Einzelbild herunterladen
 

Hcrsfcl-cr Anzeiger.

Nr. 89* Hersfeld/ den 9. November. 1861*

DerHersfelder Anzeiger" erscheint wöchentlich zweimal, Mittwochs und Sonnabends. Preis desselben bei der Expedition (Neumarkt Nr. 587) pro Quartal 7J Lrgr., bei den Postanstalten kommt der übliche Postauf­schlag hinzu. Anzeigen aller Art werden ausgenommen und die Zeile oder deren Raum mit 8 Heller, bei Wie­derholungen mit 6 Heller berechnet.

Seine Königliche Hoheit der Kursüdst haben allergnädigst geruhet:

den provisorisch augestellten Calculator Carl Emil August Schaub beigem Obeihofmarschallamte nun­mehr definitiv dazu zu ernennen,

dem Präsidenten des Verwaltungsraths der Frank- furt Hanauer Eisenbahn-Gesellschaft, Varr entrapp, den Kurfürstlichen Wilhelmsorden vierter Klasse zu verleihen.

Gine WildDredsgeschichte.

Mitgetheilt von Adolf Beneke.

(Fortsetzung.)

So schnell wie der Zorn des Burschen entstanden, so rasch verrauchte er bei solchen Worten der Dirne wieder, und eine Thräne im Aug' zerdrückend, sagte er wehmüthig:

Mußt auch nicht so reden, Gretel! weißt ja, wie unmenschlich lieb ich Dich habe, weißt, das ich für Dich Alles und Jedes thu'."

Ja, ich weiß es, Georg, weiß, wie so treu und gut Du bist. Und nur die unrechten Beschuldigungen von vorhin waren es, die mir die bösen Worte auf den Mund legten; doch Du bist nicht mehr bös'Georg, wie?"

Einen Kuß preßte der Bursch auf den Mund des Mädchens und sagte dann mit freudestrahlenden: An­tlitz:Bin nicht mehr bös', Gretel." Dann fuhr er fort:Nun kann ich Dir auch noch 'ne gute Nachricht mittheilen: man hat mir auf Veranlassung meines Brot- Herrn die Hälfte des Gell/s das ich sür's Meisterwer- den zu zahlen hab', gnädig erlassen. An der zu entrich­tenden Summe fehlt nur noch ein Weniges, das ich die nächste Nacht zu verdienen gedenk'. Hab' nämlich im alten Eichenkamp 'nen Rudel herrlicher Dammhirsche aufgespürt und wenn's das Glück will, so wird einer derselben vor morgen früh mein sein. Heut, über vier­zehn Tage kann ich dann schon Zimmermeister sein und Dich als Frau unter mein Dach führen. Werden frei­lich klein ansangen müssen, aber mit Gottes Hülfe und

% unserm Alten Willen gewiß bald weiter kommen. Nicht wa^r, Gret'el, nun duldest Du auch nicht mehr, daß der Grünrock n'tit Dir schon thut, wie? Du weißt ja, wie mich's kränkt. Und dazu ist er ein schlechter Kerl, mit dem ein ehrliches Mädwen gar nichts mehr zu thun haben darf. Hab' da ein sauber' Stücklein von ihm erfahren. Kennst doch die stille Rösel, weißt, die Toch­ter des alten blinden Häuslings im Nachvardorfe, B., die ihren Vater mit ihrer Hände Arbeit ernähren muß. Dieseni Mädel hat der Schuft, der Grünrock, auch 'was vorgeschwgtzt, hat ihr sogar die Eb' versprochen, und jetzt, wo das Mädchen durch ihn Mutter werden will, jetzt leugnet der miserabele Kerl Alles ab. Bei nächster Amtssitzung kommt's zum Schwur, hab' ich mir sagen lassen und gib Acht, er schwört die That ab.

Doch was schwatze ich da; es ist schon über sechs Uhr, und ich muß zur Arbeit. Behüt' Dich Gott." Dem Mädchen die Hand reichend, ging^der Bursch von dannen. (Schluß folgt.)

Amtliche Bekanntmachun gen.

LanDrathsamt HerKfel-.

Gefundene Gegenstände: eine schwarze Tuchmütze mit ledernem Schild, aus der Straße zwischen Nieder, aula und Beiershausen. Der Eigenthümer derselben kann sich zu deren Rückempfang beim Ortsvorstand zu Niederaula melden.

Hersfeld, am 7. November 1861.

Kurfürstliches Landrathsamt. Muffarth.

Gefunden: ein wollenes Halstuch, welches von dem Eigenthümer dahier in Empfang genommen werden kann.

Hersfeld, am 8. November 1861.

Kurfürst!. Landrathsamt. AluUarth.

Gefunden: ein gestreiftes baumwollenes Geldbeu- telchen mit einem Geldbetrag darin. Der Eigenthü­mer desselben kann solches bei unterzeichneter Stelle zu- rückempfangen.

Hersfeld, am 7. November 1861.

Kurfürstliches Landrathsamt. Muffarth.