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9tr* SS. Hersfeld, den 4. December. L««L»
Der ^Hersfelder Anzeiger" erffeint wöchentlich zweimal, Mittwochs und Sonnabends. — Preis desselben bei der Expedition (Neumarkt Nr 587) pro Quartal 7| Sgr., bei den Postanstalten kommt der übliche Postaufschlag hinzu. — Anzeigen aller Art werden ausgenommen und die Zeile oder deren Raum mit 8 Heller, bei Wiederholungen mit 6 Heller berechnet.
Seine Königliche Hoheit der Kurfürst
’$n alleranWgst geruhet:
^'^lU-Mechtsprakrikanten Gottfried F l o h r in Ei. terfelv zum Untergerichts-Anwalt für die Jußizämter zu Hanan, Meerholz, Gelnhausen, Windecken und Langenselbold, mit dem Wohnsitze am letztgenannte^ Orte, sowie
die Rechtspraktikante» Friedrich Eckhard Ucker- mann , dermalen in Rotenburg, und Julius Bur. Henne in Rosenthal, zu Untergerichts Anwälten für die Justizämter Schmalkalben, Steinbach-Hallenberg, Herrenbreituuge» und Brotterode mit dem Wohnsitze in Schmalkalden, zu bestellen,
den disponibel» Landmesser Johann Augnst Kaupelt zu Cassel zum technischen Vorstände des Bü- reaus der allgemeinen Landesvermessung zu bestelle».
M» Zweikampf anf dem SchLachtfeLÄe.
Erzählt von einem Veteranen.
Da die von Kriegsmänner» der Napoleon'schen Zeit erzählten Episoden immer seltener werden, aus dem einfache» Gnmde, weil Einer derselben nach dem Ander» eingesargt wird, so wollen wir eine erst kürzlich aus dem Munde eines tüchtigen Veteranen vernommene hier schlicht und wahrheitsgetreu der Oeffentlichkeit übergeben, wobei wir jedoch, da wir feine Einwilligung dazu nicht nachgesucht habe», eine Aenderung der Namen vornehmen müßen.
Jüngst an einem Abende bei Pfeife und Bier fragte ich nämlich diesen Veteranen, unter dem ich selbst zwanzig Jahre lang gedient hatte und wobei ich dessen bie- deren und wahrheitsliebenden Charakter hoch schätzen lernte, ob es wahr sei, was ich von einem seiner Kriegskameraden vernommen, daß er beim Ausfall der Fran- zoseil am 9. Juli 1815 aus Straßburg einen französische» Offizier bis in die Nähe des Festungsthores verfolgt uno mit flacher Klinge durchgefuchtelt habe?
»Nein," antwortete er, „da hat man Sie falsch berich
tet ! Einen Zweikampf aber habe ich mit einem französischen Offizier bestanden, und dies mag den Grund zu jenem falschen Gerüchte gebildet haben. Ich erzähle den Borfall zwar nicht gern," setzte er mit Bescheidenheit hinzu, weil ich das Herausstreichen der eigenen Person nicht liebe, und Sie werden sich auch während unseres langen Beisammenseins nicht erinnern, daß ich Ihnen die Sache je erzählt habe; aber Ihnen als altem Regiments-Kameraden will ich jetzt, weil Sie dieselbe berührt haben, den wahren Hergang schon mittheilen; dock warten Sie gefälligst nur einen Augenblick, bis ich mir eine neue Pfeife angezündet habe."
Nachdem die Pfeife bräunte und er sich wieder zu mir gesetzt, begann er folgende Erzählung:
Sie werden wohl wissen, daß im Anfang des Juli 1815 das zweite Armeekorps des Generals der Cavallerie Fürsten von Hohenzollern- Hechingen das dritte Armee- korps des Kronprinzen von Württemberg in der Blokade von Straßburg ablöste. Mit diesem ersten Korps kam auch unser badisches Korps unter General v. Schäffer zur Blokade. Die Hauptmasse unserer Infanterie stand in Bivouaks vor dem Abhänge der mit Reben bepflanzte» Höhe, welche sich von Mundolsheim gegen Ober- bausbergen hinzieht. Rechts derselben die österreichische Division Mazzuchelli, die badische Reiterei aber mit dem Dragoner-Regiment Freystedt, bei dem ich/ diente, dem Dragoner-Regiment Geusau und zwei Schwadronen Garde du Corps biDouatirte vor Mundolsheim; vier Geschütze reitender Artillerie auf dem rechten Flügel.
In der Nacht auf den 9. Juli hatte mir geträumt, ich rücke auf Feldwache aus, der Kampf entspinne sich und ich würde schwer verwundet.
Ich will doch sehen, ob das Tramngcsicht gelogen hat, sagte ich zu mir selbst, denn wenn dies der Fall ist, d. h., wenn ich erprobt haben werde,^ daß es nur Chimäre war, so tverde ich künftighin mich von solchen Hirngespinsten nicht mehr beunruhigen lassen und mit gleichem Muthe wie an an andern Tagen ins Gefecht gehen. Dies gedacht, stand ich anf und begab mich vollständig ausgerüstet auf meinem Chocoladefuchsen — (oh! es war ein herrliches Thierchen! wendsam wie ein Kreisel und auf den leichtesten Wadendruck nachgiebig wie die Tasten eines Klaviers!) — auf den Platz, wo