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Hersfclöcr Anzeiger.

Rp. 25* Hersfeld, den 21. September./ 1881.

MH^ Die 23cjictUmgen auf denHersfelder Anzeiger" für das mit dem 1. Oktober beginnende vierte Quartal bitten wir rechtzeitig machen zu wollen. Neu hinzutretende Abonnenten er­halten die Nummern des laufenden Monats vom Tage der Bestellung an umsonst.

Seine Königliche Hoheit der Kurfürst haben allergnädigst geruhet:

die erledigte evangelische Pfarrstelle au Fulda dem Candibaten der Theologie Dr. Friedrich Claus aus Soden zu übertragen,

den HülfsprobatorWilhelm Dörffler zu Kassel zu in Probater bei dem Consistorium daselbst provi­sorisch zu ernennen,

den Bauconducteur Konrad Wolfs zu Kassel zum Ban-Jnspector für die Wasserleitungen und Kanäle, sowie für die bau- und feuerpolizeilichen Angelegen­heiten der Residenz zu bestellen.

DaS Gespenst.

(Schluß.)

«Nur keine Furcht, meine Kinder," ermunterte Ka- tharine,die bösen Geister haben keine Gewalt über den Menschen, wenn er fromm und gottesfürchtig ist, und ein gutes Gewissen hat. Wenn Ihr Alle still und ruhig seid." Das Gleiche sagte auch der alte Christian und forderte dann die Gesellschaft nochmals auf, bis nach Verlauf der Mirternacht zu bleiben.

Die Burschen, welche sich schämten feige zn erschei­nen, entschlossen sich sogleich, den Vorschlag anzunehmen, und auch die Mädchen blieben, da sie sich fürchteten, allein nach Hanse zu gehen.

Die alte Wanduhr hatte bereits die eilfte Stunde angezeigt. Die Burschen saßen mit beklommenem Muthe auf der Ofenbank. Die Mädchen zuckten vor Schrek- kensschauer und die Spinnräder standen fast alle still. Der Vetter Christian hatte ein alteS Buch mit schweins­ledernem Einbande aus dem Kasten herausgenommen, es war ein altes Gebetbuch, und las daraus mit lauter aber etwas zitternder Stimme, ein Gebet, gegen die bösen Geister. Dann langte er von dem Ofen eine Flasche Korn, nahm einen Schluck aus derselben und forderte jedes der Anwesenden auf, ein Gleiches zu thun, damit die Nerven ein wenig gestärkt werden. Auf einmal schaute er nach der Uhr. Es war noch fünf Minuten bis zwölf.Jetzt Muth gefaßt, meine Kinder,

der Augenblick ist nahe. Rühre sich keines von der Stelle, so sehr es auch lärmt und tobt. Bete Jedes ein stilles Vaterunser und es wird Alles ohne Unheil vorüberge . . . ." In diesem.Moment fuhr ein hefti­ger Windstoß an die Fensterläden. Zugleich entstand auf dem Boden ein so fürchterliches Getöse, als ob der Dachstuhl abgerissen werden sollte, und vom Kamin her drang ein Geschrei, daß Allen die Farbe aus dem Ge­sichte wich. Das Geschrei'kam bis vor die Thüre, dann erfolgte ein fürchterlicher Schlag gegen dieselbe. Im Schreckenstumglt stürzten Alle auf einen Haufen, das Licht wurde umgeworfen; in der Stube herrschte die dichteste Finsterniß. Es erfolgte ein zweiter Schlag und die Thür wurde aufgerissen. Aller Augen waren auf eine fürchterlich aussehende Gestalt gerichtet; die Gestalt war in ein weißes Tuch gehüllt, in einer Hand hielt sie eine kleine Blendlaterne, die andere streckte sie gegen die Erschreckten aus, sie schritt anf dieselben zu und zeigte ein blutbeflecktes entsetzenerregendes Gesicht.

Betet, betet, sonst sind wir verloren," rief jetzt die alte Katharine, und Jedes murmelte ein Stoßgebet, welches ihm in der Herzensangst gerade cinsiel; da rief der Vetter Christian mit fester Stimme vom Ofen herunter:Alle guten Geister loben Gott den Herrn! Geist! wer bist Du I!" Die Gestalt stieß ein schallendes Gelächter aus, sie ließ das weiße Gewand, in welches sie gehüllt war, auf den Boden lallen, rieb sich mit et­was im Gesicht, und die furchtsame Gesellschaft sah den lustigen Fritz leibhaftig vor sich stehen. Die Beschä­mung derselben wird sich Jedermann vorstellen können. Zum Schlüsse sei nur gesagt, daß Alle, auch der lustige Fritz in größter Heiterkeit bis zum Andruck) des Mor­gens bei einander blieben. Von Gespenstern ist seither in jener Gesellschaft nie mehr gesprochen worden, denn die meisten sind von ihrem Aberglauben geheilt. Nur die alte Katharine und . der Vetter Christian meinen mitunter: daß es Etwas gebe, sei ihre feste und steife Ueberzeugung, aber die junge Welt sei heut zu Tage zu gottlos, daß sie gar nichts mehr glauben wollte.

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