die Herren hier, fuhr Artevelde lächelnd fort, kennst Dn bereits, so ich recht berichtet bin.
— Ich denke! erwiderte Hendrick in geringschätzendem Tone. Es ist nicht ihre Schuld, daß mir vergönnt ist, die Bekanntschaft zu erneuern!