Hersfelder Aizeigcr.
Nr. 5* Hersfeld/ den 15. Januar. L8VS.
Der „Hersfelder Anzeiger" erscheint wöchentlich zweinial, Mittwochs und Sonnabends. — Preis desselben bei der Expedition (Neumarkt Nr. 587) pro Quartal 7| Sgr. bei den Postanstalten kommt der übliche Postaus chlag hinzu. — Anzeigen aller Art werden ausgenommen und die Zeile oder deren Raum mit 8 Heller, bei Wie- erholungen mit 6 Heller berechnet.
Verordnung
Vom 8. Januar 1862, die Auflösung der gegenwärtigen Versammlung der Abgeordneten zur zweiten Kammer der Landstände betreffend
Von Gottes Gnaden Wir Friedrich Wilhelm der 1ste, Kurfürst rc. rc.
verordnen nach Anhörung Unseres Gesammt-Staats- ministeriums, wie folgt:
Die dermalige Versammlung der Abgeordneten zur zweiten Kammer wird aufgelöst, und soll eine neue Wahl von Abgeordneten zu dieser Kammer stattfinden, deren Einberufung innerhalb der nächsten sechs Monate vom heutigen Tage an erfolgt, wonach Unser Ministerium des Innern das Nöthige verfügen wird.
Alle, welche es angehet, haben hiernach sich gebührend zu achten.
Urkundlich Unserer AÄerhöcysteigenhändigen Unterschrist und des beigedrückten Staatssiegels gegeben zu Kassel am 8. Januar 1862.
Friedrich Wilhelm. (St. S.)
Vt. Volmar.
- ——"
Seine Königliche Hoheit der Kurfürst haben allergnädigst geruhet:
den überzähligen Hauptmann im Leibgarde-Regiment, Prinzen Wilhelm von Hanau, Durchlaucht, dem genannten Regiment zu aggregiren, dem Blechschmiedmeister Heinrich Crede zu Cas- sel das Prädicat „Hof-Blechschmied" zu ertheilen.
Dev Brauer von Gent.
(Aus dem Jllustriten Familien-Journal.)
(Fortsetzung.)
— Nicht der Rede werth, versetzte Claeffens. Ein
Paar Reisige, die zum Grafen wollen — Gott segne ihn! Braucht Euch ihretwegen nicht zu bemühen.
— Ihr seid ein Schelm !-zürnte Willems. — Wolltet uns gestern auch betrügen.
— Nur meinen Hausfrieden wahren! entschuldigte sich Claessens und fügte lachend hinzu: Wußte ja wohl, daß Euch die Vögel doch nicht aus dem Garne gingen, obwohl ich nicht sagen will, daß dies nicht hätte geschehen können, wenn ich nicht gute Kameradschaft gehalten hätte.. Und Ihr habt sie wohl weidlich gerupft? Besonders die Engländer?
— Hol Euch der Teufel! brummte Willems. Gerade >sie sind uns entwischt.
— Entwischt? lächelte Jener ungläubig. Ihr spaßt wohl, wollt mich um meinen Antheil bringen —
— Ihr habt wirklich bei dem Handel nichts verdient, antwortete der Räuber; Euch verdanken wirs, daß uns die Engländer entgangen sind, ungerechnet den erlittenen Verlust —
— Und der Junker?
— Seinen Klepper könnt Ihr um billigen Preis haben.
— Ist ein gefährlich Ding das, meinte Claessens bedenklich, obwohl ich nicht sagen will, daß ich nichts wagen wollte aus alter Freundschaft. Ihr habt doch den Junker wohl verwahrt?
— Macht Euch keine Sorge um ihn! antwortete der Räuber kurz. Gebt Ihr zwanzig Kronen für das Pferd?
— Möchte kaum so viel werth sein, versetzte Claessens; doch mögen fünfzehn Kronen gelten. Wollt Ihr, so führt mir das Rößlein her.
Hendrick hätte aufspringen und den schurkischen Wirth zu Boden schlagen mögen, wenn nicht die in seine Knöchel einschneidenden Stricke, mit denen man ihn bei hereinbrechendem Abende wieder gebunden, ihn an seine tröst- und hilflose Lage erinnert hätten. Inzwischen hatte Claessens den Gefangenen entdeckt, und während Willems Befehl gab, das Roß des Junkers herbeizu- führen, näherte er sich dem Gefangenen, stolperte scheinbar über eine Wurzel, wobei er mit den leise geflüsterten Worten: „Benutzt die Nacht!" dem Junker unbemerkt ein Messer in die Hand zu drücken wußte, und