$ er $ selber Anzeiger.
Mp. IOO> Hersfeld/ den 18. December. 1861*
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Ausschreiben des Ministeriums des Innern vom 14. December 1861, die Wiedereröffnung der Sitzungen des Landtags betreffend.
Nachdem Seine Königliche Hoheit der Kurfürst alergnädigst verordnet haben, die am 2- Juli d. J. vertagte erste Kammer der Landstäude, sowie die nach dem Ausschreiben des Ministeriums des Innern vom 2. November d. I. neugewählte zweite Kammer der Landstänve auf den 30. d. M. hierher einzuberufen; so wird solches zur Nachachtung für Jeden, den es an- geht, hierdurch bekannt gemacht.
Kassel, am 14. December 1861.
Kurfürst lich es Ministerium des Innern.
Volmar.
Vt. Hildebrandt.
Eine pikante Geschichte
erregt jetzt in den berliner Kreisen großes Aufsehen. Sie lautet also: Eine junge, sehr vornehme Dame, welche in den glücklichsten Verhältnissen lebt, benutzte die Abwesenheit ihres Mannes, um sein Zimmer in Ordnung zu bringen. Trotz ihrer hohen Geburt und ihres Ranges verschmähte sie es nicht, bei solchen Gelegenheiten selbst Hand anzulegen und mit einem zierlichechFederbesen be- »affnet, den von der Dienerschaft noch zurückgelassenen Staub von den Palysandermöbeln abzustäuben. Vorzüglicher Sorgfalt erfreute sich in dieser Beziehung der Schreibsecretär des Gatten, der seine Correspondeuzen, Documente und kleinen Geheimnisse verbarg, und vielleicht deshalb eine große Anziehungskraft auf die, wie man behauptet, gleich ihrer Mutter zur Eifersucht geneigte, junge Frau ausübte. Unmöglich konnte sie der Versuchungwiderstehen, als sie eines Tags den Secretär unverschlossen fand, eine kleine Rundschau vorzunehmen. Fächer und Schubladen wurden hervorgezogen und einer
genauen Musterung unterworfen, die jedoch' durchaus nichts Verdächtiges entdecken ließ. Zufällig berührte bei dieser Untersuchung ihre Hand eine verborgene Feder, und ein geheimes Fach that sich von selbst auf, ein Schmuckkästchen reizte ihre Neugierde, sie öffnete dasselbe und das herrlichste Halsband von Gold und Brillanten, welche die kostbarsten antiken Gemmen einfaßten, strahlte ihr entgegen. Ein leiser Schrei der Ueberraschung entschlüpfte den schönen Lippen, während ihr Herz hoch vor Freude schlug. Sie zweifelte keinen Augenblick, daß der Schmuck für sie bestimmt sei, da gerade damals ein glänzendes Fest die ganze Residenz in Aufregung setzte. In solch freudiger Voraussetzung legte sie den Schmuck in das geheime Fach zurück und entfernte sich leise voll Entzücken über die herrliche Entdeckung. Indeß der Tag verging und auch bar nächste, ohne daß der Gatte Anstalt machte, ihr das ersehnte Halsband zu überreichen. Der Morgen des Ballfestes brach an, aber der schmuck wollte noch immer nicht erscheinen, der Abend kam, aber weder Gemmen noch Brillanten zeigten sich— „Also vielleicht zu meinem Geburtstage!" tröstete sich die junge Frau, obwohl sie ein wenig das zierliche Köpfchen hängen ließ; da sie sich so sehr auf den Schmuck gefreut hatte und bis zu ihrem Geburtstage noch lange Zeit warten mußte. — Etwas verstimmt fuhr sie zu dem glänzenden Feste das ganz geeignet war, sie zu zerstreuen. In den fürstlichen Sälen drängte sich die Elite der Gesellschaft, die elegantesten Herren in goldgestickter Uniform, die feinsten Damen in strahlenden Toiletten. Während die junge Frau ihre Blicke über den glänzenden Kreis schweifen ließ, wurde sie plötzlich von einem Schwindel erfaßt, ihre Wangen erbleich- teu, ein leises Zittern ergriff die zierliche Gestalt; sie mußte sich au dem Sessel festhalten, um nicht zu fallen. Etwas Furchtbares war geschehen: sie hatte den Halsschmuck, den sie für sich selbst bestimmt glaubte, an dem Nacken einer anderen Dame gesehen. Von den Qualen der Eifersucht, von dem Schmerz betrogener Liebe erfaßt, stürzte sie aus bem Saale und verlangte sogleich nach