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Hersscl-er Anzeiger.

Nk. 8^. Hersfeld, den 2. November. 1561»

DerHersfelder Anzeiger" ersckeint wöchentlich zweimal, Mittwochs und Sonnabends. Preis desselben Lei der Expedition (Neumarkt Nr. 587) pro Quartal 71 Sgr., bei den Postanstalten kommt der übliche Postauf­schlag hinzu. Anzeigen aller Art werden aufgenommen und die Zeile oder deren Raum mit 8 Heller, bei Wie­derholungen mit 6 Heller berechnet.

Seine Königliche Hoheit der Kurfürst haben allergnädigst geruhet:

dem mit Versebung der Stelle eines Bundestags« Gesandten beauftragten Obergerichtsrath Kammer- berrn von Hesberg, zu Frankfurt a. M., den Kurfürstlichen Wilhelmsorden vierter Klaffe zu ver­leihen.

Der Wilddieb und der Satan.

Unter dem Tirel:Le Chemin des ecoliers ist in Paris eine mit sebr schönen Illustrationen von Gu­stave Dore gezierte Schrift erschienen, welche eine Feri- enreise von Paris nach dem Schwarzwalde und dem Rhein beschreibt, worin eine Menge Sagen und Legen­den mitgetheilt sind, welche dem Verfasser angeblich an Ort und Stelle erzählt worden sein sollen. Nach sei­ner Versicherung erfuhr er im Schwarzwalde folgende allgemein verbreitete Geschichte.

Der Wllddieb Waldhaus, der nach seinem gesetz­lichen und anerkannten Gewerbe Uhrmacher und Mecha- nikus war, hatte verstanden, sich ein Jagdgewehr zu verfertigen, das den Augen der Behörde leicht zu ver­bergen war und dessen trügerische Form nicht leicht in ihm eine mörderische Waffe vermuthen ließ.

Eines Tages erschien ganz plötzlich auf einem der höchsten Gipfel des Schwarzwaldes ein Mann mit schwarzen, borstigen Haaren vor ihm.

Guten Tag, Waldhans."

Guten Tag, Satan," antwortet ihm der kühne Wilddieb, der an dem Schwefelgerüche, welchen der Teufel um sich verbreitete. denselben sofort erkannte.

Was trägst Du denn in Deiner Hand?"

Es ist meine Tabakspfeife Mylord."

Eine änderbare Pfeife! Dn bist, wie man sagt, ein sehr geschickter Mann, Waldbaus, aber ich glaubte, Du beschäftigtest Dich weit mehr damit, dem Wilde Fallen zu stellen, als Pfeifen zu fertigen. Laß doch sebeu, ich will Deine Pfeife einmal versuchen, sie scheint mir sehr originell zu sein."

Waldhans war im ersten Augenblick über diesen

Antrag etwas verlegen; dann aber flog der kühnste Plan, den je ein Mensch gefaßt haben mag, plötzlich durch sein Gehirn; er will" die Welt, die jetzigen und künftigen Geschlechter von ihrem furchtbarsten Feinde befreien. Es handelte sich dabei für ihn um nichts Geringeres, als die Versöhnung der Erde mit dem Him- -mel zu versuchen.

Ist Deine Pfeife gestopft?" sagt der Satan.

Ja, Mylord."

Und wie bedient man sich derselben?"

Waldhans legt ihm hierauf das Flintenrohr zwi­schen die Lippen, jedoch nicht ohne ein wenig mehr vor Freude als vor Furcht zu zittern.

Dn hast Dein Feuerzeug bei Dir? Zünde jetzt die Pfeife an."

Nach einem an den heiligen Hubertus, den Schutz­heiligen der Jäger, gerichteten stillen Gebete drückte der Wilddieb das Flintenschloß los, und alle Echos der umliegenden Wälder erzitterten unter dem heftigen Knalle.

Waldhans war auf seine Kniee gesunken und preßte das Bild des heiligen Hubertus gegen seine Stirn. Als er sich erhob, stand der Teufel mit den Augen zwinkernd und den Kopf schüttelnd, noch vor ihm, ge­rade wie Jemand, der eben zu niesen im Begriff steht.

Er nieste in der That und warf in einer Wolke von Schießpulver und Rauch einige Rehposten aus, was ihm eine große Erleichterung zu verschaffen schien.

Tausend brennende Fackeln! Was für schlechten Taback führst Dn, mein Junge? Er ist mir in die Kehle gerathen. Wenn Du mich in der Hölle besuchen wirst, was wohl nicht sehr lange dauern mag, so werde ich Dir weit bessern rauchen lassen."

Ich werde mich bestreben, mich von dieser Reise zu befreien, Mylord."

Ba! Welcher Wilddieb sieht sich nicht heute oder morgen gezwungen, einen Forsthüter zu tödten und dann natürlich gehängt zu werden? Auf Wiedersehen also Waldhans 1"

Mit diesen Worten verschwand der Satan.