Hcrsfcl-er A»zelger.
Wr> SS. Hersfeld, den 13. November. 1861*
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Eine WildHesSsgeschichte.
Mitgetheilt von Adolf Beneke.
(Schluß.)
Kaum war er verschwunden, als das Antlitz der Dirne ein ganz anderes Aussehen bekam. Verächtlich schaute sie ihm nach, und höhnisch sagte sie dann:
„Der Jammerlapp', der Lump, der eifersüchtige Narr! Es wird wirklich hohe Zeit, daß ich ihn los werde. Die Geschieht' wird mir doch zu langweilig. Und jetzt umsomehr, da er an die Hochzeit mit mir denkt. Ich den heirathen! Danke schön für die Hungerei. Zieh' doch den Förster vor. Aber was mag's mit dem und mit der Rösel für 'ne Bewandniß haben? Pah, was gehts mich an, wenn das dumme Ding sich von ihm hat bethören lassen? Und wenn ich den Förster nur erst zum Manne hab' will ich ihn schon im Zaum halten. Doch das kann nicht eher geschehen, als bis ich den andern Jammerlapp' los bin? Wie fang' ich's nur an?"
Sie sann eine Weile nack; dann erhellten sich ihre Züge Plötzlich, und freudig sagte sie: „Ich hab's."
Nachdem sie hierauf Feder. Dinte und Papier aus einem in der Stube stehenden Schranke genommen, schrieb sie:
„Wenn der Herr Förster den kühnsten und verwegensten Wilderer fangen will, so gehe er in der nächsten Nacht in den alten Eichenkamp."
Als das Mädchen die Zeilen noch einmal übergelesen, faltete sie das Blatt, schloß es und schrieb hierauf die Adresse: „an den Herrn Förster Detlefs."
„So," sagte sie dann, „das werde ich nachher unbemerkt auf ein Fenstersims des Forsthauses legen, und wenn der Förster in der nächsten Nacht den eifersüchtigen Patron faßt, so bin ich diesen auf einige Zeit, mindestens auf ein Jahr, los, und in einem Jahre kann viel geschehen."
Das Mädchen ging jetzt an ihre Hausarbeit und begann die Gaststube zu säubern.
Dem sonnigen Tage war eine klare Nacht gefolgt so klar wie sie nur der Septembermonat bietet. Hell flimmerten die Sterne und eine matte Nöthe im Osten ließ den baldigen Aufgang des Mondes erwarten. In
den Baumwipfeln rauschte ein leiser Luftzug und kräuselte sanft die Fläche des im Walde liegenden Gewässers, in dem sich die umstehenden Sträucher und das Himmelszelt klar abspiegelten.
Still war es rings umher. Nur dann und wann ertönte in weiter Ferne das Gekläff der Hunde von den umliegenden Dörfern, oder ein Uhu ließ aus einem alten, hohlen Eichenbanme. seine unheimliche, Stimme er- schalleu. Plötzlich wird es lauter. Man hört es im Laube rasseln und das Knicken von Zweigen wird vernehmbar. Durch das Gebüsch und die Bäume, welche das Wasser kranzförmig eiüfassen, bricht ein Rudel Dammhirsche, um die trockene Zunge mit dem klaren und frischen Naß zu netzen. In gierigen Zügen stillen sie ihren Durst Da plötzlich raschelt es wiederum im Laube; die Thiere stutzen doch zu spät! ein Schuß tönt durch die Stille der Nacht, und einer der stärksten Hirsche des Rudels bricht todt zusammen, während die andern in langen Sätzen im Dickicht verschwinden.
Nachdem der Schütz — es ist Georg — das Gewehr wiederum geladen, nähert er sich seiner Jagdbeute. Sein Messer öffnend, beginnt er das Thier auszuweiden. Da hört er hinter seinem Rücken ein Geräusch. Er wendet sich um und siehr zu seinem größten Schrecken seinen Feind, den Förster, die Flinte an der Wange, vor sich stehen. Schnell, mehr als schnell läßt er ab von seiner Arbeit, springt auf und ergreift gleichfalls seine Flinte, dieselbe sofort auf den Förster anlegend.
»Legt Euer Gewehr nieder, Ihr seid mein Gefangener," ruft dieser drohend.
Leichenblaß steht Georg da. Vor seiner Seele mag wohl viel vorüberziehen: die Schande, die Strafe, Gre- tel . . . . und seiner nicht mächtig greift sein Finger mechanisch an den Drücker: ein Strahl, ein Knall — der Förster ist getroffen, doch nicht so, daß er sich nicht im Stande fühlte, seine Flinte gleichfalls abzudrücken, und auch Georg bricht tödtlich in das Rückgrat getroffen, zusammen. Nach wenigen Minuten gibt er seinen Geist auf.
Der Förster leidet fürchterlich; drei Rehposten sind ihm in den Unterleib geschlagen, und in solchem Zustande muß er in der kalten Nacht daliegen, bis ihn endlich in der Frühe des andern Morgens Waldarbeiter finden, die ihn ins Forsthaus bringen. Nachdem er dort