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Rv. 103* Hersfeld/ den 28. December. 1861
Mmerikanifche Zustände.
(Aus den Frankfurter Familicublättern.)
(Schluß.)
Unsere Hausfrauen wird die Schilterung einer Dienstbotenaufnahmsscene amusiren. „Ich begab mich in ein Nachweisungsbureau, das mir besonders angerühmt worden war. „Ich wünsche ein Mädchen" re. dete ich die Besitzerin des Bureaus an, „und cha Sie Madame in dem" Rufe stehen, die besten Mädchen der Stadt zu haben, so bin ich so frei, Sie um Ihre Vermittlung zu bitten." — „So wer hat Sie denn herge- schickt, Sär?" — „Der Wirth zum Elephanten." -^ „Ja so! Nun freilich, ich habe dem Elephanten schon manches Mädchen geliefert, — aber es bleibt kein or- dentliches Mädchen in dem Hanse — wissen Sie, die Kost ist gar zu schlecht — nur zweimal des TageS Fleisch — Mittags und Abends, wissen Luc — und dann Sonntags den Trouble — und das Geschimps, wenn ein Liebhaber einmal auf Besuch kommt — und Sie wissen ja, so ein armes Mädchen hat auch seine Gefühle — und der Elephant verletzt die Gefühle von den Mädchen so!" — „Wirklich?" — „Was ich Ihnen sage! Da habe ich ein Mädchen, es ist eine Preußin, wissen Sie—sauber und reinlich, hält etwas auf ihre Person und versteht ihren Dienst — nä, so ein Mädchen — ich kann es Ihnen gar nicht sagen. Na und was meinen Sie, wie lange die beim Elephanten geblieben ist? Drei Tage und dann ist sie sortgegangen. — Was wollten Sie denn haben? Eine Köchin? Ein Stubenmädchen? oder ein Mädchen für Alles?» — „Ein Mädchen für Alles — sittsam, reinlich, ehrlich, nicht dumm, willig — mit einem Worte ein braves nettes Mädchen. Jäheit Sie wohl solch ein Mädchen bet der Hand?» — „Ich habe von allen Sorten wollen Sie nur einen Augenblick gefälligst Platz nehmen." — Die Madame entfernte sich, kehrte aber gleich darauf mit Mädchen zurück. Drei dicke, vollblütige rolharmige Mecklenburgeiinen, denen man noch den Kuhstall ansah, standen in Reifröcken, Tüllkleidern, durchbrochenen weißen Strümpfen, und sein gewirkten Handschuhen vor mir. Ein Duft von Moschus, Vanille, Ean de nulle Fleurs und Eau de Eologne wehte Mir entgegen. In Deutschland ist es rSiti^ daß die Herrschaft sich nach den Eigenschaften der Dienstboten erkundigt; in diesem gesegneten Lande ist die Sache umgekehrt — hier erkundigt sich der Dienstbote nech den Eigenschaften des „Masters."
„Sind Sie verheirathet?" fragte mich die größte
der drei Grazien, ein wahrer Dragoner im Reifrocke. — „Jawohl, Ihnen zu dienen," antwortete ich höflichst. — „Wie viel Kinder haben Sie?' — „Noch gar keine." — „Wie ist die Frau? Ist sie streng? Kommt sie viel in die Küche?" — „Nein, sie ist ein Muster von Güte und Nachsicht." — „Ist sie eigen mit dem Ausgehen?" — „Eigen mit dem Ausgeheu ? Wie verstehen Sie das?" „Nun ich meine ob man gleich nach Tisch fortgehen und bis zum Abendbrod wegbleiben kann? Habt Ihr Sonntags warmes Essen?" — „Ich glaube schwerlich, daß wir uns verständigen würden," sagte ich in ziemlicv gereiztem Tone. — „Wieviel Lohn gebt Ihr?" fragte die Grazie Nummer-zwei.—- „Acht Dollars im Monat." — „Das ist nichts für mich, da hätte ich in Deutschland bleiben können," erwiederte die Dame und drehte mir schnippisch den Rücken zu. — „Habt Ihr alle Tage frisch Fleisch?" fragte jetzt Grazie Nummer drei. „Ist mir der Lohn auch sicher? Habt Ihr Geld auf der Bank? Wer wäscht für Euch?" — „Schon gut," fiel ich ein — „ich danke Ihnen, Madame! Wenn täte keine andere Mädchen haben, dann werde ich mich wo anders erkundigen." — „Doch, doch, ich habe noch mehr — fahren Sie doch nicht gleich so auf, Sär, wir sind hier nicht in Deutschland — hier ist free Country, wo ein armes Dienstmädchen auch sein Recht hat — vielleicht wollen Sie etwas Feines? Da habe ich eine junge Wittwe mit einem Kinde an der Brust — ist eine saubere Frau und näht wunderschön. Es ist auch eine Wiener Köchin hier, die will aber fünfzehn Dollars im Monat, und schafft nicht Länger, als bis zum Mittag ; da muß die Frau selber aufwaschen und Stuben rein kehren." — „Das ist aber alles nichts für mich. Ich will ein ordentliches deutsches Mädchen haben, das die Arbeit im Hause verrichtet, gerade wie sie es in Deutschland gethan hat." — „Ja, wenn Sie das gleich gesagt hätten — die gibts hier nicht, Sär — wissen Sie, hier ist Alles anders — Sie möchten so eine, die die Arbeit thut, damit die Frau nichts zu thun braucht — no, Sär — das kennt man hier in Amerika nicht. Das Mädchen ißt und trinkt mit der Herrschaft, sitzt im Sopha, wiegt sich i n Schaukelstnhl, geht in Gesellschaft, und überläßt der Hausfrau die groben Arbeiten, wissen Sie — deshalb sind wir ja in Amerika. Oder glauben Sie, daß die armen Leute hier auch Sclaven sind, wie die Schwarzen? Nä, nä! Gott sei Danl, Sär, hier ist ein freies Land, Sär! Und wenn Sie heute auch Geld haben, so haben Sie vielleicht morgen keins, und dann können Sie vielleicht selbst einen Dienst suchen! Soll ich Ihnen meines Mannes Karte geben, Sär?