Hcrsfcl-er Anzeiger.
Skr. 88. Hersfeld, den 6. November. 1N61*
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: Seine Königliche Hoheit der Kurfürst haben allergnädigst geruhet:
den Kammerherrn und Geheimen Legationsrath Alexander ven jBaunibach zu Allertöckstihrem außerordentlichen Gesandten und bevollmächtigten Minister am Königlich Preußischen Hofe zu ernennen, dem Fruchtmesser und Rentereidiener Jacob Werner zu Spangenberg das silberne Verdienstkreuz zu verleihen.
Eine WildDiebsgeschichte.
Mitgetheilt von Adolf Beneke.
Im nordwestlichen Deutschland, und zwar in dem Theile, wo die Weser sich wie ein silberhelles Band durch die lieblichsten Thäler schläugelt, dort, wo sie die Grenzscheide von zwei größeren Wäldern, dem Rein- Hardsmalde und dem Sollinger bildet, zwischen Wald und Felsen tief versteckt, liegt das Dorf S. Im Rücken sich an den mit uralten, hoch zum Himmel anstrebenden Eichen und Buchen bedeckten Berg anlehnend, vor sich die liebliche Weser und hinter derselben lachende Gefilde, fruchtbare Fluren und mit dem saftigsten Grün bewachsene Wiesen, gewährt das Dorf eine reizende Ansicht, eine Aussicht, die weniger durch Wildroman-- tisches, als vielmehr durch freundliche Lieblichkeit das Auge des Lchauenden entzückt.
Auf einer Fußwanderung in dem verflossenen so schönen Sommer war es, als auch mich mein Weg in diese Gegend führte, und durch die Schönheit derselben gefesselt, beschloß ich einige Tage in dem Dorfe zu verweilen und von hier aus Ausflüge in die Nachbarschaft zu unternehmen.
Bei einem derselben, gerade am Tage vor meiner Weiterwandernng, führte mich mein Weg auf eine mitten im Walde telegene und mit wild wucherndem Grase und Unkraut bedeckte Blöße, in deren Mitte sich zu meinem Erstaunen ein breiter, mit Rasen eingefaßter und auch sonst noch gut erhaltener Grabhügel befand, zu dessen Häupten sich ein einfaches, weißes hölzernes
Kreuz erhob, an dem mit von Wind und Wetter verblichenen Buchstaben zu lesen stand:
Hier ruhen in Gott:
Förster Ernst Detlefs und
Zimmergesell Georg Graute, gestorben am 10. Sept. 185..
Erstaunt darüber, an solchem Orte eine Grabstätte zu finden, schlug ich den Rückweg ein. Zu Hause angekommen, war mein Erstes, von meinem Wirthe, dem Ortsvorsteher, einem noch rüstigen Siebenziger, zu erkunden, welche Bewandniß es mit dem Grabhügel habe, und ward mir das mitgelheilt, was ich in den nachstehenden Zeilen wiederzugeben versucht habe.
Es mögen jetzt wohl zehn Jahre her sein.
Im Spätsommer war es. Die Tage fingen an, bedenklich kürzer zu werden, das Laub hatte tbeilweise schon eine braune Schattirung angenommen und wenn die Sonne ihre erwärmenden Strahlen auf die Bäume warf, so gewährte die Beleuchtung der verschiedenen Farben einen wunderbar schönen Anblick.
Ein klarer Morgen war angebrochen.
Da schritt ein junger, vielleicht fünfundzwanzigjäh- riger Bursch, die Axt und das Winkelmaaß auf der Schulter, dem Wirthshause im Dorfe S. zu. Nachdem er die nur schwach angelehnte Hausthür geöffnet, ging er aus dem mit weißenrSand bestreuten Flur der Gaststube zu, woselbst er indeß zu so früher Stunde noch Niemand antraf.
„Grete," rief er da mit lauter Stimme.
Nachdem er seinen Ruf noch einmal wiederholt, that sich eine Seitenthür auf und in die Stube trat eine junge, blühend und gesund ausschende Dirne. Ihr Helles Auge verdunkelte sich bei dem Anblicke des Burschen ein wenig, und nicht sehr freundlich fragte sie:
„Weshalb kommst denn schon so früh, Georg? Hast ein Anliegen?"
Auch der Bursch blickte finster und mit bewegter Stimme sagte er dann:
„Hätt's wohl, wenn die Jungfer für mich 'neu Augenblick Zeit über hätt'!"