Hcrsfel-er Anzeiger.
Ne. S^. Hersfeld, den 7. December. L8G1.
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Seine Königliche Hoheit der Kurfürst haben allergnädigst geruhet:
den Obeigendarm bei der Garde-Gendarmerie, Anton Peter Bernhard aus Mackenzell, zum Kas- sendieuer bei der Direction der Hauptstaatskasse 1 provisorisch zu ernennen,
dem Generalstabsarzt der Armee Dr. Schi er das i Kommandeurkreuz zweiter .Klasse und dem Stabs, und Divisionsarzt^Sacksofsky von der Garde du Corps, sowie dem >Ltabs- und Bataillonsarzt König vom 1 ften Infanterie-Regiment (Kurfürst) die vierte Klasse des Kurfürstlichen Wilhelmsordens zu verleihen.
Ein Zweikampf auf dem Schlachtfelds.
Erzählt von einem Veteranen.
(Fortsetzung.)
Als allmälig der Morgen anbrach, bedeckte ein dichter Nebel die Felder; wir formirten eine Plänklerkette, die ein blutjunger Lieutenant, v. Roggenstein, befehligte. Ich selbst als Oberlieutenant bildete den Sontien. AIs ich, der ich weiter vorgeritten war, aber sah, wie der junge, unerfahrene Mann plötzlich zum Sammeln blasen ließ und im Nebel verschwand, ritt ich schnell zu nieb uem Rittmeister v. Hornberg zurück, einem großen Lebe- mann, der wenig vom Kriegswesen verstand und mir ziemliche Machtvollkommenheit überließ, ihm zurufend: „Ich will dem Lieutenant Roggenstein nachfolgen, der junge Mann geht uns sonst sammt seinen Leuten verloren; unterstütze tu mich nur zur rechten Zeit, wenn es auch mir schlimm ergehen sollte, mit deiner Schwadron I"
Ich rückte nun m den: schweren Boden durchs hindernde Getreide im Trab vor. Gleich darauf kam mir eine Ordonnanz auf einem Rappen, der schon ganz von weißen: Schaum bereist war, entgegen, welche rief: „Herr Oberlieutenant, kommen Sie zu Hülfe, der Herr Lieutenant wird gefangen und seine Leute mit ihm,"
Ich kommandirte „Galopp, MarschI" und kam gerade an, als Roggenstein sich vom Boden erhoben und von feindlichen reitenden Jägern des 7. Chasseur - Regiments umringt war.
„Marsch, Marsch!" ertönte mein Kommando, und im nächsten Augenblick flogen unsere Klingen auf die Bärenmützen der Chasseure.
„Mach" so schnell als möglich, daß du auf ein Pferd kommst I" rief ich dem verblüfft dastehenden Roggenstein zu. „Laß einen Unterosficier absitzen, ich halte so lange fest, bis du wieder beritten bist," fügte ich schnell hinzu und stürmte mit meinem Zuge den Chasseuren nach. Jetzt stieß ich aber auf den Sout en der Chasseure: bärtige, durch den Krieg abgehärtete, wettergebräunte Gestalten, angeführt von einem hochgewachsenen Ritt- meifler; es war dies der frische Rest der Compagnie b’elite, deren einen Zug ich soeben geworfen hatte. Bei meinem Zuge dagegen waren die Pferde schon athemlos, die Reiter in der Verfolgung etwas auseinander gekommen, mein Rittmeister war mir wahrscheinlich auch nicht gefolgt; es wäre also Thorheit gewesen, in solcher Verfassung anzugreisen. Ich ließ daher noch bei Zeit zum Rückzug blasen. Als ich endlich auf meinen Rittmeister stieß, rief ich ihm zu: „Gieb mir schnell einen andern Zug! Der meine ist erschöpft; es wird heute Späne absetzen!"
„Nimm dir ihn!" war die Antwort Hornberg's wobei er kokett den Schnurrbart strich, aber sonst kein Kommando gab und nichts anordnete.
Ich ritt nun wieder mit diesem neuen Zuge vor. Die Chasseure aber hatten indessen eine Plänklerkette gebildet. Ich formirte ebenfalls eine solche. Es wurde viel Pulver nnnöthig verknallt, ohne ein Resultat ^n erzielen, wie dies in solchem Falle immer geschieht, va zu Pwrde, wie Sie wissen, der Schuß sehr unsicher ist.
Während dieser Zeit ließ sich fortwährend auf unserm rechten Flügel nach rückwärts Kleingewehrfeuer mit Kanonenschlägen untermischt hören. Unsere Schwadron war, wie ich glaube Ihnen schon erzählt zu haben, in der linken Flanke längs des Suffelbaches vordetaschirt worden. Der eigentliche Angriff der Franzosen aber galt der Division Mazzuchelli, welche ohne die schnelle Flankenbewegung der badischen Truppen gegen die rechte