Turn right 90°Turn left 90°
  
  
  
  
  
 
Download single image
 

AKSfelber Anzeiger.

Rk. 6* Hersfeld, den 18. Januar. LVG2.

DerHersfelder Anzeiger" erscheint wöchentlich zweimal, Mittwochs und Sonnabends. Preis desselben bei der Expedition (Neumarkt Nr. 587) pro Quartal 71 Sgr. bei den Postanstalten kommt der übliche Postauf- chlag hinzu. Anzeigen aller Art werden ausgenommen und die Zeile oder deren Raum mit 8 Heller, bei Wie- erholungen mit 6 Heller berechnet.

Der Mraueo von Gent.

(Aus dem Jllustriten Familien-Journal.)

(Fortsetzung.)

Einige der Brauerknechte hatten brennende Scheite vom Lagerplatz der Räuber mitgebracht, deren Flammen einen grellen Schein auf die Gruppe kräftiger Männer­gestalten warfen und sich glühend roth in ihren Waffen spiegelten.

Ist unsere Zahl voll? fragte Humbert.

Dreiundfünfzig! antwortete ein Anderer, nachdem er die Anwesenden überzahlt. Es fehlen Zweie. Holla, ho !

Hollah ho! schallte es aus den, Walde, und gleich

, 111311 älmi Männer, die einen dritten mit schleppten. Hendrick erkannte in dem Lehrern Willems. Ihr seids? fragte er.

^ sein Spiel gehabt, brummte Willems. Mags sein. Ihr könnt mich nur ein Mal hangen.

1 3he habt mir das Leben gerettet, wenn auch nur aus Eigennutz, fuhr der Junker fort, und ich möchte nicht gern Euer Schuldner sein.

. Ihr, Junker? versetzte der Räuber ungläubig lachend. -Gebt mir den Strick, aber treibt keinen Spott mit mir!

Laßt den Mann frei! gebot Hendrick.

Erlaubt, Junker, sagte der Anführer zögernd, das ist ein Befehl, der überlegt sein will. Irre ich nicht sehr, so haben wir hier den Hauptspitzbuben der Bande, und den laufen zu lassen, wäre doch eine unzeitige Groß- muth, sollte ich meinen! Was würde der Meister dazu sagen? 1 0

hat Euch Herr von Artevelde geboten?

uni jeden Preis zu befreien . . . n U ^schiehen; alles Uebrige wäre vom Uebel. Was soll Herr von Artevelde mit dem Gefan­genen machen?

Wohl wahr, aber. . .

^ber! Ich wills verantworten!

Nun denn, so lauf, Halunke, und suche Dir selbst einen passenden Galgen.

Willems erwartete keine Wiederholung des Befehls ; mit einem Satz war er im Walde verschwunden.

III.

Fröhlich und stolz auf den errungenen Sieg, zog die Schaar der Brauerknechte, ihren Schützling in der Mitte, von dannen. Auf die Straße gekommen, fand man einen Knecht des Wirths zumLöwen von Flan­dern" mit dem Roß des Junkers, welcher Letztere nun erst seines verlorenen Reisegepäcks gedachte. Der An- sührer der Brauer machte im Ernst den Vorschlag, noch ein Mal umzukehren, um den Raub zu holen. Hendrick widersetzte sich Dem jedoch, und fügte hinzu:

Ich kanus verschmerzen; ists doch nur Geld und Gut.

Der Morgen graute, als der Zug in die Nähe der Stadt Gent kam, deren Thürme und Zinnen allmälig am Horizont emporleuchteten. , Je näher man ihr aber kam, um so mehr entfaltete sich jenes Leben und We­ben, welches größere Städte zu umwogen pflegt, gleich­sam wie Wellenkreise um den in das Wasser geworfe­nen Stein.

Und nun lag sie da, die Königin Flanderns, stolz ansgebreitet, in majestätischer Schönheit, vor den trun­kenen Blicken des Junkers, der sich aus der Geschichte seines Vaterlandes all der Känipfe erinnerte, in denen Gent eine Rolle gespielt. Trotz des frühen Morgens waren die Straßen dock, schon sehr belebt und die Ca- näle und Arme des Scheldeflusses, die in zahlreichen Windungen die Stadt durchkreuzen, von Flößen und Fahrzeugen bedeckt, die einer Bevölkerung von Hundert- tausenden den Bedarf des Tages zuführten.

Wie viel hatte Humbert seinem staunenden Beglei» ter zu erklären! Hier erhob sich eine Kirche nüt schlan­ken Thürmen, die irgend eine Merkwürdigkeit in sich schloß; dort mahnte ein anderes Gebäude oder ein Denk­mal an irgend eine denkwürdige Begebenheit; und noch vieles Andere war der Beachtung werth. Nachdem mau mehre der Hunderte von Brücken, welche die sechsund­zwanzig Inseln verbinden, aus denen die Stadt liegt, überschritten, hielt man vor einem stattlichen Gebäude mit casemattenartigem Erdgeschoß, geschmückt mit Gie­beln und Erkern, einem Meisterstück altniederländischer