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Hersselber Anzeiger.

Nr. 73. Hersfeld, den 14. September. 18G1.

DerHersfelder Anzeiger" erscheint wöchentlich zweimal, Mittwochs und Sonnabends. Preis desselben bei der Expedition (Neumarkt Nr. 567) pro Quartal 7| Sgr. bei den Postanstalten kommt der übliche Postauf- schlag hinzu. Anzeigen aller Art werden aufgennmmen und die Zeile oder deren Raum mit 8 Heller, bei Wie­derholungen mit 6 Heller berechnet.

Seine Königliche Hoheit der Kurfürst haben allergnädigst geruhet:

dem Ober-Vorsteher des ritterschaftlichen Stifts Häufungen mit Wetter von Milchling den Kur­fürstlichen Wilhelmsorden vierter Classe zu verleihen, den ordentlichen Criminalgerichts-Assestor Joseph Rüb sam in Fulda zum Justizbeamten bei dem Ju­stizamte in Naumburg und

den ordentlichen Criminalgerichts-Assessor Eduard Hüpeden in Marburg zum Justizbeamten bei dem Justitzamte in Jesberg zu bestellen,

den Kanzlisten Heinrich Schmidt vom Oberge­richt zu Cassel in gleicher Eigenschaft zum Ober- Appellationsgericht zu versetzen,

den zum Prorector der Landesuniversität für das Amtsjahr 18|i gewählten Professor der Mathematik Dr. Stegmann zu bestätigen.

die erledigte Pfarrei Herrenbreitungen, in der Juspektur Schmalkalden, dem Pfarrer Adolph Hein­rich Amelung zu Volkmarsen, und

die erledigte Pfarrerstelle zu Dagobertshausen, in der Klasse Weisungen dem außerordentlichen Pfarrer Rector Friedrich Ludwig Baum zu Gudensberg ju übertragen,

den Hauptsteueramts-Practicanten Ferdinand En­gelhard zu Carlshafen zum Assistenten bei dem Hauptsteueramte zu Cassel provisorisch zu ernennen, den Revierförster Johann Heinrich Lenz zuGotts- büren, zum Forstreviere Wambeck in gleicher Eigen­schaft zu versetzen.

Das Gespenst.

Daß der Glaube an das Gespenster- und Spnck- wesen, vorzugsweise bei der ländlichen Bevölkerung, auch in unseren aufgeklärten Zeiten noch vielfach verbreitet ist, ist eine bekannte Thatsache. Ebenso ist es bekannt, daß oft die geringsten Täuschungen, entweder der Phan­tasie oder der Wirklichkeit im Stande sind, diesem Glau­ben oder vielmehr Aberglauben stets neue Nahrung zu verschaffen.

Eine in einem Dorfe in Schlesien kürzlich vorge« fallene Geistererscheinung hat jedoch eine ganz entgegen­gesetzte Wirkung hervorgebracht.

In dem betreffenden Dorfe, in welchem der Schau­platz unserer Geschichte spielt, hat der Aberglanbe be­sonders viele Anhänger, die sie namentlich zur Winters­zeit, wo es keine Feldbeschäftigung giebt und der Bauer zum Stubensitzen genöthigt ist, mit ihrem Steckenpferde beschäftigen. Da vergehen die langen Feierabende un­ter deni Erzählen entsetzlicher Geschichten und beim Schnurren des Spinnrades treibt es manchem alten Mütterlein und manchem jungen rothwangigen Mädchen den Angstschweiß auf die Stirne.

In einem wohlhabenden Bauernhause kam alle Abende eine Gesellschaft von ältern Männern und Weibern, jungen Burschen und Mädchen zusammen. Diese Ge­sellschaft, bei welcher sich das Hauptunterhaltungsthema stets um übernatürliche Dinge drehte, wurde von der übrigen Ortsbevölkerung die geschlossene oder geheime genannt, denn es fanden nur sogenannte Sonntagsmen­schen in derselben Zutritt. Sie hatte also ihre gewis­sen Statuten.

Sobald sich alle Mitglieder nach Vollzug des Nacht­essens eingefunden hatten, placirte sich die männliche Abtheilung auf der einen, einen großen Ofen umring« enden Bank, während die weibliche mit den Spinnrä­dern in die Mitte der Stube zusammenrückte, und so einen Kreis bildete, dessen Mittelpunkt die alte Katha- rine durch deren Erzählungsgabe die Gesellschaft ent­standen war, verstellte. Das männliche Personal be­trachtete es als seine Obliegenheit durch tüchtiges Ta- Lackqualmen, für eine angenehme Atmosphäre zu sorgen, während das schöne Geschlecht den Faden der Unterhal­tung in den Händen hielt. Von Seite des intern wurde gewöhnlich an die alte Katharine, oder den Vet­ter Christian, welcher in der Regel den Hintersitz des großen altmodischen Kachelofens einnahm, die Aufforde­rung zur Erzählung dieser oder jener schon hundertmal vorgetragenen Geschichten gerichtet. Nach einem allge­meinen Räuspern, auf welches die feierlichste nur hin und wieder durch das Schnurren der Spinnräder un­terbrochene Stille folgte, die etwa fünf bis zehn Minu­ten dauerte, begann sodann die alte Katharine ihre Er«