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Hcrsfel-er Anzeiger.

Ws. 4. Hersfeld, den 11. Januar. 1862>

DerHersfelder Anzeiger" erscheint wöckentlich zweimal, Mittwochs und Sonnabends. Preis desselben bei der Expedition (Neumarkt Nr. 587) pro Quartal 7| Sgr. bei den Postanstalten kommt der übliche Postaus chlag hinzu. Anzeigen aller Art werden ausgenommen und die Zeile oder deren Raum mit 8 Heller, bei Wie- rrholungen mit 6 Heller berechnet.

Der Mraner von Gent.

(Aus dem Jllustriten Familim-Journal.)

(Fortsetzung.)

Nachdem die Räuber wohl über eine Stunde Wegs zurückgelegt, kam man auf einen von wirrein Gestrüpp umgebenen und von hohen Tannen beschatteten Platz, auf welchem von Pfahlwerk und Taunenreis aufgebaute Hütten, wie sie die Kohlenbrenner zu haben pflegen, ein kleines Dorf bildeten die Residenz der mit dem bür- gerli^en Gesetz in beständigem Kriege begriffenen Horde. Einige schmutzige Weiber krochen bei der Ankunft der Räuber neugierig aus den Hütten und grinsten den jun­gen hübschen Gefangenen mit frechem Lachen an, wäh­rend eine alte Frau sich heulend über den blutenden Körper des Todten warf, den man vom Rosse losgebun- den und auf den weichen Moosgrund gelegt hatte, und die Rache des Himmels über seine Mörder herabrief.

Hendrick sah mit Schaudern diesen Ausbruch wilder Leidenschaft, und die feindseligen Blicke, mit denen er bewacht wurde, ließen ihn nichts Gutes für sein Schick­sal ahnen. Sein Lebensretter, derselbe, den wir in dem Löwen von dem Flandern" unter dem Namen Willems kennen Lernten, öffnete eigenhändig Hendricks Mantelsack tepen Inhalt bis^auf eine ziemlich straff gefüllte Börse gleichgültig bei ^eite geworfen wurde. Willems wog die Börse prüfend in seiner Hand und wandte sich dann mit der barschen Frage an den Gefangenen:

Ist das Alles, was Ihr habt?

Alles! antwortete Hendrick kurz.

Verdammt wenig! fuhr Jener fort. Da seht, an der Hand habt Ihr ein Paar blitzende Ringlein.

. Hendrick zog die Ringe schweigend ab und gab sie ^em Räuber, der sie prüfend betrachtete und dann fort- fuhr: Genügt nicht! Ihr begreift/daß Ihr uns Ersatz schuidig seid für erlittenen Verlust; könnt Ihr den nicht leisten, halten wir uns an Euer Leben. Aug um Auge, Zahn um Zahn!. Begreift Ihr das?

Machts kurz! versetzte Hendrick.

. Wie heißt Ihr?

Hendrick van Duick aus Brügge.

Habt Ihr Verwandte?

Vater und Mutter.

Ein Muttersöhnchen also! Gut! Und Eure Reise ging nach Gent, zum Brauer Jakob v. Artevelde? Gut, gut! Könnt>r schreiben?

Hendrick nickte. Willems suchte darauf unter den bei Seite geworrenen Effecten des Mantelsacks und fand darunter ein Taschenbuch, aus dem er einige Pergament- blätter riß. Nachdem er mit seinem Dolch den Strick zerschnitten, der des Jünglings Hände band, reichte er diesem die Blätter, nebst einem Griffel mit dem Befehle:

Schreibt!

Was?

Ich wills Ench dictiren: Gefangener der tapferen Männer vom Buschehabt Ihr das? Min Bnsche, bin ich dem Tode verfallen, wenn Ihr nicht mit Ablauf des dritten Tages, vom Augenblick des Empfanges die­ser Zeilen an gerechnet, tausend Kronen habt Ihr, tausend Kronen? an dem Orte nieverlegen werdet, den Euch der Bote bezeichnen wird. Jede Arglist, die Ihr etwa dabei anwenden wolltet, würde meinen augen­blicklichen Tod zur Folge haben." Und nun Euren Namen. Habt Ihr geschrieben?

Und wenn mein Vater diese Summe bezahlt, sagte Hendrick statt der. Antwort, womit verbürgt Ihr mir Leben und Freiheit?

Mit meinem Wort! versetzte der Räuber stolz. Nun aber schreibt dasselbe noch auf ein anderes Blatt.

Zu welchem Zweck?

Schreibt! gebot Willems rauh.

Hendrick gehorchte. Als er fertig war nahm ihm der Räuber die beschriebenen Blätter aus der Hand, indem er mit höhnischem Lachen sagte:

Ich wills Eurem Vater nicht zu schwer machen, und barmn soll Herr von Artevelde die Hälste der zweitausend Kronen tragen, auf die wir Ener Leben schätzen. So könnt ich Euch sagen, und Ihr müßtet mir glauben. Die Wahrheit aber ist, daß ich Euren Vater nicht kenne; den reichen Brauer von Gent aber kenne ich und weiß, daß er zahlen kann und wird, wen» er will. _ , , ,

Wenn er aber nicht will? wandle Hendrick ein.

Wir werden sehen k

Mein Vater wird Euch das Geld senden.