Der „HersfÄver. Anzeiger^jW'ein^Kchenttich zweimal, Mittwochs und Sonnabend. — Preis desselben bei der ExpeditionWeumarkt Nr 5^7) M Quartal 7^ Sgr., bei den Postanstalten kommt der übliche Postaufschlag hinzu. — Anzeigen aller Art werden ausgenommen und die Zeile oder deren Raum mit 8 Heller, bei Wiederholungen mit 6 Heller berechnet.
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(Fortsetzung.)
Schon am Nachmittage schickte der Großherzog von Berg einen Parlamentär in die Festung, um sie zur Uebergabe aufzufordern, Der Kommandant rief einen Kriegsrath ziisiMM^än welchem die ersten Generäle, welche sich in der Stadt befanden, Theil nahmen. Die schmachvollste Furcht beherrschte ihre Gemüther, sie schützten die vielen Verwundeten vor, welche sich in der Stadt befanden, hielten die Festung zu schwach besetzt, obschon sie an zehntausend kampffähige Mann in sich barg, und kein Einziger im Kriegsrathe besaß Muth genug, eine Uebergabe mit Entschlossenheit und Verachtung zurück- zuweisen und die Andern an ihre Pflicht und Ehre zu erinnern, welche ihnen gebot, die Festung bis auf das Aeußerste zu vertheidigen. Der Kommandant stimmte zuerst für die Uebergabe, und Alle sannen nur darauf, die günstigsten Bedingungen zu erhalten.
Der sranwsische Oberst Preval war als Parlamen- tär in die Stadt geschickt unb' er selbst war erstaunt, als er die Mittheilung erhielt, daß die Festung kapitu- ren wollte. Die Verwirrung und Muthlofigkeit hatte einen so hohen Grad erreicht, daß er sogar, was nirgends Sitte war, mit unverbundenen Augen durch die Stadt auf die Citadelle geführt wurde. Er hatte Gelegenheit genug gehabt, sich auf diesem Gange von der Stärke der Festung zu überzeugen. Er erhielt die Bedingungen, unter denen die Festung sich übergeben wollte, und da er nicht Vollmacht besaß, dieselben zu genehmigen und zu unterschreiben, kehrte er mit denselben zu dem Großherzog von Berg zurück, um ihm dieselben vorzulegen.
In der Eile des Kriegsraths hatte man folgende Haupipunkte als Bedingungen aufgesetzt:
1) Die Besatzung solle am 17. Oktober mit allen Kriegsehren, mit Waffen, Effekten und Gepäck, die Ba- tailloasstücke, Feldbatterien, Bäckerei und Armeetrain mit eingeschlossen, ausziehen. Sie soll mit klingendem Spiel, fliegenden Fahnen und brennenden Lunten nach Halle marschiren.
2) Die verwundeten Offiziere, Unrerosfizicre und Soldaten, welche sich in der Stadt befinden, sollen unter dem ersten Artikel mit Inbegriffen fein. Die Trans-
portirungs Unfähigen bleiben auf Kosten Sr. preußischen Majestät zurück; sobald sie geheilt sind, kehren sie mit Pässen zu ihren Korps zurück.
3) Um die Mittagszeit des folgenden Tages solle das Johannisthor übergeben werden und von außen besetzt werden, am innern Thor indeß so lange preußische Wache bleiben, als preußische Besatzung in der Festung sei.
4) Da die Effekten der zur Besatzung gehörenden Personen nicht sofort fortgeschafft werden konnten, so solle ein Termin von drei Monaten dafür anberaumt werden.
In ängstlicher Erwartung harrte der Kommandant und der Kriegsrath der Wiederkehr und der Antwort des Großherzogs von Berg. In der Festung hatte sich unter den Soldaten das Gerücht, daß die Festung übergeben werden solle. verbreitet und bei den meisten den größten Unwillen hervorgerufen. Eine Anzahl Soldaten eilte sogar vor das Thor der Citadelle, um von dem Kommandant eine Erklärung zu verlangen und ihm die Erklärung zu übergeben, daß sie sich in eine so schmachvolle Kapitulation nicht fügen würden. In die Citadelle selbst wurden sie nicht eingelassen.
Es war Abend geworden, als der Oberst Hippolyt Preval mit dem Bescheid des Großherzogs und der Vollmacht zur Unterschreibung der Kapitulation in die Stadt zurückkehrte. Ganz im Stillen, um den Soldaten das Vorhaben zu verheimlichen, wurde er auf die Citadelle geführt. Der Kriegsrath wurde auf's Neue versammelt. Der Großherzog von Berg hatte aus der Muthlofigkeit seiner Feinde erkannt, daß er Alles von ihnen verlangen könne, und hatte die Bedingungen der Uebergabe verschärft. Die Thore der Festung sollten sogleich für die französischen Truppen geöffnet werden, und schon am Mittag des folgender! Tages, am 16. Oktober, sollte die Besatzung mit Waffen, Gepäck, fliegenden Fahnen und den Bataillonskanonen ausziehen, aber auf dem Glayis der Festung die Waffen nieder- legen und kriegsgeiangen bleiben. Die Offiziere sollten ihre Degen und Gepäck behalten, nach Preußen zurück« kehren, indeß ihr Wort geben, bis zur Auswechselung nickt zu dienen. Transportmittel für sie und ihr Gepäck sollten ihnen verschafft werden. Die verwundeten