Nr. 74t
Hersfeld, den 18. September.
1861t
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Seine Königliche Hoheit der Kurfürst haben allergnädigst geruhet:
den bisherigen Aidekoch Albert Rohde in der Hofküche nunmehr zum Mundloch zu ernennen.
Das Gespenst.
(Fortsetzung.)
„So war es gerade ein Wetter, als der arme Friedel ermordet wurde," fiel die alte Katharine in's Wort. „Gott im Himmel, ich werde es meiner Lebtag nicht vergessen, wie der arme Mensch aussah, als ihn die Holzhacker aus dem Walde hierherbrachten. Dort lag er kalt und starr auf der Ofenbank. Am St. Flo- rianstage waren es gerade fünfzig Jahre."
Die Mädchen hielten im Spinnen inne und schauten furchtsam nach der Ofenbank, wo die Männer und Burschen saßen,- fuhren aber gleich wieder in ihrer Arbeit fort. ,
„Ja der arme Mensch hat ein trauriges Ende gehabt," nahm wieder die alte Katharine das Wort, „aber noch ein viel schlimmeres sein Mörder; Jahre lang ist seine That nicht an's Licht gekommen, bis er von Gewissensbissen gequält, sich selbst im Walde erhängte, an jenem Baume, unter welchem er einst den Mord verübt hatte. — Seither soll seine Seele keine Rast und Ruhe haben, bald sehe man ihn als großen schwarzen Schatten, bald als feurigen Pudel, um die mitternächtliche Stunde an jenem Orte herumgehen, und schon Mancher sei durch seine Erscheinung bis zum Tode erschreckt worden. ..."
„Ja, die Katharine spricht Wahrheit," fiel der Vetter Christian auf seinem Ofensitze ins Wort, „mir selbst ist er einmal als großer schwarzer Pudel im Walde nachgesprungen, und damals hat mir der Schrecken fast das Leben gekostet, doch war das noch nicht der größte Schrecken, ich habe noch einen größer» erlebt, hier im Hause in dieser Stube/
„Was, wieIII Hier im Hause, in dieser Stube!!" riefen von ihren Sitzen aufspringend Alle erstaunt. „Vetter Christian, das ist was Neues, das müßt Ihr uns erzählen," so scholl es von allen Seiten.
„Nun denn," entgegnete dieser, „wenn Jhr's absolut wissen wollt, so will ich Euch mittheilen, was ich einst in diesem Hause dort drinnen in der Kammer gesehen habe, paßt jetzt auf."
Die Burschen auf der Ofenbank und die Mädchen an den Spinnrädern rückten näher aneinander und richteten ihre Blicke in gespannter Erwartung nach dem erhabenen Standpunkte des Vetter Christian, welcher nach einem bedeutungsvollen Räuspern mit der geheimnißvollen Geschichte herausrückte.
„Niemand als meine Schwester Karharine kann sich noch erinnern, daß dieses Haus vor langen, langen Zeiten von zwei Brüdern bewohnt wurde. Der Eine war fleißig und sparsam, der Andere liederlich und dem Trunke ergeben. Was Wunders, daß in kurzer Zeit sein Vermögen verpraßt war; da er die Warnungen seines jüngeren Bruders stets verhöhnt hatte, so schlug dieser dem Besserungversprechenden jede Unterstützung ab, und verbot ihm die Schwelle seines Hauses jemals mehr zu betreten. Mit wüthendem Groll im Herzen beschloß der Letztere sich an seinem Bruder zu rächen.
An einem Sonntag Morgen ging dieser über Feld um in einem benachbarten Dorf ein Geschäft abzu- schließen. Er mußte durch einen Wald, durch den keine Straße sondern nur ein Fußweg führte, der wenig begangen wurde. — Am Abend kehrte er nicht nach Hause zurück, auch nicht am andern und folgenden Tage. Da wurden seine Nachbarsleute (eine Haushaltung hatte er nicht, das Essen wurde ihm von einer Nachbarsfrau besorgt) unruhig. Die ganze Gegend wurde durchstreift. Im Walde, wenige Schritte vom Fußwege fand man eine Leiche; es war die des Hannes. Der zerschmetterte Hirnschädel und der Umstand, daß der Leiche die Oberkleider alle abgezogen waren, ließen auf einen Raubmord schließen. Bei der Beerdigung blieb kein Auge nocken, denn der Erschlagene war ein gar beliebter Mensch gewesen; nur der Bruder weinte nicht. Er sah so finster verstört drein, daß die Leute sagten, der Schmerz müsse ihn ganz niedergebeugt haben. Als Erbe seines Bruders fiel ihm das Haus, die Liegenschaften und eine zurückgelegte Summe Geldes zu. Eine Zeit lang schien er zu einem ordentlichen Lebenswandel zurückkehren zu wollen, aber nur eine Zeitlang, denn bald