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Mrsfel-er A«zelger.

Rv. »6* Hersfeld, den 25. September. 1861>

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Der erste Fehltritt. .

(Eine Lebensskizze.)

I.

Wie schön o mein Gott! wie himmlisch schön Du bist, meine süße Dinon!" rief Ernst Berger entzückt und er wollte die reizende Braut umfassen, einen Kuß auf ihre rosigen Lippen drücken.

Dinon duldete die Umarmung aber unverwidert blieb Ernst's heißer Kuß, und während seine Augen in Wonne strahlten, schlug sie die langen Wimpern nieder, kein freundliches Lächeln umspielte den schönen Mund.

Zürnst Du mir, meine Dinon?" fragte Ernst betrübt.

Dinon schüttelte leise den Kopf, wandte sich mit einem Leufzer um und Ernst bemerkte wohl, wie sie mit dem Finger eine Thräne von den Augen wischte.

Noch einmal umfaßt er sie.Dinon!" bat er, laß uns nicht so zum Feste gehen! Ich bitte Dich, sei heiter! Sieh' Du weißt ja, wie glücklich es mich macht, jeden Deiner Wünsche zu erfüllen, wofern es ir­gend in meiner Macht steht; aber dies Mal es ist doch nicht möglich, so gern ich möchte. Darum laß mir mindestens Zeit, vielleicht"

Mein Gott, was willst Du nur? versetzte Dinon mit einem noch unfreundlichem Gesicht.

Ich will, daß Du heiter sein, daß Du nicht mich die Unmöglichkeit entgelten lassen sollst, einen Wunsch zu befriedigen, dessen Erfüllung für den Augenblick meine Kräfte übersteigt. Ich weiß wohl, daß mancher An­dere an meiner Stelle vielleicht >das Aeußerste thun würde, um die Wolken des Unmuths von einer so schö­nen Stirn wie die Deinige zu verscheuchen; aber, liebe Dinon, wir denken doch länger zu leben, als eine Ballnacht, und die nächste Zukunft schon wird so gewal­tige Anforderungen an uns machen, daß es gewiß ge­rathen ist, für jetzt jede überflüssige Ausgabe, wenn sie groß ist, zu vermeiden."

Ueberflüffig ist sie freilich," warf Dinon leicht hin; es handelt sich ja nur um den Wunsch eines eitlen Mädchens und der verständigere Mann richtet sein Augenmerk auf das Nothwendige und Nützliche!"

O, wie bitter Du bist!" sagte Ernst in einiger Aufregung.Wahrhaftig! wäre es nicht vielleicht schon zu spät, ich holte den unseligen Schmuck noch herbei, und sollte ich"

Ich habe ihn hier!" fielDinon schnell ein;Wer­ner hat ihn mir zurückgelassen; wenn er aber morgen nicht gekauft wird, so kauft ihn übermorgen die Gräfin Bendheim und der gönne ich ihn gerade am we­nigsten!"

Ernst sah sehr traurig vor sich nieder. Da legte Dinon den schönen vollen Arm auf seine Schulter, neigte ihre Wange dicht an die seinige und sagte schmeichelnd:

Ernst! ach, er ist doch so schön und nie wird man einen gleichen wieder für diesen Preis bekommen,; wenn ihn die garstige Bendheim erhielte!"

Es macht mir wirklich eine schwere Sorge," hob Ernst nach einer kleinen Pause an, Verlangt denn Dein Herz so sehr danach?

Nein, o nein!" entgegnete Dinon ziemlich kalt, indem sie ihren Arm zurückzog;eine so schwere Sorge will ich Dir nicht bereiten."

Nur noch einen Augenblick besann sich Ernst Ber­ger, dann sagte er rasch:

Behalte ihn, Dinon, ich werde es möglich machen!"

Nein, nein I" erwiderte Dinon,meinetwegen sollst Du keine Sorge haben. Meinst Du, ich könne nicht auch einem Lieblingswunsche entsagen? Meinst Du, ich denke nicht eben so gut daran, daß für Vieles weit Nothwendigere zu sorgen ist als für solchen Tand? Ich habe ja noch Schmucksachen genug, freilich so schön"

Behalte ihn nur, liebe Dinon, ich bitte Dich!" sagte Berger. Lege ihn schnell an, es ist Zeit, daß wir fortkommen."

Dinon zögerte scheinbar noch einige Sekunden, dann wurde der prachtvolle Schmuck herbeigeyolt, Ernst selbst half ihn befestigen, mit dem heitersten Gesicht stieg Ernst in den Wagen, der sie zu dem Balle bei dem Präsidenten, Ernst' Chef, führte.

Jener Schmuck wurde einer Geldverlegenheit we­gen, weit unter seinem Werth verkauft; für Ernst aber war die dafür geforderte Summe dennoch zu hoch, da ihm bei seiner, für die nächste Zeit anberaumter Ver-