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^r> 2. HerSfeld, den 4. Januar. 1862
Der „Hersfelder Anzeiger" erscheint wöckentlich zweimal, Mittwochs und Sonnabends, — Preis desselben bei der Expedition (Neumarkt Nr, 587) pro Quartal 71 Sgr. bei den Postanstalten kommt der übliche Postaus chlag hinzu. — Anzeigen aller Art werden ausgenommen und die Zeile oder deren Raum mit 8 Hiller, bei Wie- erholungen mit 6 Heller berechnet.
Seine Königliche Hoheit der Kurfürst Haben allergnädigst geruhet:
den Obergerichtsrath Dr. Marcus Jäger in Fulda zum Geheimen Justizrath zu ernennen, und
den RechtspracticantenJulius Klüppel in Carls- Hafen zum Decretar bei dem Criminalgericht in Ro- teudürg provisorisch zu bestellen,
die überzähligen Secondlientenants von Loß- berg vom 1. Infanterie-Regiment (Kurfürst) und Gissot vom Schützen-Bataillon, in den Etat etn- rücken zu lassen,
den von den: Erblandpostmeister, dem Herrn Fürsten von Thurm und Taxis, zu Secretairen bei dem Ober Postamte zu Kassel in Vorschlag gebrachten seitherigen Postassistenten Hermann Rommel zu Kassel und Ernst Wagner zu Marburg, sowie
dem ebenso zürn Postverwalter in Neuhof in Vorschlag gebrachten Posthalter Damian Hanrbach,daselbst die allerhöchstlandesherrliche Bestätigung zu ertheilen; sodann
den Referendar Wilhelm Rang zu Cassel zum Ober:Finanz Assessor und Milgliede der Oberzoll- direction provisorisch zu ernennen, und
den Ober-Steuer-Director August Freiherrn von Haustein-Kn orr zu Kassel auf sein allerunter- thäuigstes Nachsuchen in den Ruhestand zu versetzen.
Wer Grauer von Gent.
(Aus dem Jllustriten Familien-Journal.)
(Fortsetzung.)
Ich bin dessen allerdings nicht gewöhnt, sagte er. Wilms hatte das zu besorgen; aber ich habe den alten Narren zurückgeschickt, weil — nun das gehört nicht hierher.
_— Konnte mirs denken, nickte der Wirth. Aber verzeiht, wenn ich neugierig scheine, was ich durchaus nicht bin. Ihr habt vorhin einen Namen genannt, der mir wohl bekannt ist. Kennt Ihr Herrn Jakob von Arte- velde?
— Ich hoffe ihn kennen zu lernen, wenn mich Gott und seine Heiligen glücklich nach Gent geleiten, versetzte der Reisende. Ich wende Eure Frage um: Kennt Ihr Herrn Jakob von Artevelde?
— Welcher Fläminger sollte den reichen Brauer von Gent nicht kennen! erwiederte Claessens. Das ist ein Mann, wie sie nicht auf allen Wegen gefunden werden, und Ihr könnt ganz Flandern durchreisen, ehe Ihr Einen findet, ders ihm gleich thut.
— Meint Ihr wegen des Reichthums? fragte Jener.
— Nicht gerade. Wegen des Reichthums mag sich wohl Mancher mit Jakob von Artevelde messen, aber nicht an Verstand und Ansehen. Was er redet, klingt wie eitel Lpaß und hat doch Hand und Fuß, und so viel gilt der erlauchte Gbaf — Gott segne ihn — in Gent selbst nicht, als Herr Jakob von Artevelde, der doch' nur ein Brauer ist. Ich meine sicher, er könnte selbst Graf von Flandern sein, wenn er wollte.
— Was Ench betrifft, so habt Ihr wohl Geschäfte mit ihm?
— Geschäfte, die mich hoffen lassen, mehr als einen Scheffel Salz mit ihm zu essen, entgegnete der junge Reisenbe lächelnd. Ich werde sein Hausgenosse, wenn Ihr wollt sein Sohn sein.
— Dann werdet Ihr bei schicklicher Gelegenheit des „Löwen von Flandern" in Gnaden gedenken! bat Claessens. Wie jedem Flämiuger, ist mir viel an Herrn von Arteveldes guter Meinung gelegen.
— Verlaßt Euch drauf, ich werd Euch gut im Gedächtniß behalten, wenn das Buch der Vorrede entspricht, ich meine, der Imbiß dem Weine.
Auf diese Erinnerung entfernte sich Claessens, und bal o war der Tisch, au dein der Fremde saß, mit schneeweißem Linnen gedeckt, und ein Imbiß von gebratenem Geflügel, Fisch und goldgelbem Käse duftete verlockend durch das Zimmer. Der junge Reisende ließ sichs wak- ker schmecken und meinte, der Inhalt des Buchs über- treffe fast noch die Vorrede.
Claessens schmunzelte über das Kompliment, das seiner Küche allerdings auf Kosten seines Kellers gemalt ward, und eilte zu feinen beiden anderen Gästen, die durch ein Klappern mit dem zinnernen Deckel der Kanne zu verstehen gaben, daß diese leer sei und von Neuem